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NS-Verbrechen: Universität Gießen entzieht Ehrendoktorwürde

Mittwoch, 19. Juli 2017

Gießen – Die Universität Gießen hat einem weiteren historisch belasteten Hirnforscher posthum die Ehrendoktorwürde entzogen. Auch Hugo Spatz sei in das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten eingebunden gewesen, teilte die Justus-Liebig-Universität (JLU) heute mit.

„Er hat mit seiner medizinischen Forschung die ethischen Prinzipien der Wissenschaft verletzt und mit seinen Untersuchungen billigend in Kauf genommen, dass Menschen an Leib und Seele Schaden zugefügt wird“, hieß es zur Begründung. Vor zwei Monaten hatte die JLU bereits dem verstorbenen Hirnforscher Julius Hallervorden aus dem gleichen Grund die Würdigung entzogen.

Die beiden Männer waren Weggefährten gewesen. Spatz hatte die Ehrung 1969 erhalten, Hallervorden sieben Jahre davor. Sie hatten während des Zweiten Weltkrieges an einem Berliner Institut das „Euthanasie“-Programm genutzt, um bei der Obduktion der Opfer Gehirne zu entnehmen und damit zu forschen. Später hatten sie mindestens 700 dieser Proben mit ans Gießener Max-Planck-Institut für Hirnforschung gebracht und enge Kontakte zur Uni gepflegt.

Hinter dem „Euthanasie“-Programm der Nazis verbarg sich der organisierte Massen­mord an seelisch leidenden, körperlich oder geistig behinderten Menschen und an chronisch Kranken. © dpa/aerzteblatt.de

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