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Tumorkonferenzen: Vorteile einer Teilnahme von Patienten wird geprüft

Freitag, 21. Juli 2017

/WavebreakmediaMicro, stock.adobe.com

Bonn – Bislang finden Tumorkonferenzen meist ohne Einbeziehung von Patienten statt. Um Diagnose und Therapie zu besprechen, kommen je nach Krankheitsbild Onkolo­gen, Ra­diologen, Chirurgen, Pathologen und weitere Fachmediziner wie Gynä­kologen, Urologen oder Pneumologen zusammen. Ob künftig auch Brustkrebspatien­tinnen bei solchen Konferenzen anwesend sein sollen, erörtert jetzt ein Projekt der Universitätsklinika Bonn und Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie Köln. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Vorhaben mit rund 247.000 Euro.

Tumorkonferenzen bieten den Vorteil, dass bei bösartigen Krebserkrankungen eine Reihe von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam Fälle besprechen, um über die Weiterbehandlung zu entscheiden. Die Anwesenheit von Brustkrebspatien­tinnen bei solchen Konferenzen, die ihre Erfahrungen mit einbringen, könnte Vor- und Nachteile haben.

Befürworter erhoffen sich davon, dass zum Beispiel die Therapieempfehlungen stärker an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Patientinnen ausgerichtet werden. Dage­gen spricht unter anderem, dass durch die offene Kommunikation in der Runde die emotionale Belastung der Betroffenen zunehmen könnte, weil Fachbegriffe verunsi­chern oder Ängste ausgelösen. Darüber hinaus könnte die Einbeziehung der Patien­tinnen den administrativen Aufwand für die Tumorkonferenzen stark ausweiten.

„Bislang gibt es keine gesicherten Erkenntnisse zu Risiken und Nutzen der Teilnahme von Patientinnen mit Brustkrebs an Tumorkonferenzen“, sagt Nicole Ernstmann von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Bonn. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Ernstmann und Lena Ansmann vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Reha­bi­li­tationswissenschaft der Universität zu Köln soll im Projekt an insgesamt sechs nord­rhein-westfälischen Brustzentren untersucht werden, welche Konsequenzen eine Beteiligung von Patientinnen an den Tumorkonferenzen hat. Das Projekt mit dem vollen Namen „Patient involvement in multidisciplinary tumor conferences in breast cancer care“ (Patientinnenteilnahme an multidisziplinären Tumorkonferenzen in der Brustkrebsversorgung, PINTU) wird für drei Jahre von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Mit Videoaufzeichnungen betritt die Versorgungsforschung Neuland

Insgesamt sollen 18 Tumorkonferenzen – die Hälfte mit und die andere Hälfte ohne Patientinnenbeteiligung – anhand von Videokameras aufgezeichnet werden. Mit der geplanten Analyse der Filmaufzeichnungen betritt die Versorgungsforschung Neuland. Außerdem sollen mindestens 90 Brustkrebserkrankte unmittelbar vor und direkt nach der Tumorkonferenz sowie vier Wochen später befragt werden. Anhand von standardi­sierten Fragebögen wollen die Wissenschaftler Informationen unter anderem zur emotionalen Belastung der Brustkrebserkrankten und ihrer individuellen Gesundheits­kompetenz gewinnen. Darüber hinaus sollen in Diskussionsrunden mit den teilneh­men­den Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern und Psychoonkologen die Erfahrungen diskutiert und hinsichtlich der Machbarkeit ausgewertet werden. Auch die Frauen­selbsthilfe nach Krebs e. V. wird in das Projekt einbezogen.

„Wir freuen uns sehr über die Projektförderung der Deutschen Krebshilfe und sind gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Ansmann. Die Resultate der Studie sollen Impulse für eine patientenorientierte Versorgung von Krebspatientinnen und weitere wissen­schaftliche Studien geben. © gie/idw/aerzteblatt.de

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