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Medizin

Pankreaskarzinom: Biomarker für die Früherkennung entdeckt

Montag, 17. Juli 2017

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Philadelphia – US-Forscher haben einen Biomarker für eine Vorstufe des Pankreas­karzinoms entdeckt, der in Kombination mit CA19-9 zur Früherkennung eingesetzt werden könnte. Erste klinische Studien in Science Translational Medicine (2017; 9: eaah5583) lieferten vielversprechende Ergebnisse.

Für das duktale Adenokarzinom des Pankreas, eine Krebserkrankung mit sehr schlech­ter Prognose, gibt es derzeit keine Früherkennung. Der Tumormarker CA19-9, der zur Verlaufskontrolle in fortgeschrittenen Stadien eingesetzt wird, ist auch bei Entzün­dungen des Pankreas erhöht und deshalb nicht für das Screening geeignet. Dabei sind die biologischen Voraussetzungen für die Früherkennung gut, da die Adenokarzinome sich über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren aus pankreatischen intraepithelialen Neoplasien (PanIN) entwickeln, die als Vorläuferläsionen mit den Polypen beim Kolon­karzinom vergleichbar sind. 

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Ein Team um Kenneth Zaret von Abramson Cancer Center in Philadelphia hat im Labor systematisch nach Proteinen gesucht, die in PanIN vorkommen, nicht aber im gesunden Körper. Ausgangspunkt waren Organoide, die die Forscher aus Stammzellen gebildet haben. Die induzierten pluripotenten Stammzellen hatten die Forscher zuvor durch genetische Reprogrammierung aus den Tumorzellen eines Patienten mit Pankreas­karzinom gewonnen.

Die Forscher identifizierten 53 Proteine, die von den Organoiden gebildet werden, aber im Blut normalerweise nur in sehr geringer Konzentration oder gar nicht vorkommen. Der beste Kandidat für einen Biomarker war das Protein Thrombospondin-2 (THBS2). 

Erste Tests an Blutproben von 746 Krebspatienten, Gesunden und Patienten mit ande­ren Pankreas-Erkrankungen ergaben, dass THBS2 das Pankreaskarzinom mit einer Sensitivität von 52 Prozent und eine Spezifität von 99 Prozent erkannte. Die Kombina­tion mit CA19-9 erhöht die Sensitivität auf 87 Prozent bei einer Spezifität von 98 Pro­zent. Eine Spezifität von 98 Prozent bedeutet, dass 2 Prozent der Tests bei gesunden Menschen fälschlicherweise eine Krebserkrankung anzeigen würde, die dann mit aufwändigen Tests widerlegt werden müsste. 

Aufgrund der niedrigen Prävalenz des Pankreaskarzinoms käme der Test für ein allge­meines Bevölkerungs-Screening wohl nicht infrage. Es würden weitaus mehr Fehl­alarme generiert als Tumore entdeckt. Zaret ermittelte für die US-Bevölkerung einen positiven Vorhersagewert (PPV) von 0,002 bei einem negativen Vorhersagewert von 1,0 (NPV). Bei Personen mit einem erhöhten Risiko sieht das Verhältnis schon günstiger aus. Für Menschen über 55 Jahren und einem neu diagnostizierten Diabetes, die ein Lebenszeitrisiko von 1 Prozent haben, errechnet Zaret einen PPV von 31 Prozent und einen NPV von 100 Prozent.

Für Verwandte ersten Grades, die aktive Raucher sind, beträgt das Lebenszeitrisiko 3,37 Prozent. Bei einem PPV von 63 Prozent und dem NPV von 99 Prozent könnte ein Bluttest auf THBS2 plus CA19-9 nach Ansicht von Zaret eine vernünftige Maßnahme sein. Bei Personen mit Keimzellmutationen (BRCA1, BRCA2, CDKN2A oder PALB2) und einem Lebenszeitrisiko von 40 Prozent steigt der PPV sogar auf 97 Prozent bei einem NPV von 92 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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