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Medizin

Adipositas: Genetische Studie bestätigt ursächliche Bedeutung für Herzerkrankungen und Diabetes

Montag, 10. Juli 2017

/Picture-Factory, stock.adobe.com

Oxford – Fettleibige Menschen erkranken häufiger an Bluthochdruck, Herzinfarkt und Typ-2-Diabetes. Dieser seit Langem bekannte Zusammenhang zwischen Adipositas und kardiometabolischen Erkrankungen wird jetzt in einer Studie in JAMA Cardiology (2017; doi: 10.1001/jamacardio.2016.5804) bestätigt, die auf der Mendelschen Randomi­sie­rung basiert und eine reverse Kausalität (wonach beispielsweise der Typ-2-Diabetes für das Übergewicht verantwortlich ist) weitgehend ausschließt.

Prospektive Beobachtungsstudien haben wiederholt gezeigt, dass eine Adipositas häufig arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und kognitive Beeinträchtigung zur Folge hat. Die Studien könnten streng genommen eine Kausalität nicht belegen. Ein wesentlicher Einwand lautet, dass die Fettleibigkeit nicht die Ursache, sondern die Folge der kardiometabolischen Erkrankung ist. Menschen mit Typ-2-Diabetes oder Herzkrankheiten könnten nur deshalb übergewichtig sein, weil sie durch ihre Krankheit in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder der Kummer über die Erkrankung sie zu einer vermehrten Nahrungszufuhr veranlasst.

Diese inverse Kausalität lässt sich durch eine Mendelsche Randomisierung ausschlie­ßen. Voraussetzung der Untersuchung ist, dass genetische Risiken der Adipositas bekannt sind. Dies ist der Fall. In genomweiten Assoziationsstudien wurden 93 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) gefunden, die mit einem erhöhten BMI einher­gehen. Wenn eine Adipositas das Risiko auf kardiometabolische Erkrankungen erhöht, dann sollten Menschen mit diesen Risiken auch häufiger unter Bluthochdruck, Herz­infarkt und Typ-2-Diabetes leiden. Wenn dagegen Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Typ-2-Diabetes die Ursache der Adipositas sind, dann sollte dieser Zusammenhang nicht bestehen: Die Träger der BMI-Risikogene würden dann nicht häufiger als andere Men­schen an Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Typ-2-Diabetes leiden.

Abweichungen von den genetisch erwarteten und den tatsächlich ermittelten Erkran­kungszahlen lässt auch Berechnungen der einzelnen Risiken zu.

Donald Lyall vom Institute of Health and Wellbeing an der Universität Glasgow und Mitarbeiter haben das relativ neue Verfahren auf die Daten der UK Biobank angewen­det, die Blutproben von einer halben Million Briten gesammelt hat. Bei 120.000 Teil­nehmern lagen Daten zu den einzelnen SNP vor, die es Lyall erlaubten, die Teilnehmer nach ihrem genetischen Risiko zu randomisieren.

Die Ergebnisse bestätigen die bekannten Assoziationen: Jeder Anstieg des BMI um 4,8 Einheiten war mit einem um 35 Prozent erhöhten Risiko auf eine Koronare Herz­krank­heit verbunden (Odds Ratio 1,35; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,09–1,69). Das Risiko auf eine arterielle Hypertonie stieg um 64 Prozent (Odds Ratio 1,64; 1,481,83). Das Risiko auf einen Typ-2-Diabetes nahm sogar um 153 Prozent zu (Odds Ratio 2,53; 2,043,13). Der Typ-2-Diabetes ist damit die wichtigste Folge der Adipositas. Beiden liegt vermutlich ein erhöhter Zuckerkonsum zugrunde, der über die Jahre zu einer Insulin­resistenz und dann zu erhöhten Blutzuckerwerten führt.

Interessanterweise wurden keine Assoziationen mit dem Schlaganfall gefunden. Der Schlaganfall wird von Epidemiologen in erster Linie auf den erhöhten Blutdruck zurück­geführt, für den es neben der Adipositas weitere Gründe gibt, etwa den Bewe­gungsmangel durch sitzende Tätigkeiten. © rme/aerzteblatt.de

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