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Medizin

Lange Arbeitszeiten erhöhen Risiko auf Vorhofflimmern

Dienstag, 18. Juli 2017

/dpa

London – Wochenarbeitszeiten von 55 Stunden oder länger waren in einer Multi-Kohortenstudie im European Heart Journal (2017; doi: 10.1093/eurheartj/ehx385) mit einem um etwa 40 Prozent erhöhten Risiko verbunden, an Vorhofflimmern zu erkranken. Die Autoren vermuten, dass der Arbeitsstress für das erhöhte Risiko verantwortlich ist.

In den meisten Ländern gibt es eine 40 Stunden-Woche für Arbeiter und Angestellte. Selbstständige, aber auch Manager in führenden Positionen wollen und müssen häufig länger arbeiten. Auch in prekären Arbeitsverhältnissen kann es zu längeren Wochen­arbeitszeiten kommen. Der Epidemiologe Mika Kivimäki vom University College London betrachtet lange Arbeitszeiten als einen Marker für einen vermehrten Lebensstress, der über einen erhöhten Sympathikotonus oder andere Mechanismen ein Vorhofflimmern begünstigen könnte.

Kivimäki hat zusammen mit dem IPD-Consortium („Individual-Participant-Data Meta-analysis in Working Populations and results“) die Daten von acht Kohorten aus Dänemark, Finnland, Schweden und Großbritannien ausgewertet. Die Analyse umfasst 85.494 Personen, von denen 1.061 im Verlauf von etwa zehn Jahren neu an Vorhof­flimmern erkrankten.

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Für die 4.484 Männer und Frauen, die eine Wochenarbeitszeit von 55 Jahren ange­geben hatten, ermittelte Kivimäki eine Hazard Ratio von 1,42, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,13 bis 1,80 statistisch signifikant war. Das um etwa 40 Prozent erhöhte Risiko änderte sich kaum, wenn andere potenzielle Risikofaktoren berücksichtigt wurden. Dazu gehörte, dass Männer oder Frauen mit langen Arbeitszeiten häufiger fettleibig waren, sich zu wenig bewegten, rauchten oder zu einem riskanten Alkoholkonsum neigten.

Neben diesen Faktoren könnte es noch andere Gründe geben, warum lange Arbeits­zeiten das Risiko auf die Entwicklung eines Vorhofflimmerns erhöhen. Chronischer Stress ist auch für die Editorialisten Bakhtawar Mahmoodi von St. Antonius Hospital in Nieuwegein in den Niederlanden der wahrscheinlichste Kandidat.

Mahmoodi rät den Betroffenen, die ihre Arbeitszeit nicht verkürzen können oder wollen, bei anderen modifizierbaren Risiken anzusetzen. Dazu gehört das Rauchen (Hazard Ratio HR 2,05), exzessiver Alkoholkonsum (HR 1,39), Adipositas (HR 1,37), eine arterielle Hypertonie (HR 1,32) und ein Diabetes (HR 1,25), für die in früheren Studien ein erhöhtes Risiko gefunden wurde.

Die meisten Erkrankungen sind jedoch genetisch bedingt (HR 3,2) oder Folge anderer Erkrankungen. Das Risiko ist beispielsweise bei fortgeschrittenen Nierenerkrankungen (HR 3,52), fortgeschrittener COPD (HR 2,53), Herzklappenfehlern (HR 2,42) oder bei einer Schlafapnoe (HR 2,53) erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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