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Medizin

Unnötige Trennung von septischen und aseptischen Operationsbereichen

Freitag, 7. Juli 2017

xixinxing - stock.adobe.com

Köln – Noch immer gilt in Krankenhäusern in Deutschland regelhaft die räumliche Trennung von aseptischen und septischen Operationsbereichen, wie sie auch vom Unfallversicherungsträger der Krankenhäuser verlangt wird. Dies bedeutet, dass ein operativer Eingriff in infiziertem Gewebe in einem Operationssaal mit eigenem Instrumentarium, eigener Kleidung und Wäsche, der von der aseptischen Operations­abteilung getrennt ist, durchgeführt werden soll. Dass diese Trennung unnötig ist, zeigen Julian-Camill Harnoss und Koautoren in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 465–72).

In einer prospektiven, vergleichenden Beobachtungsstudie wurde die mikrobielle Konzentration der Raumluft und die mikrobielle Sedimentation bei 16 septischen und 14 aseptischen Operationen der Allgemein- und Viszeralchirurgie untersucht (gleicher Operationsraum). Für jede Operation wurden Art und Dauer des Eingriffs sowie die Anzahl der anwesenden Personen dokumentiert. Im Operationsraum gab es keine die Messergebnisse beeinflussende raumlufttechnische Anlage.

Das Operationsspektrum umfasste:

  • 11 aseptische Eingriffe an Leber, Pankreas und Darm
  • 3 offene Leistenhernien
  • 6 septische Eingriffe bei Perforationen, Ileus und Gallenblasenempyem
  • 5 Jetlavagen bei massiven Haut-Weichteil-Infektionen
  • 3 Laparotomien bei Anastomoseninsuffizienz ohne beziehungsweise mit Abszess
  • 2 Eingriffe bei infizierten Fisteln bei Morbus Crohn

Bei der mikrobiellen Konzentration der Raumluft zeigten sich über die gesamte Operationszeit keine relevanten Unterschiede zwischen septischen und aseptischen Operationen. Das gleiche gilt für die mikrobielle Sedimentation auf dem Boden und an den Wänden des Operationsraumes. Die Autoren sehen es deshalb selbst bei fehlender raumlufttechnischer Anlage nicht als zwingend notwendig an, septische und asepti­sche Eingriffe räumlich zu trennen – sofern die Basishygienemaßnahmen umgesetzt werden, der Operationsraum nicht vor Ablauf der deklarierten Einwirkungszeit der Flächendesinfektion betreten wird und die Wechselzeit zwischen zwei Eingriffen (> 30 min) eingehalten wird. Ohne diese strikte Trennung sei in den Krankenhäusern auch eine flexiblere Planung nach operativer Dringlichkeit möglich, resümieren die Autoren.

In einem Editorial zu diesem Beitrag (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 463–4) kommen Peter Bischoff und Petra Gastmeier vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, zu einer klaren Einschätzung des Sachverhalts: „Nach circa 40 Jahren andauernder Diskussion ist es an der Zeit, die Forderung nach einer Trennung von aseptischen und septischen Operationsbereichen flächendeckend aufzugeben und dadurch flexibler und kosteneffizienter im alltäglichen OP-Betrieb agieren zu können.“

Durch die routinemäßigen Reinigungs- und Desinfektions­maß­nahmen der Flächen und Gegenstände nach jedem Eingriff beziehungsweise die Umsetzung von nachweislich evidenzbasierten Maßnahmen werde das Risiko einer postoperativen Wundinfektion für den chirurgischen Patienten minimiert. © TG/aerzteblatt.de

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