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Medizin

Heuschnupfen: Sublinguale Immuntherapie lindert Asthma bei Kindern

Mittwoch, 12. Juli 2017

Kind mit Heuschnupfen in einer Wiese. /coldwaterman, stock.adobe.com
Die allergenspezifische Immuntherapie (AIT) – oder Hyposensibilisierung – ist derzeit die einzige krankheitsmodifizierende Behandlungsmöglichkeit bei Inhalationsallergien. /coldwaterman, stock.adobe.com

Turku/Laon – Eine allergenspezifische Immuntherapie kann bei Kindern mit Heu­schnupfen später auftretende Asthmasymptome reduzieren. Nach drei Jahren Therapie mit nicht modifizierten Allergenen in Tablettenform zeigte sich auch in den zwei Jahren danach ein positiver Effekt im Vergleich zur Placebogruppe. Die Ergebnisse der weltweit ersten doppelblinden 5-Jahres-Studie zur Asthmaprävention bei etwa 800 Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren wurden im Journal of Allergy and Clinical Immunology publiziert (2017; doi:  10.1016/j.jaci.2017.06.014).

Zwar verfehlte die Studie das Ziel, den Ausbruch des Asthmas als Folge der Allergie durch die sublinguale Immuntherapie (SLIT) zu verzögern. Dennoch hatten die Kinder, die das Allergenextrakt aus Gräserpollen (Wiesen-Lieschgras, Grazax) in Tablettenform erhalten hatten, einen Vorteil. Der Anteil der Kinder, die Asthmasymptome entwickel­ten oder Asthmamedikamente einnahmen, konnte in der SLIT-Gruppe signifikant reduziert werden (Odd Ratio: 0,66, p < 0,036). Der Effekt trat sowohl in den Sommer- als auch in den Wintervisiten auf und blieb über einen Zeitraum von zwei Jahren nach Therapieende erhalten.

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Somit konnte der für Erwachsene bereits nachgewiesene krankheitsmodifizierende Effekt erstmals auch für Kinder mit allergischer Rhinokonjunktivitis nachgewiesen werden. Andere Studien, die eine asthmapräventive Wirkung von SLIT nahelegen, wurden im Jahr 2015 im Journal of Allergy and Clinical Immunology und 2017 in Allergy publiziert. Es handelte sich jedoch um retrospektive Analysen.

Heuschnupfen-Symptome nehmen ab

Neben der verbesserten Asthmasymtomatik beobachteten die Forscher um Erkka Valovirta von der finnischen University of Turku einen Rückgang der Symptome der Rhinokunjunktivitis um 22 bis 33 Prozent über den gesamten Zeitraum von fünf Jahren (p < 0,005). Entsprechend nahmen die Kinder der SLIT-Gruppe auch weniger Medika­mente ein, um Tränenfluss, Juckreiz und Schwellung der Nase und der Augen zu lindern. Die mildere Symptomatik spiegelte sich zudem im Prick-Test wieder im Ver­gleich zur Placebogruppe.

Die Studie lieferte darüber hinaus Hinweise dafür, dass ein früher Therapiebeginn im jungen Alter von Vorteil ist. Denn je jünger die Kinder bei Therapiebeginn waren, umso geringer war die Number needed to treat: Während man sechs Fünfjährige behandeln muss, um den beschriebenen Therapieerfolg zu erzielen, sind 20 Kinder nötig, um einen Erfolg bei Zwölfjährigen zu erzielen.

An der Studie waren neben Forschern aus Finnland, Polen und Frankreich auch drei Forscher der Firma ALK-Abello aus Dänemark beteiligt, die das untersuchte SLIT-Allergen entwicklelt hat.

Übersicht zu subkutanen und sublingualen Immuntherapeutika

Gegen allergische Rhinitis/Rhinokunjunktivitis sind diverse Immuntherapeutika zugelassen, die entweder injiziert oder in Tablettenform eingenommen werden können. Das erste Produkt zur subkutanen Immuntherapie (SCIT) wurde 1976 vom Paul-Ehrlich-Institut zugelassen. Im Jahr 2005 folgte die erste Zulassung für eine sublinguale Immuntherapie (SLIT) gegen Baumpollen, 2006 und 2008 zwei weitere SLIT-Allergene gegen Gräserpollen. Vergleichen lassen sich die SCIT- und SLIT-Produkte aufgrund ihrer heterogenen Zusammensetzung mit Allergenen oder Allegoiden derzeit nicht, heißt es in der S2k-Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen.

Die Leitlinie bestätigt die Wirksamkeit der SLIT bei der allergischen Rhinokonjunktivitis durch eine Gräserpollenallergie bei Erwachsenen und Kindern. Bei Baumpollen- und Hausstaubmilbenallergie sei sie bei Erwachsenen gut belegt. Eine Entscheidungshilfe zu den zugelassenen Hyposensibilisierungsmittel stellt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie zur Verfügung. Über den optimalen Zeitpunkt und die verschiedenen Möglichkeiten berichtete zudem Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden im Deutschen Ärzteblatt:

Allergenspezifische Immuntherapie: Gute Praxis und innovative Ansätze

Diverse Weiterentwicklungen der allergenspezifische Immuntherapie zielen auf eine Steigerung der klinischen Wirksamkeit bei gleichzeitig erhöhtem Sicherheitsprofil. Die Effektivität muss für jedes einzelne Allergenpräparat nachgewiesen werden. Die allergenspezifische Immuntherapie (AIT) – oder Hyposensibilisierung – ist derzeit die einzige krankheitsmodifizierende Behandlungsmöglichkeit bei...

© gie/aerzteblatt.de

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