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Medizin

Epiphysenlösung: Armut und Adipositas erhöhen Risiko auf Hüftschädigung im Kindesalter

Dienstag, 11. Juli 2017

/olegmalyshev, stock.adobe.com

Liverpool – Die Epiphyseolysis capitis femoris, die wichtigste Hüfterkrankung im Wachstumsalter, tritt häufiger bei adipösen Kindern sowie in Familien auf, die unter sozioökonomisch prekären Verhältnissen leben. Eine Kohortenstudie in den Archives of Disease in Childhood (2017; doi: 10.1136/archdischild-2016-312328) zeigt zudem, dass die Erkrankung oft erst spät erkannt wird, vor allem wenn die Beschwerden zuerst im Kniegelenk auftreten.

Zur Epiphyseolysis capitis femoris kommt es, wenn sich im Hüftkopf in einer noch instabilen Wachstumsfuge Epiphyse und Metaphyse gegeneinander verschieben, was wegen der Unterbrechung der Blurzufuhr zu einer Hüftkopfnekrose führen kann. Die genauen biologischen Ursachen sind nicht bekannt, seit längeren wird jedoch vermu­tet, dass eine Adipositas die Epiphysenlösung begünstigt. Daniel Perry vom Institute of Translational Medicine der Universität Liverpool und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der Clinical Practice Research Datalink (CPRD) ausgewertet, die seit 1987 die elektronischen Krankenakten von inzwischen mehr als 5,5 Millionen Hausarztpatienten gesammelt hat, zu denen in Großbritannien auch Kinder gehören.

Die Inzidenz von 4,8 pro 100.000 Kindern im Alter bis 16 Jahre bestätigt die derzeiti­gen Zahlen. Die Erkrankung tritt am häufigsten im Alter zwischen 12 und 13 Jahren während des pubertären Wachstumsschubs auf, bevor sich die Wachstumsfugen end­gültig schließen. Mädchen, die ihr Wachstum früher abschließen, erkranken im Mittel ein Jahr früher als Jungen, bei denen die Erkrankung zu 70 Prozent häufiger ist als bei Mädchen.

Die Studie bestätigt die bekannte Assoziation zur Adipositas. Der Body-Mass-Index der Kinder lag im Mittel um 1,43 Standardabweichungen über den Referenzwerten. Im Alter von 10 bis 16 Jahren lag der BMI sogar um zwei Standardabweichungen höher. Kinder mit Epiphyseolysis capitis femoris sind häufig stark fettleibig. Die Studie kann erstmals zweifelsfrei zeigen, dass die Adipositas der Epiphysenlösung vorausgeht. Die vermehrte Gewichtsbelastung auf die instabilen Wachstumsfugen dürfte das Abgleiten der Epiphysen begünstigen. 

Als weitere Faktoren werden hormonelle Störungen vermutet. Auffällig war hier nur, dass bei 16 von 596 Patienten (2,7 Prozent) eine Hypothyreose diagnostiziert oder Schilddrüsenhormone verschrieben worden waren. Eine manchmal vermutete saisona­le Häufung konnte die Studie nicht bestätigen. Perry rät deshalb den Ärzten, bei Kindern mit Knieschmerzen immer auch die Hüfte zu untersuchen, vor allem wenn andere prädisponierende Faktoren vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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