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Medizin

Acetylsalicylsäure: Vor der Operation nur nach Rücksprache mit dem Arzt absetzen

Freitag, 7. Juli 2017

Operationssaal Vorbereitung /gornist, stock.adobe.com
Die Unterbrechung einer Dauertherapie mit Acetylsalicylsäure vor nichtkardiochirurgischen Eingriffen kann bei Risikopatienten kardiale Ereignisse verursachen. /gornist, stock.adobe.com

Hamburg – Einige Patienten, die Acetylsalicylsäure (ASS) dauerhaft als Gerinnungs­hemmer einnehmen, sollten diese Therapie vor einer Operation absetzen. Europäische und US-amerikanische Leitlinien empfehlen bei nichtkardiochirurgischen Patienten eine Nutzen-Risiko-Analyse und einen festen Zeitrahmen für das Absetzen (siehe Kasten). Diese Empfehlungen halten Ärzte jedoch oft nicht ein, wie eine monozentrische Querschnittsstudie zeigen konnte. Die Ergebnisse haben Hamburger Forscher im Deutschen Ärzteblatt publiziert (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 437-80).

Nutzen-Risiko-Analyse

pro Absetzen

  • operatives Blutungsrisiko überwiegt klar gegenüber dem kardiovaskulären Nutzen
  • Patienten mit Stent, aber mit hohem Blutungsrisiko in einem Kompartiment, wie etwa dem Gehirn, der Augenkammer, im Knochen-, Rücken- oder Nierenmark

Contra Absetzen

  • Patienten nach einer perkutanen Koronarintervention mit Stent
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Wer ASS vorsorglich dauerhaft einnimmt und diese Therapie absetzt, erhöht sein Risiko für einen Herzinfarkt. Eine BMJ-Studie aus dem Jahr 2016 beziffert das Risiko auf 60 Prozent. Eine Metaanalyse berichtet sogar über eine Verdrei­fachung kardialer Ereignisse bei Risikopatienten.

Dennoch sollten Ärzte in Erwägung ziehen, die ASS-Dauertherapie bei einigen Patienten mit Stentimplan­tationen zu unterbrechen. Und zwar dann, wenn diese einen nichtkardio­chirurgischen Eingriff vor sich haben, der zeitlich planbar ist. Kardiologen und Anästhesisten müssen dabei laut Leitlinie zwei Risiken gegeneinander abwägen: kardiovaskuläre thromboembolische Komplikationen beim Absetzen von ASS und die Gefahr einer Blutung während der Operation beim Fortsetzen der ASS-Therapie. Falls sie sich dafür entscheiden, ASS vorübergehend abzusetzen, sollte dies laut Leitlinie sieben bis zehn Tage vor der Operation passieren. Einige Experten sind auch der Meinung, dass ASS fünf Tage vorher abgesetzt werden sollte.

Der klinische Alltag sieht oft anders aus, wie die Befragung von 636 Patienten in der Anästhesieambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf ergab. Bei fast der Hälfte der Patienten wurde die ASS-Therapie vor dem nichtherzchirurgischen Eingriff abgebrochen. Ein Drittel der Patienten tat dies ohne einen ärztlichen Rat. Fast 40 Prozent setzen den Gerinnungshemmer zudem zu früh ab, mehr als zehn Tage vor der Operation, oder zu spät, weniger als drei Tage vorher.

Auch in der Subgruppe von 140 Patienten mit Koronarstents beobachteten die Autoren um Lili Plümer und Martin Petzoldt ein nicht leitliniengerechtes Verhalten. Etwa 35 Prozent unterbrachen die ASS-Dauertherapie, obwohl weder ein relevantes Transfusionsrisiko noch ein Blutungsrisiko in ein geschlossenes Kompartiment bestand.

Um die Therapie leitliniengerecht durchzuführen, empfehlen die Forscher, Anästhesisten früher in ein Vorgespräch einzubinden. Sie verweisen auch auf Implantat-Pässe, die seit dem 1. Oktober 2015 Pflicht sind. Von den hier gebündelten Informationen zum Stenttyp, zur Implantationsindikationen und zur Hemmung der Thrombozytenaggregation versprechen sie sich eine Hilfe bei der Nutzen-Risiko-Analyse und somit eine bessere Adhärenz. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #110805
medionline
am Samstag, 8. Juli 2017, 07:30

relative Risiken

"Eine Metaanalyse berichtet sogar über eine Verdrei­fachung kardialer Ereignisse bei Risikopatienten."
Das bedeutet 3 anstatt 1 von 1 Milliarde? Bitte keine relativen Risiken veröffentlichen.
LNS

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