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Medizin

„Einige Bewohner des Pflegeheims äußerten den Wunsch, Roboter August als Skatpartner zu gewinnen“

Mittwoch, 19. Juli 2017

Dresden – Der Assistenzroboter „August der Smarte“ soll Demenzpatienten dabei helfen, körperlich und geistig aktiv zu bleiben. Dahinter steckt das Therapiekonzept MAKS aktiv (motorische, alltagspraktische, kognitive und spirituelle Aktivierungs­therapie).  Seit dem Jahr 2009 steht die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) bereits mit einer Wohn- und Pflegeeinrichtung für Senioren in Dresden in Kontakt. Mit der jetzt bewilligten Förderung durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung wird ein Dauereinsatz von August ab Herbst an einem ersten Standort ermöglicht. 

Im Interview spricht das Deutsche Ärzteblatt mit einem Informatiker, der an der Entwick­lung des Assistenzroboters für Demenzpatienten be­teiligt ist. Der Experte für künstliche Intelligenz beschäftigt sich in erster Linie mit einer sozialverträglichen Roboternavigation.

Fünf Fragen an Frank Bahrmann, Doktorand an der Fakultät Informatik/Mathematik der HTW, über die Fähigkeiten des Assitenzroboter August der Smarte.

DÄ: War der Roboter bereits mit Demenzpatienten im Einsatz?
Frank Bahrmann: Wir hatten bereits mehrere kleine Einsätze im Wohnpark Elsa-Fenske der Cultus gGmbH hier in Dresden. Stattgefunden haben in diesem Rahmen Experimente, wie die Bewohner auf diese Art Assistenz­plattform reagieren. Die Resultate waren überwiegend sehr positiv. Als Beispiele besuchte unser August der Smarte eine Weihnachtsfeier, um dort Geschichten zu erzählen und Gedichte vorzutragen. Bei einer anderen Gelegenheit gratulierte August der gekrönten Weinkönigin bei einem Weinfest. Einige Bewohner des Pflegeheims äußerten anschließend den Wunsch, August als Skatpartner zu gewinnen, was wir bereits umsetzen.

DÄ: Welche weiteren Aufgaben übernimmt der Roboter bei der Pflege?
Bahrmann:  August unterstützt auch bei der Ergotherapie, damit die Bewohner geistig und körperlich fit bleiben. Wir haben zudem eine Nachtwächteranwendung und eine Notruffunktion entwicklet. Unser Roboter patrouilliert über Gänge, um verirrte Perso­nen durch Gespräche zu binden. Im besten Falle begleitet August sie zu ihrem Zimmer zurück. Falls das nicht gelingt oder ein Norfall vorliegt, kontaktiert er über eine Smart­phoneanwendung das Pflegepersonal. Diese beiden Funktionen standen bei unseren Partnern im Pflegeheim sowie im Universitätsklinikum Dresden am höchsten auf der Prioritätenliste.

DÄ: Welchen therapeutischen Nutzen erhoffen Sie sich bei Demenzpatienten?
Bahrmann:  Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem MAKS-Therapiekonzept, das in einer Studie vom Uniklinikum Erlangen erforscht wurde. Hier konnte gezeigt werden, dass kognitive Spiele allein nicht ausreichen, um das Fortschreiten einer Demenz zu ver­lang­samen. Es bedarf eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes, das ähnlich wie beim Autofahren sensomotorische und kognitive Fähigkeiten gleichzeitig anspricht.

In Kooperation mit allen Beteiligten wollen wir herauskristallisieren, inwieweit ein Assistenzsystem vorerst im stationären und später im häuslichen Umfeld unterstützend eingesetzt werden kann.

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DÄ: Ist das System lernfähig und erinnert die Bewohner beispielsweise auch daran, regelmäßig zu trinken oder ihre Medikamente einzunehmen?
Bahrmann: Das Robotersystem ist in vielen Belangen lernfähig – angefangen bei seiner Einsatzumgebung bis hin zur Verhaltensweise von Menschen innerhalb dieser Umgebung. Angedacht ist, automatisch zu protokollieren, in welchem Zustand sich ein Bewohner befindet, um den Krankheitsverlauf nachvollziehen zu können.

Die von Ihnen angesprochenen Aufgaben sind uns aus einigen Projekten, beispiels­weise CareOBot, bekannt. Leider muss man sagen, dass eine reine Erinnerung den Patienten nicht dazu veranlasst, die Bitte tatsächlich einzuhalten. Es drängt sich die Frage auf, ob sich solche Aufgaben technisch lösen lassen oder ob man Roboter besser nutzt, um Pflegekräfte bei anderen Aufgaben zu entlasten. So haben sie mehr Zeit, um sich  betreuungsbedürftigeren Patienten intensiver zu widmen.

DÄ: An welchen Standorten soll August der Smarte in den kommenden Monaten im Einsatz sein?
Bahrmann: Schon bei der Gründung von MAKS-Therapiegruppen im Herbst soll ein Roboter im Wohnpark Elsa-Fenske tätig werden. Angedacht sind mehrere Therapie­gruppen zu je fünf bis zehn Personen. Die Integration soll schrittweise erfolgen, um möglichst nahe an den Bedürfnissen aller Betroffenen zu bleiben. Unterstrichen wird letzter Punkt durch die Wahl des Projektnamens Care4All – also eine Unterstützung nicht nur für die Betroffenen sondern auch für Pflegende, Therapeuten, Ärzte und Angehörige.

Zeitgleich werden Testläufe am Uniklinikum Dresden auf der Neurologischen Station stattfinden. Dort evaluieren wir primär die Nachtwächter- und Sitzwachenapplikation. © gie/aerzteblatt.de

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