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Medizin

Forscher vermuten Verbindung zwischen Melanomen und Parkinson

Mittwoch, 19. Juli 2017

/wildworx, stock.adobe.com

Rochester – Patienten, die an Parkinson leiden, erkranken häufiger an einem Melanom. Umgekehrt scheinen auch Melanom-Patienten häufiger von Parkinson betroffen zu sein. Dies könnte bedeuten, dass Parkinson-Patienten von Melanom-Screenings profi­tieren könnten. Forscher der Mayo Clinic um Lauren Dalvin berichten darüber in Mayo Clinic Proceedings (2017; doi: 10.1016/j.mayocp.2017.03.014).

Ein Zusammenhang zwischen Parkinson und Melanomen wurde bereits in den 1970er-Jahren beobachtet, mit dem Verdacht, dass die L-Dopa-Therapie hierfür verantwortlich sei. Zwar konnte diese Hypothese als falsch widerlegt werden, doch der Zusammen­hang zwischen den beiden Erkrankungen blieb laut der Arbeitsgruppe ungeklärt.

Heterogene Studienlage

Gemeinsame pathophysiologische Mechanismen, wie eine ähnliche genetische Prädis­position oder eine generelle Störung der zellulären Autophagie werden als mögliche Ursachen in Betracht gezogen (2011; doi: 10.1002/ijc.25912). Ob die Risikoerhöhung für Melanome bei Parkinson-Patienten von klinischer Bedeutung ist, ist laut der Arbeits­gruppe angesichts der heterogenen Studienlage unklar.

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In ihrer Studie nutzten die Forscher Daten des Rochester Epidemiology Projects, im Rahmen dessen auch die Daten von 974 Parkinson- und 1.544 Melanom-Patienten erhoben wurden. Die Daten wurden zwischen 1974 und 2013 gesammelt. Die Forscher untersuchten das Risiko der Parkinson-Patienten, an einem Melanom zu erkranken, sowie das Parkinsonrisiko der Melanom-Patienten. Es wurden Patienten mit kutanen und mit okulären Melanomen einbezogen. Die Wissenschaftler verglichen die Daten mit 2.922 Patienten, die zu Beginn der Untersuchung an keiner der beiden Erkran­kungen litten.

In der Cox-Regressionsanalyse zeigte sich, dass die Parkinson-Patienten ein vierfach höheres Risiko hatten, an einem Melanom zu erkranken als gesunde Patienten. Das Risiko von Melanom-Patienten für einen Morbus Parkinson vervierfachte sich ebenfalls. Das kumulative 35-Jahresrisiko für Melanom-Patienten, an einem Morbus Parkinson zu erkranken, lag bei 11,2 Prozent gegenüber 2,8 Prozent in der Vergleichskohorte.

Die Ergebnisse weisen den Forschern zufolge darauf hin, dass sich dermatologische Screenings für Parkinson-Patienten lohnen könnten und Ärzte auch das erhöhte Parkin­sonrisiko bei Melanom-Patienten bedenken sollten. Das Melanom-Screening beziehe sich in diese Fällen auch auf die Augen, da die Tumore sich unerkannt in der Aderhaut oder sichtbar an der Konjunktiva bilden könnten. © hil/aerzteblatt.de

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