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Für die Medizinische Hochschule Hannover stehen die Zeichen auf Neubau

Donnerstag, 6. Juli 2017

Medizinische Hochschule Hannover /dpa

Hannover – Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist Aushängeschild und Sorgenkind zugleich in Niedersachsen. Nicht nur Spitzenleistungen der Forschung, sondern auch marode Gebäude und Missmanagement sorgten zuletzt für Schlagzeilen. Nun plant das Land einen kompletten Neubau.

„Es droht ernsthaft, dass Klinikteile geschlossen werden müssen“, räumte Wissen­schafts­ministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) kürzlich ein. Die überalterte Bau­substanz führe zu vielen Sicherheitsmängeln bei Brandschutz, Elektro- und Medizin­technik. Mit Ausfällen sei jederzeit zu rechnen, warnte sie im Landtag. „Es besteht ein Gefahrenpotenzial.“ Neubau oder Sanierung, so lautet seit Längerem das Vorhaben der Landesregierung. 2,1 Milliarden Euro sollen nach ersten Schätzun­gen in die Generalerneuerung der MHH und der Uniklinik Göttingen fließen. Ein Sondervermögen von 600 Millionen wurde aufgelegt.

Bauvorhaben missglückt

Zuletzt allerdings hatten der MHH auch chaotische Bauvorhaben Negativ-Schlagzeilen gebracht. Ein neues Laborgebäude verschlang bislang 32,7 Millionen Euro, steht aber seit zwei Jahren leer: Stromversorgung und Klimaanlage waren nicht ausreichend für die neueste Labortechnik, die die Klinik im Nachhinein dort haben wollte. „Das ist doch, als wenn ich erst die Garage baue und dann ein Auto kaufe, was nicht rein passt“, sagt der CDU-Fraktionsvize Jörg Hillmer. Die Sache sei „gnadenlos schiefgegangen“, befindet auch die Wissenschaftsministerin. Als Ursache sieht sie ein Kompetenz­wirrwarr zwischen MHH, Finanz- und Wissenschaftsministerium sowie dem staatlichen Baumanagement.

Um dem Chaos bei der MHH einen Riegel vorzuschieben, folgte Wissenschaftsministe­rin Heinen-Kljajic für die geplanten Rieseninvestitionen einem Vorschlag des Landes­rechnungshofes. Die Verantwortung für die Sanierung wird bei zwei neu gegründeten Baugesellschaften liegen, von denen eine für die MHH zuständig sein wird, die andere für Göttingen. Die Kliniken haben eine unterschiedliche Rechtsform. Die MHH ist ein landeseigener Betrieb, die Hochschulmedizin in Göttingen dagegen ist Teil der Stiftungsuniversität, die selbst Bauherreneigenschaft hat.

Parkplatz oder Neubau an anderer Stelle

Heinen-Kljajic hofft, dass damit nun das „Gremien-Zick-Zack“ ohne klare Zuständig­keiten bei der MHH beendet wird. MHH-Präsident Christopher Baum sieht die Gründung der Baugesellschaft positiv: „Damit werden schon in der Planungsphase optimale Kommunikationsstrukturen geschaffen.“ In fünf bis sechs Jahren sollen die ersten neuen Gebäude fertig sein. Eine Sanierung der alten Bauten ist praktisch vom Tisch.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, der Vorschlag eines kompletten Neubaus sei für ihn „diskutabel“. MHH-Vizepräsidentin Andrea Aulkemeyer, in deren Ressort das Thema Bauen fällt, hält diese Lösung ebenfalls für sinnvoller. „Die Medizin von morgen lässt sich nur schwer in der baulichen Hülle von gestern verwirklichen“, sagte sie.

Die Neubauten könnten entweder auf dem bislang als Parkplatz genutzten Areal der MHH entstehen oder auf einem Erweiterungsgelände westlich des Stadtfelddamms. Sollte das neue Klinikum auf dem Erweiterungsgelände entstehen, würde das allerdings eine neue öffentliche Verkehrsanbindung erfordern.

Niedersachsen erwägt auch, die Planungs- und Bauarbeiten einem Generalunter­nehmen zu übertragen. Die Beteiligung eines privaten Investors dagegen ist für den eigentlichen Klinikbau laut Heinen-Kljajic „keine Option“.

Für diesen Weg hatte sich Schleswig-Holstein bei der Sanierung der Uni-Kliniken Kiel und Lübeck entschieden. Dort sollen private Investoren ein Viertel der Sanierungs­kosten aufbringen und später dafür Miete einnehmen. Ob in Niedersachsen die jetzt avisierten Kosten von 2,1 Milliarden Euro eingehalten werden können, kann Heinen-Kljajic derzeit nicht sagen. Bauen sei „nie risikolos“, sagte die Ministerin. © dpa/aerzteblatt.de

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