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Medizin

Zuckerkonsum der Schwangeren könnte Asthma und Allergien beim Kind fördern

Freitag, 7. Juli 2017

/dinaphoto, stock.adobe.com

London – Britische Forscher haben eine mögliche neue Erklärung für die Zunahme von allergischen Erkrankungen im Kindesalter. Ein hoher Zuckerkonsum in der Schwanger­schaft war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im European Respiratory Journal (2017; 50: 1700073) mit einer erhöhten Rate von atopischen und allergischen Erkrankungen ihrer Kinder verbunden.

Der Konsum von raffiniertem Zucker ist seit den 1970er-Jahren stark angestiegen. Zudem werden immer mehr Nahrungsmittel mit fruktosehaltigem Maissirup („high fructose corn syrup“, HFCS) gesüßt, der dank einer zu jener Zeit eingeführten enzyma­tischen Technik kostengünstig aus Maisstärke hergestellt werden kann. In der gleichen Zeit hat die Zahl der allergischen Erkrankungen in den westlichen Ländern zugenom­men. Ein kausaler Zusammenhang ist durchaus vorstellbar, da die Verstoffwechselung von Fruktose in der Leber mit einem Entzündungsreiz (Anstieg des C-reaktiven Proteins) verbunden ist und die vermehrte Bildung von Harnsäure eine allergische TH2-Antwort des Immunsystems fördern könnte.

Ein Team um Seif Shaheen von der Queen Mary Universität in London hat hierzu die Daten der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) ausgewertet, die seit den frühen 1990er Jahren eine Kohorte von Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet. Die Mütter hatten während der Schwangerschaft einen Ernährungs­fragebogen ausgefüllt, deren Angaben Shaheen jetzt mit der Rate von atopischen Erkrankungen in Verbindung gesetzt hat.

Ergebnis: Die Kinder der Mütter mit dem höchsten Zuckerkonsum (oberstes Quintil) erkrankten zu 38 Prozent häufiger an einer Atopie (adjustierte Odds Ratio 1,38; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06–1,78). Die Zahl der Erkrankungen an einem atopischen Asthma waren mit einer Odds Ratio von 2,01 (1,23–3,29) sogar doppelt so hoch wie bei den Kindern von Müttern mit dem niedrigsten Zuckerkonsum.

Wie bei allen Beobachtungsstudien sind die Ergebnisse nicht beweisend. Es ist mög­lich, dass Mütter mit einem hohen Zuckerkonsum noch andere Eigenschaften oder Verhaltensweisen aufwiesen, die in der Studie nicht erfasst wurden und anstelle des Zuckers für das erhöhte Risiko verantwortlich sind. Die Hypothese ist relativ neu und bisher fehlt eine Bestätigung in anderen Studien. © rme/aerzteblatt.de

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