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Ärzteschaft

Umfrage: Ärzte verlangen mehr Personal in Krankenhäusern

Donnerstag, 6. Juli 2017

/Syda Productions, stock.adobe.com

Berlin – In den Krankenhäusern in Deutschland fehlt es an Ärzten und Pflegekräften. Die Folgen: Der Arbeitsdruck auf die Mitarbeiter wächst, es bleibt weniger Zeit für Privatleben und Familie, die Belastung durch Verwaltungstätigkeiten steigt, während die Zeit, die für die Patientenversorgung zur Verfügung steht, abnimmt. Das hat eine Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB) ergeben, an der sich im April rund 6.200 angestellte Ärzte beteiligt haben. Der MB-Monitor wird im Auftrag der Ärztegewerkschaft alle zwei Jahre vom Institut für Qualitätsmessung und Evaluation durchgeführt.

Nach der Umfrage hielten es 49 Prozent der Ärzte für „sehr wichtig“ und 23 Prozent für „am wichtigsten“, dass in den Krankenhäusern mehr Ärzte eingestellt werden. Drei Viertel der Befragten hielten mehr Personal in der Pflege für „sehr wichtig“ (52 Prozent) oder „am wichtigsten“ (23 Prozent).

„Die Ärzte erleben die Folgen der Unterbesetzung auf den Stationen. Sie wissen, wie wichtig funktionierende Mannschaften in den Abteilungen sind“, erklärte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke dazu heute bei der Vorstellung der Ergebnisse des MB-Monitors in Berlin. Damit die Ärzte wieder mehr Zeit für die Patientenversorgung hätten, müsse deren Entlastung durch andere Berufsgruppen vorangetrieben werden. Das könne zum Beispiel durch Arztassistenten (Physician Assistants) geschehen, über deren Berufsbild auch der Deutsche Ärztetag im Mai dieses Jahres beraten habe.

Arbeitsbedingungen: Kein Anstieg bei den Noten „gut“ und „sehr gut“

Dem MB-Monitor zufolge erklärten zwei Drittel der Krankenhausärzte (66 Prozent), dass ihnen für die Behandlung ihrer Patienten nicht ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) stufte die eigenen Arbeits­bedingun­gen als „mittelmäßig“ ein, 2010 waren es 30 Prozent. 26 Prozent erlebten ihre Arbeits­bedingungen als gut (2010: 25 Prozent) und vier Prozent – ebenso wie 2010 – als sehr gut. Als schlecht bewerteten in diesem Jahr 19 Prozent ihre Arbeitsbedingungen, 2010 hatten noch 32 Prozent so geurteilt. Für sehr schlecht hielten sie fünf Prozent (2010: zehn Prozent).

„Die Arbeitsbedingungen haben sich verbessert“, kommentierte Henke die Zahlen. Dazu habe sicherlich auch eine strukturiertere fachärztliche Weiterbildung beigetragen. Dass es jedoch keinen Anstieg bei den Noten „gut“ und „sehr gut“ gebe, „das muss anders werden“, forderte der MB-Vorsitzende.

Bürokratie: „Zeitfresserei, die dem Patienten nicht dient“

Für bedenklich hielt er es zudem, dass sich der Umfrage zufolge jeder fünfte Befragte mit dem Gedanken trug, die ärztliche Tätigkeit aufzugeben. „Einen solchen Aderlass können wir uns nicht leisten“, sagte Henke. Als Gründe nannten die Ärzte die hohe Arbeitsbelastung, den ökonomischen Druck, Personaleinsparungen und die ausufernde Bürokratie.

26 Prozent der Ärzte verbringen inzwischen mehr als drei Stunden am Tag mit Verwal­tungs­tätigkeiten wie Datenerfassung, Dokumentation und Organisation. Nur elf Pro­zent beziffern den bürokratischen Zeitaufwand auf weniger als eine Stunde täglich. Folglich ist der Abbau von Bürokratie für 44 Prozent der Krankenhausärzte „sehr wich­tig“ und für 26 Prozent sogar „am wichtigsten“. Als „Zeitfresserei, die dem Patienten nicht dient“, bezeichnete Henke die überbordende Bürokratie in den Krankenhäusern. „Sie erstickt die ärztliche Arbeit, und die eigentliche Zeit für die Arbeit am Patienten schwindet“, kritisierte er.

Krankenhausärzte: Mehr Personal, weniger Bürokratie

Im Monitor des Marburger Bundes wird deutlich, was sich Klinikärzte derzeit wünschen: mehr Zeit für ihr Privatleben, eine verlässlichere Dienstplangestaltung und mehr Personal in ihrer Abteilung. Als störend empfinden sie die Dokumentation – und fehlende Wertschätzung. 

Regelarbeitszeit reduzieren

Wie aus der Mitgliederbefragung auch hervorgeht, arbeiten Ärzte länger, als sie wollen. Überstunden und Zusatzdienste sind danach an der Tagesordnung, um die Personalnot auszugleichen. Dabei wünschen sich 90 Prozent der Ärzte dem MB-Monitor zufolge eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden. Die tatsächliche Arbeitszeit liege allerdings wesentlich höher: 40 Prozent arbeiteten 49 bis 59 Stunden pro Woche, jeder fünfte habe eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden inklusive aller Dienste und Überstunden.

Eine Überlastungsanzeige stellten jedoch die wenigsten, sagte der 2. Vorsitzende des MB, Andreas Botzlar. Und von denjenigen, die es getan hätten, berichteten die meisten, dass sich dadurch nichts geändert habe. Für Botzlar stellt sich deshalb die Frage, ob die Zeit reif ist, im Rahmen der Tarifverhandlungen die Regelarbeitszeit zu reduzieren. Auch die zunehmende Teilzeittätigkeit von Ärzten weist für ihn in diese Richtung. In diesem Jahr gaben 24 Prozent der Ärzte an, Teilzeit zu arbeiten (37 Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer). 2013 waren es insgesamt 15 Prozent. © HK/aerzteblatt.de

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Rie-Rie
am Donnerstag, 6. Juli 2017, 17:36

Problemerkennung muss zu Konsequenzen führen

In schöner Regelmäßigkeit werden Mißstände im Gesundheitssystem diskutiert. Es nützt jedoch nichts dies immer in der Ärzteschaft zu tun, in der die Erkenntnis schon lange durch die gelebte Praxis allgegenwärtig ist. Die Botschaft muss in die Politik getragen werden, wo Veränderungen angestossen werden können. Bleibt dies wirkungslos, wäre die Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit anzudenken, etwa in der Form, dass Patienten sich bewußt werden, dass hohe Arbeitsbelastung im Medizinsystem zu Burn-out oder Demotivierung der Akteure führen wird oder dass die Bevölkerung angesichts der Feminisierung in der Medizin einem großen Versorgungsproblem gegenübersteht, wenn die Kolleginnen wegen Unvereinbarkeit von Beruf und Familie das System verlassen. Es hilft nichts ständig zu jammern, man muss nach Lösungen suchen.

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