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Medizin

Angioödeme: Auf Antihistaminika und Glukokortikoide sprechen nicht alle Patienten an

Montag, 24. Juli 2017

/blackday, stock.adobe.com

Ulm – Sprechen Patienten mit einem Angioödem weder auf Antihistaminika noch auf Glukokortikoide an, könnte es sich um eine Bradykinin-vermittelte Flüssigkeitsansammlung handeln. Über diese seltene Ursache sei das Wissen jedoch nicht sehr verbreitet, warnen Autoren einer Übersichtarbeit, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist (Dtsch Aerztbl Int 2017; 114:489–96). Dabei können vor allem Angioödeme, die sich in den oberen Atemwegen manifestieren, einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Das Bradykinin-vermittelte Angioödem wird vererbt oder durch Medikamente, wie ACE-Hemmer und Sartane, ausgelöst. Während für die hereditäre Form zwei Wirkstoffe zugelassen sind (C1-INH-Konzentrate und BR2-Antagonisten), steht für die erworbene Form keine zugelassene kausale Therapie zur Verfügung. Ärzte müssen daher versuchen, das Angioödem wie bei der weit häufigeren Histamin-vermittelten Form mit Antihistaminika und Glukokortikoiden zu behandeln oder off-label mit C1-INH-Konzentraten oder BR2-Antagonisten. Notarztfahrzeuge seien hierfür aber in der Regel nicht ausgestattet, schreiben die Autoren vom Universitätsklinikum Ulm.

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Im Rahmen von Studien werden antibradykinerge Medikamente derzeit untersucht. Gute Ergebnisse erzielten Forscher beispielsweise in einer Multicenterstudie für den BR2-Antagonisten Icatibant, der für die Akuttherapie der hereditären Form bereits zugelassen ist. Fallberichte bescheinigen auch C1-INH-Konzentraten einen Effekt, der jetzt in randomisierten Studie bestätigt werden soll.

Bei den meisten Patienten, die in einer Notaufnahme aufgrund eines Angioödems behandelt werden, handelt es sich jedoch um Mastzell-vermittelte oder idiopathische Fälle. Hierfür steht eine breite Palette an Medikamenten zur Verfügung: Sie können mit Adrenalin, Antihistaminika, Glukokortikoiden oder ß2-Sympathomimetika behandelt werden. Die Symptome unterscheiden sich von Bradykinin-vermittelten Angioödemen.

Häufiger treten Juckreiz und Urtikae auf. Lebensbedrohlich wird das Ödem dann, wenn es den Schluck-Atem-Weg blockiert. Bradykinin-vermittelte Angioödeme manifestieren sich eher selten im Kopf-Hals-Bereich. Stattdessen befinden sie sich im gesamten Körper, häufig in den Extremitäten und im Gastrointestinaltrakt. © gie/aerzteblatt.de

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