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Medizin

Harnwegsinfektionen: Dauerkatheter erhöhen das Risiko

Montag, 10. Juli 2017

/Gerhard Seybert, stock.adobe.com

Bochum – Ob Patienten mit einer ambulant erworbenen Harnwegsinfektion auf Antibiotika reagieren, hängt von diversen Risikofaktoren ab. Besonders schlechte Sensibilitätsraten bei einer ganzen Reihe von Antibiotika haben jedoch jene, die dauerhaft einen Katheter tragen. Weniger als die Hälfte einer Studiengruppe sprach im Mittel auf neun getestete Antibiotika an. Die retrospektive Studie, in der Forscher Patientendaten einer urologischen Großpraxis ausgewertet haben, wurde in Der Urologe publiziert (2017; doi: 10.1007/s00120-017-0401-9)

Getstete Sensibiltät von Antibiotika

schlecht (< 22 Prozent im Jahr 2011/2012): Amoxicillin, Gentamicin

gut (> 76 Prozent): Cefuroxim, Nitroxolin

Mittel (55 bis 76 Prozent  im Jahr 2011/2012): Nitrofurantoin, Levofl./Ciprofloxacin, Trimethoprim, Fosfomycin, Doxycyclin

Patienten mit Dauerkatheter sprechen auf alle getesteten Antibiotika deutlich schlechter an, als der hier dargestellte Durchschnitt.

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Die Forscher um Burkhard Ubrig von der Klinik für Urologie in Bochum unter­suchten die Urinproben von 1.397 und 1.654 Patienten zu zwei Zeiträumen – 2005/2006 und 2011/2012. Darunter befanden sich verschiedene Gruppe, die ein Risiko für Harnwegsinfektionen trugen: 73 Prozent litten an einer un­komp­li­zierten Blasenentzündung, fast neun Prozent waren Diabetiker, drei Prozent Heimbewohner, zwei Prozent hatten eine Prostatitis/Epididymitis und gute zwölf Prozent trugen dauerhaft einen Katheter.

Nicht alle Antibiotika wirken gleich gut

Am besten von neun verschiedenen Antibiotika wirkte bei Dauerkatheterträgern Nitroxolin. Zwischen 67 und 75 Prozent sprachen darauf an. In der Gesamtgruppe lag die Sensibilität sogar bei 80 Prozent (2005/2006) und stieg in den Jahren 2011/2012 auf fast 90 Prozent an. Am schlechtesten sprachen die Patienten der Urologischen Klinik in Bochum auf Amoxicillin und Gentamicin an (2005/2006: 45 bzw 70 Prozent und 2001/2012: 22 bzw 12 Prozent). Bei den übrigen Antibiotika lag die Empfind­lichkeit zwischen 36 und 77 Prozent. Darunter zeigten Fosmomycin, Doxycyclin und Nitrofurantoin einen klaren positiven Trend im späteren Zeitraum 2011/2012 (siehe Kasten).

Die guten Sensibilitätsraten für die Antibiotika Fosfomycin, Ciprofloxacin und Nitro­furantonin bei Frauen mit einer Blasenentzündung aus einer Studie in European Urology aus dem Jahr 2008 konnten die aktuellen Daten somit nicht bestätigen.

Infektionen mit Escherichia Coli und Proteus nahmen ab

Auch bei den Erregergruppen beobachteten die Forscher Unterschiede zwischen den beiden Zeiträumen. Erwartungsgemäß traten Infektionen mit Escherichia coli mit Abstand am häufigsten auf, nahmen aber tendenziell ab (61,9 versus 55,9 Prozent). Ein signifikanter Abwärtstrend konnte zudem bei Proteus-Erregern beobachtet werden (12,6 versus 6,1 Prozent). Am zweithäufigsten kamen 2011/2012 Infektionen mit Staphylokokken vor (12,6 Prozent). Deutlich mehr Harnwegsinfektionen mussten die Urologen im Zeitraum 2011/2012 bei fünf Erregertypen behandeln: Enterobacter, Enterokkokken, Staphylokokken, Stenotrophomonas und Streptokokken.

Die Studie bestätigte darüber hinaus ein erhöhtes Risiko mit MRSA-Harnwegsinfek­tionen für Personen aus Seniorenheimen und mit Dauerkathetern. Beide Risikogruppen zeigten auch für den multiresistenten Erreger 3MRGN höhere Infektionsraten, als sie bei Diabetikern oder Patienten mit Blasen-, Prostata- oder Nebenhodenentzündung auftraten. Die Autoren raten daher, die Indikation streng zu prüfen, bevor ein Katheter dauerhaft angelegt wird. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 11. Juli 2017, 21:44

Erstaunlich

das war ohne diese Studie völlig unbekannt, dass dauerhafte transurethrale und transcutane Harnableitungen mit einem nahezu 100%igen Infektionsrisiko verbunden sind. Danke für diese sensationellen Forschungsergebnisse, die das medizinische Wissen unglaublich vorwärts gebracht haben(Ironie off) - das Geld hätte man nutzbringender in andere Forschungsprojekte investieren können, als Altbekanntes nochmals wiederzukäuen
LNS

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