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Politik

Mehr ADHS-Behandlungen bei Erwachsenen in Rheinland-Pfalz

Donnerstag, 20. Juli 2017

Mainz – Die Zahl der Erwachsenen in Rheinland-Pfalz, die Medikamente wegen einer Aufmerksamkeits­defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhalten, hat stark zuge­nommen. Das zeigen Auswertungen der AOK, Techniker Krankenkasse (TK), Barmer und IKK in Rheinland-Pfalz.

Laut Auswertung der über die AOK versicherten Rheinland-Pfälzer haben sich die Ritalin-Verordnungen bei Erwachsenen zwischen 2012 und 2016 mehr als verfünffacht. Ähnlich rapide ist der Anstieg bei den Versicherten der IKK (Innungskrankenkasse): Zwischen 2010 und 2016 vervierfachten sie sich. Bei den über die Barmer Versicherten gab es zwischen 2013 und 2016 einen Anstieg der Ritalin-Verordnungen bei Erwach­senen um fast die Hälfte – in Bezug auf das Jahr 2010 verdreifachte sich die Zahl in Rheinland-Pfalz. Bei der TK ist der Anstieg ähnlich: Die Krankenkasse verzeich­net eine Steigerung von etwas mehr als der Hälfte innerhalb der vergangenen drei Jahre.

ADHS macht natürlich nicht vor dem Erwachsenenalter halt. Jörn Simon

„ADHS macht natürlich nicht vor dem Erwachsenenalter halt. Symptome wie etwa Aufmerksamkeitsstörungen oder Impulsivität bestehen weiter und können die Lebens­gestaltung stark beeinträchtigen“, sagte TK-Landeschef Jörn Simon. Nach einer ADHS-Diagnose in der Kindheit nähmen viele Menschen das Medikament später auch im Erwachsenenalter ein, erklärte ein Sprecher der AOK. Hinzu komme: Der Wirkstoff Methylphenidat, der im Präparat Ritalin steckt, werde seit 2011 auch Erwachsenen verordnet. Vorher seien die Medikamente nur Kindern vergeben worden – von Einzel­fallgenehmigungen abgesehen.

„Gut, dass bei der Medikation von Kindern inzwischen genauer hingeschaut wird. Bei den Erwachsenen müssen wir nun ein wachsames Auge drauf haben, damit keine Übermedikation entsteht“, erklärte der Geschäftsführer der IKK Südwest, Lutz Hager. Er betonte, es gebe auch gute präventive und verhaltensorientierte Ansätze.

Nach Angaben der ADHS-Transitionsambulanz der Universitätsmedizin Mainz tritt ADHS bei drei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen auf. Nur bei etwa einem Drittel der Betroffenen bilde sich ADHS bis zum Erwachsenenalter vollständig zurück. © dpa/aerzteblatt.de

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