NewsMedizinComputertomographie des peri-koronaren Fettgewebes zeigt Herzinfarktrisiko an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Computertomographie des peri-koronaren Fettgewebes zeigt Herzinfarktrisiko an

Dienstag, 18. Juli 2017

Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Oxford – Britische Forscher haben herausgefunden, dass die entzündlichen Verän­derungen in den Koronarien, die der Plaquesbildung vorausgehen, Auswirkungen auf das Fettgewebe in unmittelbarer Umgebung der betroffenen Herzkranzgefäße haben. In Science Translational Medicine (2017; 9: eaal2658) machen sie diese Veränderungen in einer Variante der Computertomographie sichtbar. Sie stellen zudem einen Index vor, der frühzeitig auf die Entwicklung einer koronare Herzkrankheit hinweisen könnte.

Die Atherosklerose, die Blutgefäße verengt und tödliche Thrombosen auslösen kann, beginnt mit einer Entzündung. Der Nachweis dieser Entzündung ist derzeit nur indirekt möglich, beispielsweise durch Bestimmung des C-reaktiven Proteins, das allerdings ein sehr ungenauer Biomarker ist und nicht anzeigt, wo sich der Ort der Entzündung befindet.

Anzeige

Forscher der Oxford Universität haben in früheren Studien herausgefunden, dass die Entzündungsreaktionen in den Blutgefäßen Auswirkungen auf das umgebende Fettgewebe haben. Sie führen dies auf Zytokine zurück, die von den Entzündungszellen freigesetzt werden und in das umgebende Gewebe diffundieren. Die Zytokine stören die Entwicklung der Fettzellen, die dann weniger Fett einlagern. Die verminderte Fettakkumulation kann in der Computertomographie sichtbar gemacht werden, weil Fette Röntgenstrahlen in anderer Weise abschwächen als andere Körperbestandteile.

Das Oxford-Team um Charalambos Antoniades hat hieraus einen „Fat attenuation index“ oder FAI entwickelt, der vergleichbar mit dem Koronarkalk-Index in einer Computertomographie bestimmt werden kann. Doch während der Koronarkalk-Index die späte und kaum noch reversible Folge der Atherosklerose anzeigt, könnte der FAI frühe Schädigungen erkennen, die durch einen veränderten Lebenswandel oder auch durch Medikamente noch gestoppt werden könnten, wie Antoniades hofft.

Die Forscher haben den FAI zunächst an einer Kohorte von 453 Patienten entwickelt, die sich einer Bypass-Operation unterzogen. Dabei wurde an verschiedenen Stellen am Fettgewebe entnommen und auf entzündliche Einflüsse untersucht. Sie können belegen, dass die Entzündung der Blutgefäße zu Störungen der Fetteinlagerung im umgebenden Gewebe führt, die mit der FAI in den CT-Untersuchungen dieser Patienten korrelierte. Im subkutanen Fettgewebe korrelierte der FAI auch mit den Ergebnissen einer Positronen-Emissions-Tomographie, die durch die vermehrte Aufnahme von markierten Zuckermolekülen (18FDG) eine erhöhte Stoffwechselaktivität im entzündeten Fettgewebe anzeigt. 

Die PET hat für die Darstellung von Entzündungsreaktionen im perivaskulären Fettgewebes eine zu geringe Auflösung. Beim CT ist das anders. Moderne Geräte können millimetergenau die Umgebung der Koronararterien scannen und für jeden einzelnen Punkt (Voxel) kann der FAI berechnet werden. Die Forscher haben dies in einer zweiten Kohorte von 273 Personen untersucht, von denen 156 signifikante Plaques aufwiesen. Die Aufnahmen von Antoniades stellen den FAI in der Umgebung dieser Plaques farblich dar. Dadurch wird erkennbar, welche Koronarien von einer beginnenden Atherosklerose betroffen sind und ob eine Läsion in der Umgebung eines Stents noch aktiv ist oder nicht.

Die Perspektiven der Untersuchung sind enorm. Der FAI könnte laut Antoniades genutzt werden, um den Zustand einzelner Plaques im Frühstadium zu beurteilen und vielleicht sogar vorherzusagen, an welcher Stelle sich eine Stenose (klinisch als Angina pectoris) oder gar eine Thrombose (klinisch als Herzinfarkt) entwickeln könnte. Welcher Nutzen sich am Ende im klinischen Alltag aus dem neuen bildgebenden Verfahren ergibt, lässt sich nicht vorhersagen. Dies dürfte schon bald Gegenstand klinischer Studien sein. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

1. Oktober 2018
San Francisco – Eine Defibrillator-Weste, die Patienten in den ersten Wochen nach einem Herzinfarkt vor einem plötzlichen Herztod schützen soll, hat in einer randomisierten klinischen Studie ihr Ziel
Herzinfarkt: Defibrillator-Weste schützt nur Patienten, die sie dauerhaft tragen
28. September 2018
Düsseldorf – Emotional enorm aufwühlende Ereignisse steigern das Herzinfarktrisiko nicht nur bei Patienten mit bereits bestehender koronarer Herzerkrankung, sondern auch bei Patienten ohne
Psychische Belastungssituationen steigern das Herzinfarktrisiko auch bei Gesunden
3. September 2018
Berlin – Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien können das Risiko nicht vermindern, an einem Hirninfarkt oder einer Herzkrankheit zu sterben. Auf dieses Ergebnis einer umfassenden
Vitamin- und Mineraltabletten schützen nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall
31. August 2018
München – Eine kurze Schlafdauer kann mit künftigen Herz-Kreislauf-Risiken verbunden sein. Entsprechende Daten eines 21 Jahre währenden Follow-ups hat Moa Bengtsson aus Göteborg, Schweden, auf dem
Kurzer Nachtschlaf begünstigt Herzerkrankung
31. August 2018
München/Bremen – Herzinfarktpatienten mit niedriger Schulbildung und einem ungünstigen Herz-Kreislauf-Krankheitsprofil profitieren besonders von intensiven Präventionsprogrammen, die verhindern
Herzinfarktpatienten mit niedriger Schulbildung profitieren von Sekundärprävention
29. August 2018
Edinburgh – Eine sichere Diagnose kann, wenn die richtigen therapeutischen Konsequenzen daraus gezogen werden, die Prognose eines Patienten verbessern. In der SCOT-HEART-Studie, deren Ergebnisse jetzt
CT-Koronarangiografie kann spätere Herzinfarkte vermeiden
7. August 2018
Boston – Sind Frauen die besseren Kardiologen? Die Auswertung von Behandlungsergebnissen aus US-Notfallambulanzen in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi:
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER