NewsMedizinMeningitis-Impfstoff könnte vor Gonorrhoe schützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meningitis-Impfstoff könnte vor Gonorrhoe schützen

Dienstag, 11. Juli 2017

royaltystockphoto - stock.adobe.com

Auckland – Eine Impfkampagne gegen Neisseria meningitidis, an der zwischen 2004 und 2006 mehr als eine Million Jugendliche in Neuseeland teilnahmen, hat einige Jahre später zu einem Rückgang der Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae geführt, dem Erreger der Gonorrhoe. Eine Fall-Kontroll-Studie im Lancet (2017; doi: 10.1016/ S0140-6736(17)31449-6) berechnet den Impfschutz auf 31 Prozent, was zur Eindämmung der sexuell übertragbaren Erkrankung ausreichen könnte.

Obwohl sie unterschiedliche Schleimhäute infizieren und andere Erkrankungen auslösen und die Übertragungswege verschieden sind, haben N. meningitidis und N. gonorrhoeae viel gemeinsam. Das Erbgut der beiden Bakterien ist zu 80 bis 90 Prozent identisch. Auch bei den Virulenzfaktoren gibt es Äquivalenzen. Es wird deshalb seit längerem vermutet, dass eine Kreuzimmunität zwischen den beiden Erregern besteht. Im Anschluss an frühere Meningitis-Epidemien in Kuba, Neuseeland und teilweise auch Norwegen ist es jeweils zu einem Rückgang der Gonokokken-Infektionen gekommen.

Anzeige

Als sich vor einigen Jahren in Neuseeland eine neue Meningitis-Epidemie abzeichnete, startete die Regierung in Auckland ein landesweites Impfprogramm. Zwischen 2004 und 2006 wurden etwa eine Million Jugendliche geimpft. Zum Einsatz kam die Vakzine MeNZB („outer membrane vesicle meningococcal B vaccine“), die eine Immunität gegen Proteine auf der Außenmembran von Serotyp B erzeugt. Die Impfung erwies sich als effektiv. Als weitere Erkrankungen ausblieben, konnte die Regierung die Impfkampagne beenden.

Die Impfung hat nicht nur Meningitis-Erkrankungen verhindert. Unter den geimpften Jugendlichen kam es in den Jahren 2008 bis 2012 auch zu einem Rückgang der Gonorrhoen. Dies war keinesfalls auf größere Vorsicht bei Sexualkontakten zurückzuführen, denn die Zahl der Chlamydien-Infektionen, die ebenfalls durch Sexualkontakte erfolgt, stieg im gleichen Zeitraum kontinuierlich an.

Wie Helen Petousis-Harris von der Universität Auckland und Mitarbeiter herausfanden, hatten Jugendliche, die sich nur mit Chlamydien, nicht aber mit Gonokokken infizierten, häufiger den Impfstoff MeNZB erhalten. Die Forscher ermittelten eine adjustierte Odds Ratio von 0,69, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,61 bis 0,79 signifikant war. Die Meningitis-Impfung könnte deshalb die Häufigkeit von Gonokokken-Infektionen um 31 Prozent gesenkt haben.

MeNZB wäre damit der erste effektive Impfstoff gegen Gonokokken. Dies ist erstaunlich, da in den 1990er Jahren gleich vier andere Impfstoffkandidaten in klinischen Studien durchgefallen waren. Seither hat es keine ernsthaften Neuentwicklungen gegeben.

Der Impfstoff MeNZB, der nur vor Infektionen mit dem Serotyp B schützt, wird heute nicht mehr hergestellt. Seit einigen Jahren gibt es jedoch den Mehrfachimpfstoff 4CMenB, der auch eine Komponente gegen den Serotyp B enthält. Ob er in gleicher Weise wie MeNZB vor Infektionen mit N. gonorrhoeae schützt, ist bislang nicht bekannt. Der Impfstoff wurde Ende 2013 in Deutschland eingeführt, er wird jedoch bisher von der STIKO nicht zur Routine-Impfung empfohlen. Andere Länder, darunter Österreich und England, haben 4CMenB in den Impfplan integriert.

Da die Impfung in den ersten Lebensjahren erfolgt und die Schutzwirkung nach den Erfahrungen aus Neuseeland auf wenige Jahre begrenzt sein könnte, ist ein nachhaltiger günstiger Einfluss auf die Rate der Gonorrhoe-Erkrankungen nicht zu erwarten. Er würde auch erst auftreten, wenn die heutigen Impflinge ein geschlechtsreifes Alter erreicht haben. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER