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Medizin

Terror­berichterstattung: Mehr posttraumatische Belastungs­störungen beim Nachbarn Dänemark

Montag, 17. Juli 2017

Das Regierungsgebäude in Oslo am 23.07.2011, einen Tag nachdem Breivik dort eine Bombe zur Explosion brachte. /dpa

Kopenhagen – Die Berichterstattung der Medien über Terroranschläge kann zu einem Anstieg von posttraumatischen Belastungsstörungen in der Bevölkerung führen. In Dänemark kam es laut einer Studie in Epidemiology (2017; doi: 10.1097/EDE.0000000000000705) in den anderthalb Jahren nach dem Breivik-Anschlag im benachbarten Norwegen zu einem Anstieg der Diagnosen um 16 Prozent. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel war anlässlich der Berichterstattung über das Gerichts­verfahren nachweisbar.

Das Ziel von Terroranschlägen ist die Verbreitung von Angst und Schrecken auch bei Menschen, die nicht zu Schaden gekommen sind. Die intensive Berichterstattung der Medien ist dabei eine willkommene Unterstützung, die fest zum Kalkül der Attentäter und ihrer Hintermänner gehört. Wie „effektiv“ Terroranschläge hierbei sind, hatte sich bereits nach dem 11. September gezeigt. Nicht nur in den USA war die Bevölkerung traumatisiert. Auch im fernen Dänemark kam es zu einem Anstieg der Diagnosen an trauma- und stressbedingten Erkrankungen, den eine frühere Untersuchung mit 6 Prozent bezifferte.

Am 22. Juli 2011 wurde die Bevölkerung Dänemarks erneut erschüttert. Im benach­barten Norwegen verübte Anders Breivik, ein 32-jähriger Mann mit rechtsradikalen und islamfeindlichen Ansichten, zunächst ein Bombenanschlag im Regierungsviertel Oslos, bevor er auf der Insel Utøya wahllos auf die Besucher eines Ferienlagers schoss und dabei 77 Menschen ermordete. 

Über die Attentate wurde natürlich auch in den dänischen Medien berichtet. In den folgenden anderthalb Jahren kam es wie nach dem 11. September zu einem Anstieg der Diagnosen von trauma- und stressbedingten psychiatrischen Erkrankungen, wie Bertel Hansen von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter durch eine Analyse eines landesweiten Patientenregisters herausfanden.

Obwohl in Oslo weniger Menschen ums Leben kamen als 2001 in den USA, war der Einfluss größer. Die Inzidenzrate stieg um 16 Prozent, was nach Berechnungen der Forscher in den anderthalb Jahren nach den Breivik-Anschlägen zu 2.736 zusätzlichen Erkrankungen in Dänemark geführt hat. Einen zweiten kleineren Inzidenzanstieg entdeckte Hansen nach dem April 2012, als in Oslo der Prozess gegen Breivik erneut die Aufmerksamkeit der Medien erregte und Erinnerungen an die Attentate wachrief. 

Die Studie zeigt die Ambivalenz in der Berichterstattung über terroristische Anschläge. Einerseits hat die Bevölkerung ein Recht, über die Ereignisse informiert zu werden, andererseits können die Intensität und vielleicht auch die Art der Berichterstattung negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. © rme/aerzteblatt.de

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