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Ärzteschaft

Armut auch ein Risikofaktor für Sehschwäche

Dienstag, 18. Juli 2017

/jyleken, stock.adobe.com

Bonn – Kinder aus sozial benachteiligten Familien leiden häufiger an Sehschwäche oder schielenden Augen und fallen beim Sehtest öfter durch als Kinder aus wohl­habenderen Familien. Das berichtet die Stiftung Auge der Deutschen Ophthal­molo­gische Gesellschaft mit Verweis auf Ergebnisse von Studien und Schuleingangsunter­suchungen. Die Stiftung fordert mehr Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen.

Kinderärzte untersuchen den Sehsinn bei den Vorsorgeuntersuchungen U5, U8 und U9. „Gerade für die Entwicklung des Sehvermögens ist es wichtig, Fehlsichtigkeiten bei Kindern so früh wie möglich auszugleichen“, betonte Christian Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge. Er rät, bei Anzeichen wie Schielen, verfärbten Pupillen oder tränen­den Augen in jedem Fall einen Augenarzt aufzusuchen. „Bei älteren Kindern sollten auch andere Veränderungen wie häufiges Stolpern, Orientierungsschwierigkeiten oder das dichte Heranhalten von Büchern augenärztlich abgeklärt werden“, so Ohrloff weiter.

25 versus elf Prozent

Die Stiftung weist außerdem auf die Ergebnisse von Schuleingangsuntersuchungen an 4.802 Kindern hin, die zwischen 2010 und 2013 in Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen eingeschult wurden. Die Autoren definierten Armut hier über den Bezug von Arbeitslosengeld II.

Im Ergebnis zeigte die Studie, dass 25 Prozent der armen Kinder Probleme mit der Visuomotorik hatten, also der Fähigkeit, das Sehen mit den eigenen Bewegungen zu koordinieren – bei sozial besser gestellten Kindern lag der Anteil lediglich bei elf Prozent. Darüber hinaus ergab die Untersuchung, dass arme Kinder seltener an der Früherkennungsuntersuchung U8 teilnahmen und weniger in Sportvereinen aktiv waren.

„Beide Faktoren – körperliche Bewegung sowie Vorsorgeuntersuchungen in den ersten Monaten und Lebensjahren – haben direkten Einfluss auf die Sehfähigkeit. So kann Aktivität in einem Sportverein nachweislich das Risiko etwa für eine auffällige Visuo­motorik senken“, hieß es aus der Stiftung.

„Entwicklungsrückstände können im weite­ren Lebensverlauf oft nur unter erheblichen Anstrengungen wieder aufgeholt werden“, erklärte dessen Vorsitzender Frank Holz. Eltern, aber auch Betreuungskräfte und Lehrer müssten daher frühzeitig für notwen­dige Vorsorgeuntersuchungen und mögliche Anzeichen von Augenerkrankungen sensibilisiert werden, so der Direktor der Universi­täts-Augenklinik in Bonn.

Die Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft unterstützt seit 2008 klinische und grundlagenwissenschaftliche augenheilkundliche Projekte und vergibt Forschungsaufträge und Stipendien. Darüber hinaus informiert sie die Öffent­lichkeit über Augenerkrankungen und Ursachen von Erblindung und zeigt Wege der Prävention und Behandlung auf. © hil/aerzteblatt.de

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