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Medizin

Gonorrhoe: WHO warnt vor weltweiten Resistenzen bei Hoffnung auf drei neue Wirkstoffe

Freitag, 7. Juli 2017

Genf – Die Behandlung der Gonorrhoe, die lange Jahre mit Standardantibiotika problemlos möglich war, gestaltet sich zunehmend schwierig aufgrund von Resistenzen, die sich in letzten Jahren in 77 Ländern ausgebreitet haben. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) weist im Vorfeld des „STI & HIV World Congress“ in Rio de Janeiro auf die Problematik hin, die sich durch drei neue Antibiotika wieder entspannen könnte.

Die Zeiten, in denen die Gonorrhoe (wie heute noch die Syphilis) mit Penicillin kuriert werden konnte, sind lange vorüber. Auch Chinolone haben weltweit ihre Wirkung gegen Neisseria gonorrhoeae verloren. Laut dem WHO Global Gonococcal Antimicrobial Surveillance Program (WHO GASP) werden inzwischen in 97 Prozent der Länder (die Daten erheben) resistente Stämme nachgewiesen.

Auch Resistenzen gegen Azithromycin (81 Prozent der Länder) haben sich stark ausgebreitet. In 66 Prozent der Länder wurden Resistenzen gegen die Cephalosporine Cefixim (oral) oder Ceftriaxon (intravenös) nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut beobachtet auch für Deutschland seit einigen Jahren eine deutliche Zunahme von Resistenzen gegen Cefixim. Die Behandlung erfolgt heute nach einer Empfehlung der WHO parenteral mit Ceftriaxon in Kombination mit Azithromycin.

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Wenn diese Kombination versagt, sind derzeit die therapeutischen Möglichkeiten erschöpft und die Behandlung des „Trippers“ müsste beim Mann wie in den 1930er Jahren wieder mit der Spülung der Harnröhre (oder des Rachens) mit antiseptischen Medikamenten erfolgen. Bei Frauen dürfte es keine Therapie mehr geben. Die Infektion verläuft bei Frauen zunächst asymptomatisch. Später kommt es zu Entzündungen im kleinen Becken (Pelvic inflamatory disease, PID) und zur Infertilität. Die chronische Infektion erhöht zudem das HIV-Infektionsrisiko.

Die Entwicklung neuer Antibiotika kommt nur schleppend voran, es gibt aber gleich drei aussichtsreiche Kandidaten. Solithromycin, ein Fluoroketolid-Antibiotikum (eine Variante der Makrolide), hat in einer Phase 2-Studie nach einer Einzeldosis die Gonorrhoe bei allen 22 Patienten kuriert. Der Hersteller hat mit einer Phase 3-Studie begonnen. Zoliflodacin, ein DNA-Gyrase-Inhibitor, hat bereits 2015 eine Phase-2 Studie erfolgreich abschlossen. Der Beginn der Phase 3-Studie hat sich mangels eines Investors verzögert. Der Beginn ist jetzt für Ende 2018 geplant. Das dritte neue Antibiotikum könnte Gepotidacin sein, ein Topoisomerase-Inhibitor, der ebenfalls die klinische Phase 2 erfolgreich abgeschlossen hat.

Ob die drei Antibiotika sich in der Phase 3-Studie als sicher und effektiv erweisen werden und wann sie zur Behandlung zur Verfügung stehen werden, lässt sich derzeit noch nicht absehen. © rme/aerzteblatt.de

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