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Medizin

Zunahme der Diabetes-Typ-2-Er­krankten bedroht gesundheitlichen Fortschritt im Süden Afrikas

Mittwoch, 12. Juli 2017

Boston/ London – Die sogenannten subsaharischen Länder laufen Gefahr, die gesund­heitlichen Errungenschaften der letzten Jahre zu verlieren, weil die Zahl der Diabetes­kranken ständig steigt. Schätzungen weisen darauf hin, dass sich die Kosten, die mit der Krankheit verbunden sind, bis 2030 mehr als verdoppeln könnten, wenn die Typ-2-Diabetes-Raten weiterhin zunehmen.

Wissenschaftler der Havard University, des Kings College London und anderer Universitäten untersuchen diese Entwicklung und stellen Prognosen für die kommende Jahre vor. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology (2017; doi: 10.1016/S2213-8587(17)30181-X).

Die schnellen Veränderungen der Gesellschaft durch Urbanisierung, einen veränderten Lebensstil und eine alternde Bevölkerung haben dazu geführt, dass auch in Ländern der Subsahara die Gefahr, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, gestiegen ist. Laut dem Bericht betrugen die Kosten für Diabetes in den Ländern der Subsahara 2015 19,5 Milliarden US-Dollar, was durchschnittlich 2,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Länder entspreche.

Im Durchschnitt geben Länder dieser Region laut den Autoren rund fünf Prozent ihres Bruttoinlandproduktes für Gesundheit aus. Mehr als die Hälfte dieser Kosten (56 Prozent, 10,8 Milliarden US-Dollar) diene der Behandlung von Diabetes. Eine Hälfte der Kosten musste von den Patienten selbst getragen werden. Das bedeute eine große finanzielle Herausforderung für die Gesundheitssysteme und die Privat­personen.

Um die zukünftigen Auswirkungen der steigenden Diabetesraten im Süden Afrikas voraus­zusagen, haben die Wissenschaftler verschiedene Szenarien aufgestellt. In einem optimistischen Szenario, in dem die Zahlen von Ausbreitung der Erkrankung und den Sterberaten konstant bleiben, deuten ihre Schätzungen darauf hin, dass die jähr­lichen Kosten für Diabetes bis 2030 auf 35,3 Milliarden US-Dollar steigen. Wenn die Raten im selben Maße ansteigen wie das Einkommen der Menschen, dann beliefen sich die Kosten auf 37,1 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 1,4 Prozent des Brutto­inlands­produktes.

Etwa die Hälfte der Patienten wird nicht diagnostiziert 

Die Autoren stellen in ihrem Bericht verschiedene Mängel bei der Versorgung heraus. Hierzu gehören fehlende Ausstattung für diagnostische Zwecke, fehlende Therapie­möglichkeiten und unzureichendes Wissen der Ärzte vor Ort über die Erkrankung. Diesen Mängeln sei geschuldet, dass etwa die Hälfte der Patienten nicht diagnostiziert werde und nur elf Prozent von ihnen eine Therapie erhielten. Durch die späte Diagno­se­stellung erlitten viele Menschen Folgeschäden der Erkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Erblindung. Primärprävention und Früherkennung könnten dafür sorgen, dass mehr Menschen nicht erkranken oder trotz der Erkrankung bei guter Gesundheit blieben und weiterhin arbeiten könnten, so die Autoren.

Die Wissenschaftler appellieren an die Politik, die Mittel und Anstrengungen zu erhö­hen, um dieser Herausforderung entgegenzutreten. Sie betonen, dass Verbesserungen in der Behandlung von Diabetes dringend notwendig seien. Aufgrund der Tatsache, dass der Fokus in subsaharischen Ländern jahrzehntelang auf der Behandlung von akuten Infektionskrankheiten gelegen habe, seien die Gesundheitssysteme gänzlich unvorbereitet darauf, auch mit chronischen Erkrankungen umzugehen, so ihre Ein­schät­zung.

Die Arbeitsgruppe schlägt in dem Beitrag verschiedene konkrete Maßnahmen vor. Dazu gehören die Schulung von Patienten, die gezielte Behandlung von hohem Blutdruck in einzelnen Gemeinschaften, häusliche Glucosemessungen und Aufklärungsprogramme zu Diabetes für das örtliche Gesundheitspersonal. Zudem betonen die Autoren, dass auch Primärprävention entscheidend für die weitere Entwicklung sei. Dementspre­chend sollte Übergewicht und körperlicher Inaktivität entgegengewirkt werden. © hil/aerzteblatt.de

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