Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Künstliche Süßungsmittel: Bisherige Studien zeigen eher Nachteile für die Gesundheit

Dienstag, 18. Juli 2017

Süßstoffe dienen als Ersatz für Haushaltszucker, sie bilden die Grundlage für kalorienfreie Süßgetränke und werden zunehmend Fertignahrungsmitteln zugesetzt. /fovito, stock.adobe.com

Manitoba – Wer abhnehmen will, greift gerne zu Produkten, die anstelle von Haus­halts­zucker kalorienärmere Zuckerersatzstoffe enthalten. Dabei liegen keine Beweise vor, dass Übergewichtige durch künstliche Süßungsmittel wie Aspartam, Sucralose oder Stevioside ihr Gewicht besser unter Kontrolle haben. Beobachtungsstudien weisen sogar auf Nachteile hin. In einer Übersichtsarbeit im Canadian Medical Association Journal fassen Forscher der University of Manitoba die vorliegenden Studien zusammen (2017; doi: 10.1503/cmaj.161390).

Sie kommen zu dem Ergebis, dass künstliche Süßstoffe auf lange Zeit zu einer Gewichts­zunahme führen könnten und das Risiko für Adipositas, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen steigen könnte. Denn Zuckerersatzstoffe stehen unter Verdacht, den Stoffwechsel, die Zusammensetzung der Darmbakterien und den Appetit zu beeinflussen.

Süßstoffe (Name, E-Nummer, kcal/g, Süßkraft im Vergleich zu Saccharose)

  • Acesulfam K (E950): 0 kcal/g, ca. 200x
  • Aspartam (E 951): 4 kcal/g,  ca. 200x
  • Cyclamat (E 952): 0 kcal/g, ca. 40x
  • Saccharin (E 954):  0 kcal/g, ca. 400x
  • Sucralose (E 955): 0 kcal/g, ca. 500–600x
  • Thaumatin (E 957): 4 kcal/g ca.     2500x
  • Neohesperidin DC (E 959): ~0 kcal/g     ca. 600x
  • Aspartam-Acesulfamsalz (E 962): ~0 kcal/g, ca. 350x
  • Steviolglycoside (E 960): 0 kcal/g, ca. 300x

Ihr Fazit basiert auf der Auswertung von 37 Studien, die mehr als 400.000 Men­schen für durchschnittlich zehn Jahre untersucht hatten. Davon wurden je­doch nur sieben Studien randomisiert mit Kontrollgruppen durchgeführt (randomized controlled trials, RCT). „Angesichts der Tatsache, dass Millionen von Menschen künstliche Süßungsmittel konsumieren, ist die Zahl dieser klini­schen Studien sehr gering", findet einer der Autoren Ryan Zarychanski von der Rady Faculty of Health Sciences an der University of Manitoba. RCTs können im Gegensatz zu Beobachtungsstudien eine Ursachen-Wirkungs-Beziehung nach­weisen. Involviert waren dabei 1.003 Teilnehmer über einen weit kürzeren Zeitraum als bei den Beobach­tungs­studien von sechs Monaten. Die Fra­ming­ham-Studie, die erst kürzlich publiziert wurde, wird in dieser Übersichtsarbeit nicht zitiert.

Framingham-Studie sieht Süßstoff als Schlaganfall- und Demenzrisiko

Boston – Zwei neue Analysen der Framingham Heart Studie stellen die Sicherheit von Süßgetränken infrage, vor allem wenn sie mit künstlichen Süßstoffen versetzt sind. Laut einer Publikation in Stroke (2017; doi: 10.1161/STROKEAHA.116.016027) erkranken Menschen, die häufig zu künstlich gesüßten Diätgetränken greifen, später dreimal häufiger an Schlaganfall und Demenzen. Laut der Untersuchung in

Kontrollierte Studien ohne signifikante Ergebnisse

In drei RCTs konnte bei 242 Teilnehmern mit Bluthochdruck beziehungsweise Über­gewicht kein signifikanter Einfluss auf den Body Mass Index (BMI) gefunden werden (Am J Clin Nutr. 2015; Clin Ther. 2003, Phytother Res. 2006). Im Durchschnitt vermoch­ten die kalorienärmeren Süßstoffe den BMI um 0,37 kg/m2 zu senken. Auch in den anderen vier RCTs konnten keine signifikanten Änderungen durch Süßstoffe nachge­wiesen werden, weder bezüglich des Hüftumfangs, der Insulinresistenz oder des HbA1c-Wertes.

