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Medizin

Alzheimer: Studie sieht Verbindung zu Schlafstörungen

Freitag, 7. Juli 2017

Jenny Sturm - stock.adobe.com

Madison – Schlafstörungen könnten ein frühes Zeichen eines Morbus Alzheimer sein oder auch eine mögliche Ursache der  Demenz. In einer Langzeitstudie in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004171), die nach Risikofaktoren der Erkrankung sucht, hatten Teilnehmer, die noch keine kognitiven Einschränkungen haben, erhöhte Biomarker des Morbus Alzheimer, wenn sie über Schlafstörungen klagten. 

Zahlreiche Studien haben Schlafstörungen mit Demenzen in Verbindung gebracht. Es beginnt bei der Beobachtung, dass Patienten mit Morbus Alzheimer wenig schlafen. Untersuchungen an älteren Menschen haben gezeigt, dass Schlafmangel und Schlafstörungen häufig mit verminderten kognitiven Leistungen einhergehen.

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In einer Querschnittstudie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore waren Schlafstörungen älterer Menschen mit einer vermehrten Darstellung von Pittsburgh compound B in der Positronen-Emissionstomographie assoziiert (JAMA Neurology 2013; 70: 1537-1543). Pittsburgh compound B bindet im Gehirn an den Beta-Amyloiden, die neben Tau-Fibrillen ein zentrales Kennzeichen der Erkrankung sind.

Auch eine biologisch plausible Erklärung gibt es: US-Forscher konnten zeigen, dass sich im Schlaf (zumindest bei Mäusen) die interstitiellen Räume des Gehirns zu einem „glymphatischen“ System erweitern, über das toxische Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn drainiert werden könnten (Science 2013; 342: 373-377). Eine Störung dieser nächtlichen Selbstreinigung könnte erklären, warum Menschen mit Schlafstörungen häufiger an einer Demenz erkranken.

Eine Auswertung des Wisconsin Registry for Alzheimer's Prevention liefert jetzt weitere Argumente für diese Hypothese. Die Studie begleitet eine Reihe von Senioren, die aufgrund einer positiven Familienanamnese oder aus genetischen Gründen ein erhöhtes Risiko haben, an einem Morbus Alzheimer zu erkranken. Zu den regelmäßigen Tests gehören auch Liquorpunktionen, in denen nach Biomarkern der Erkrankung gesucht wird. Dazu gehört der Beta-Amyloid 42. Typisch für eine Alzheimer-Demenz ist eine verminderte Konzentration von Beta-Amyloid 42 in Relation zu anderen Beta-Amyloiden. 

Dieser verminderte Quotient lag auch bei Teilnehmern der Studie vor, die im Medical Outcomes Study Sleep Scale über vermehrte Schlafstörungen berichtet hatten. Dem Team um Barbara Bendlin von der Universität von Wisconsin in Madison fiel auch auf, dass die Schlafstörungen mit einer erhöhten Konzentration des Proteins „t-tau“ assoziiert waren. Für andere Marker wie Neurofilament light oder Neurogranin wurden dagegen keine Assoziationen mit Schlafstörungen gefunden. 

Die Studie zeigt, dass offenbar eine Verbindung von Schlafstörungen mit ersten Hinweisen auf eine bevorstehende Alzheimer-Demenz bestehen. Sie kann allerdings nicht klären, ob die Schlafstörungen Ursache der Demenz oder Folge einer noch subklinischen Erkrankung sind. Völlig unklar ist, ob eine Behandlung der Schlaf­störungen eine präventive Wirkung erzielen könnte. Nach den derzeitigen Krankheits­konzepten könnte dies der Fall sein. Beweisen ließe sich das allerdings nur in einer randomisierten Interventionsstudie.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 9. Juli 2017, 13:35

Ursache und Wirkung?

In JAMA Neurology (Adam P. Spira et al.) von 2013 unter
http://archneur.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1788611
kam eine Querschnittstudie zu dem Ergebnis, dass Senioren mit Schlafstörungen vermehrt Ablagerungen von Beta-Amyloiden im Gehirn aufweisen ["Self-reported Sleep and ß-Amyloid Deposition in Community-Dwelling Older Adults"].

US-Forscher berichteten in Science (2013; 342: 373-377), dass der Schlaf bei Mäusen den interstitiellen Raum erweitert und u. a. den Abtransport von Beta-Amyloiden aus dem Gehirn beschleunigte. Andere Tier-experimentelle Studien zeigten, dass Schlafentzug die Ablagerung von Beta-Amyloiden fördern könne.

Adam P. Spira von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore zitierte in seiner Publikation zudem mehrere epidemiologische Studien, in denen Schlafstörungen mit Demenz-Erkrankungen verbunden waren und schlussfolgerte mit der gebotenen wissenschaftlichen Zurückhaltung: ["Conclusions and Relevance - Among community-dwelling older adults, reports of shorter sleep duration and poorer sleep quality are associated with greater Aß burden. Additional studies with objective sleep measures are needed to determine whether sleep disturbance causes or accelerates Alzheimer disease"] Zusätzliche objektive Schlaflabor-Studien seien erforderlich, um herauszufinden ob Schlafstörungen Alzheimer-Erkrankung verursachen oder beschleunigen würden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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