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Politik

Zuwanderer bringen Krankenkassen neuen Mitgliederrekord

Donnerstag, 13. Juli 2017

/dpa

Berlin – Zuwanderer nach Deutschland haben den gesetzlichen Krankenkassen einen neuen Mitgliederrekord und eine Trendwende gegen das Älterwerden der Versicherten gebracht. Allein im vergangenen Jahr seien 798.000 Menschen neu bei den Kranken­kassen versichert worden, teilte die Chefin des Krankenkassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, heute vor Journalisten in Nauen bei Berlin mit. Bei den neuen Mitgliedern handele es sich um Arbeitsmigranten aus der Europäischen Union, anerkannte Flücht­linge sowie ehemalige Privatversicherte, erklärte Pfeiffer.

Die Zahl der zahlenden Kassenmitglieder stieg binnen eines Jahres von 54,6 auf heute 55,5 Millionen. Die neu in Deutschland gesetzlich Krankenversicherten bewirken laut Pfeiffer zudem, dass die Versicherten im Schnitt nicht mehr immer älter werden.

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Altersdurchschnitt steigt nicht mehr 

„Der interessanteste Effekt, der daraus resultiert, ist, dass wir seit drei Jahren fest­stellen, dass der Altersdurchschnitt der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung nicht mehr steigt“, sagte Pfeiffer. „Und dass diese Neuzugänge deutlich geringere Ausgaben ver­ursachen als die Bestandsversicherten gleichen Alters.“

So verursache zum Beispiel ein 30-jähriger Mann bei den neuen Versicherten im Schnitt Ausgaben von etwas mehr als einem Euro pro Tag. Ein bereits länger Versicherter gleichen Alters komme auf etwas unter drei Euro. Gründe hierfür seien allerdings noch im Bereich des Spekulativen: So könne es sein, dass vor allem gesunde Menschen kämen oder viele sich im deutschen Gesundheitswesen nicht genau auskennen würden. Die Krankenkassen gehen aber davon aus, dass sich das Verhalten der Zuwanderer auch dem der hiesigen Bevölkerung angleicht.

Pfeiffer räumte ein, dass in den Zahlen Hartz-IV-Empfänger nicht enthalten seien. In der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung waren im Jahr 2016 3,3 Millionen Hartz-IV-Empfänger versichert. Für diese Versicherten bezahlt der Bund einen Pauschalbetrag. Die Kassen beklagen seit einiger Zeit, dass sie für diese Versicherten zu wenig Geld vom Staat erstattet bekämen. Daher ist eine Forderung an eine neue Regierungs­koa­lition nach der Wahl, hier die Pauschalen zu erhöhen. Ein Gutachten zur Beanspru­chung von medizinischen Leistungen durch Hartz-IV-Empfänger soll im September 2017 vorliegen. Dieses Gutachten hatte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium beauftragt.

Insgesamt zeichnete Pfeifer ein positives Bild der Finanzlage bei den Krankenkassen. Das Jahr 2016 werde über die GKV insgesamt mit einem Plus von 757 Millionen Euro abgeschlossen. Der Gesundheitsfonds schließe allerdings im Minus ab, da dort Mittel für den Innovationsfonds sowie den Krankenhausstrukturfonds abgezogen werden.

Zusatzbeitrag kann gehalten werden

Allerdings rechne man, anders als in den bisherigen Prognosen, auch mit einer stabilen Finanzsituation im Jahr 2018. Auch der durchschnittliche Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent könne bei vielen Kassen gehalten werden. Diese positiven Ergebnisse der Kranken­kassen böten für „wahlkampftaktische Panikmache keinen Raum“, erklärte die gesund­heits­politische Sprecherin der Unionsfraktion, Maria Michalk, in einer Mitteilung. „Die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung steht – allen Unkenrufen zum Trotz – auch weiterhin finanziell gut da“, so Michalk in einem Statement. © bee/dpa/aerzteblatt.de

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