Beobachtungsstudien: Süßungsmittel mit gesundheitlichen Nachteilen

Hingegen stieg in zwei der Beobachtungsstudien der BMI sogar an (Obesity 2014, Obesity Res Clin Practice 2014). In einer dritten Beobachtungsstudie mit 3.371 Teil­nehmern nahm die Gruppe, die täglich künstliche Süßungsmittel konsumierte, im Vergleich zu denen, die dies nicht taten, um 0,77 kg/m2 zu (Obesity 2008). Auch in allen anderen Beobachtungsstudien stieg das Risiko für diverese untersuchte End­punkte entweder an oder war nicht signifikant. Ein Anstieg konnten Forscher bisher für folgende Indikationen zeigen: BMI, Hüftumfang, Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, abdominale Adipositas sowie ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2, metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Schlaganfall und kardiovaskuläre Ereignisse.

Um eine evidenzbasierte Aussage zu Nutzen und Risiken von künstlichen Süßungs­mitteln auf die Gesundheit und das Gewicht machen zu können, sind weitere RCTs nötig, die einen längeren Zeitraum untersuchen. Aktuelle Studien können zum jetzigen Zeitpunkt keinen Vorteil nachweisen. © gie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.01.18
Reduktions­strategie: SPD legt Positionspapier für Fertiglebensmittel vor
Berlin – Im aktuellen Sondierungspapier spielen ernährungspolitische Themen bisher keine Rolle. Das möchte die SPD-Bundestagsfraktion ändern. In einem Positionspapier, das dem Deutschen Ärzteblatt......
16.01.18
Wie Salz das Gehirn schädigt
New York – Eine salzreiche Kost schädigt das Gehirn möglicherweise auf andere Weise als bisher vermutet. Statt zu einem Blutdruckanstieg kam es in tierexperimentellen Studien in Nature Neuroscience......
16.01.18
Arthritis: Ballaststoffe verlangsamen Knochenabbau in Mäusen
Kurzkettige Fettsäuren, die bei ballaststoffreicher Ernährung vermehrt gebildet werden, liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. /Alex, stock.adobe.com......
15.01.18
Jedes zehnte Kind ist bei Einschulung in Hessen übergewichtig
Wiesbaden – Mehr als jeder zehnte Erstklässler in Hessen ist zu dick. Dies geht aus einer Antwort des Sozialministeriums in Wiesbaden auf eine parlamentarische Anfrage der oppositionellen......
11.01.18
Adipositas: Diäten helfen auch bei genetischem Risiko
Boston – Gene haben zwar einen großen Einfluss auf das Körpergewicht, sie machen Diäten jedoch nicht aussichtslos. Eine prospektive Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 360: j5644) zeigt jetzt,......
08.01.18
Zucker: Mehr als nur leere Kalorien
San Diego/Berlin – Eine Tatsache über Saccharose ist unumstritten – Haushaltszucker enthält weder Vitamine noch Mineralstoffe, Proteine oder Ballaststoffe. Dennoch könnten der Zucker und auch andere......
08.01.18
Lebensmittelkonzerne planen Nährwertampel, die selbst bei Nutella nicht Rot anzeigt
Berlin – Nach jahrelanger Gegenwehr wollen sechs große Lebensmittelkonzerne jetzt eine eigene EU-weite Nährwertampel einführen. Das unter anderem von Nestlé und Coca-Cola vorgeschlagene System soll......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige