NewsHochschulenNS-Verbrechen: Universität Gießen entzieht Ehrendoktorwürde
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

NS-Verbrechen: Universität Gießen entzieht Ehrendoktorwürde

Mittwoch, 19. Juli 2017

Gießen – Die Universität Gießen hat einem weiteren historisch belasteten Hirnforscher posthum die Ehrendoktorwürde entzogen. Auch Hugo Spatz sei in das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten eingebunden gewesen, teilte die Justus-Liebig-Universität (JLU) heute mit.

„Er hat mit seiner medizinischen Forschung die ethischen Prinzipien der Wissenschaft verletzt und mit seinen Untersuchungen billigend in Kauf genommen, dass Menschen an Leib und Seele Schaden zugefügt wird“, hieß es zur Begründung. Vor zwei Monaten hatte die JLU bereits dem verstorbenen Hirnforscher Julius Hallervorden aus dem gleichen Grund die Würdigung entzogen.

Anzeige

Die beiden Männer waren Weggefährten gewesen. Spatz hatte die Ehrung 1969 erhalten, Hallervorden sieben Jahre davor. Sie hatten während des Zweiten Weltkrieges an einem Berliner Institut das „Euthanasie“-Programm genutzt, um bei der Obduktion der Opfer Gehirne zu entnehmen und damit zu forschen. Später hatten sie mindestens 700 dieser Proben mit ans Gießener Max-Planck-Institut für Hirnforschung gebracht und enge Kontakte zur Uni gepflegt.

Hinter dem „Euthanasie“-Programm der Nazis verbarg sich der organisierte Massen­mord an seelisch leidenden, körperlich oder geistig behinderten Menschen und an chronisch Kranken. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. November 2018
Berlin – Zum Gedenken an jüdische Ärzte, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Beruf gedrängt und verfolgt wurden, haben die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Kassenärztliche
Ärzteschaft erinnert an die nationalsozialistische Verfolgung jüdischer Kollegen
2. November 2018
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zeigt in Berlin die Wanderausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“. Die Ausstellung der Deutschen
Nationalsozialismus: Ausstellung erinnert an Verbrechen gegen Kranke
1. November 2018
Berlin – Auch im kommenden Jahr prämiert der Herbert-Lewin-Preis Forschungsarbeiten zur Geschichte von Ärzten und Zahnärzten in der Zeit des Nationalsozialismus. Die nunmehr siebte Ausschreibung des
Herbert-Lewin-Preis für 2019 ausgeschrieben
22. Oktober 2018
Berlin – Zum Gedenken an jüdische Ärzte, die während der Zeit des Nationalsozialismus unter Repressionen gelitten haben, wollen Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
Gedenktafel zur Erinnerung an jüdische Ärzte
5. Oktober 2018
Berlin – Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin hat ein Pilotprojekt gestartet, um die Geschichte der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD) im Nationalsozialismus zu
Forschungsprojekt nimmt Rolle der Ärzteschaft im NS-Regime unter die Lupe
14. August 2018
Berlin – Mindestens 200.000 psychisch kranke und behinderte Menschen wurden während der Zeit des Nationalsozialismus im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms ermordet. Viele weitere wurden
Erinnerung an Euthanasie und Zwangssterilisation von Menschen mit Behinderungen
5. Juni 2018
Hannover – Niedersachsen hat in der Nachkriegszeit mehreren an Nazigräueln beteiligten Ärzten eine Karriere in der landeseigenen Psychiatrie ermöglicht. Dies ist das Ergebnis einer 2016 in Auftrag
LNS
NEWSLETTER