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Politik

Hepatitis: Bevölkerung nicht gut genug geimpft

Freitag, 21. Juli 2017

/jarun011, stock.adobe.com

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli auf Probleme bei der Hepatitis-Bekämpfung aufmerksam gemacht. „Die Bevölke­rung ist nicht so gut geimpft, wie sie sein könnte, sein sollte“, sagte RKI-Expertin Ruth Zimmermann heute. Sie und ihre Kollegin Sandra Dudareva-Vizule, die sich am RKI mit dem Thema befassen, sehen Deutschland noch vor einigen Anstrengungen, um Neu­infek­tionen, chronische Verläufe und damit die Weiterverbreitung einzugrenzen.

Hauptaugenmerk legen die Expertinnen auf Hepatitis B und C: Diese können schwerere und chronische Verläufe nehmen, zu Leberkarzinomen und Leberzirrhose führen. Inter­nationalen Schätzungen zufolge dürften hierzulande Hunderttausende von Hepatitis B und C betroffen sein, rund 7.400 Fälle wurden dem RKI 2016 gemeldet.

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Hausärzten mangelt es an Aufmerksamkeit

Doch bei Neudiagnosen handelt es sich nur bedingt um neue Erkrankungen. Bei Hepatitis C etwa würden jedes Jahr noch Fälle von Menschen gemeldet, die sich vor 1992 durch Blutprodukte wie Transfusionen nach OPs infizierten, sagte Zimmer­mann. „Weil die Infektion so lange schleichend verläuft und nicht besonders typische Symptome hat, wird sie manchmal erst Jahre oder Jahrzehnte später erkannt“, erklärte sie. Neben Abgeschlagenheit und Leistungsminderung könnten das auch psychische Symptome wie Depressionen sein. Typische Anzeichen wie Gelbsucht gebe es teils erst bei stärkeren Leberschäden.

Seit 1992 werden Blutprodukte auf Hepatitisviren getestet, seitdem sei der Übertra­gungs­weg nicht mehr relevant, so die Expertin. Noch immer sei die Aufmerksamkeit bei Allgemeinmedizinern und Hausärzten für Hepatitiserkrankungen aber „nicht sehr ausgeprägt“.

Heilung bei Hepatitis C

Dabei haben sich die Behandlungsmöglichkeiten insbesondere bei Hepatitis C verbes­sert. Dieser Typ sei inzwischen „in fast allen Fällen“ therapierbar, sagte Zimmermann. Seit 2014 kommen laufend neue, sehr wirksame – und sehr teure – Medikamente auf den Markt. Nach einem Anstieg der Behandlungszahlen 2015 gab es im vergangenen Jahr jedoch ein Rückgang, erklärte sie. Jetzt müssten Hepatitis-C-Infektionen aktiver diagnostiziert werden – es seien sicherlich nicht alle betroffenen Patienten bereits behandelt. Ein Screening für besonders gefährdete Personen fehle.

Die Organisation Ärzte der Welt kritisierte zuletzt die Preisgestaltung eines der Mittel gegen Hepatitis C: Eine dreimonatige Behandlung damit kostet offiziell rund 60.000 Euro. Eine Sprecherin sagte über erste Erfahrungen, die Therapie werde noch nicht in allen Fällen von den Kassen übernommen. Zumindest Einzelfälle seien bekannt, in denen Ärzte daher vor der Verschreibung zurückschreckten. Um die Zugänglichkeit des Wirkstoffs in Europa zu beschleunigen, fechten mehrere Organisationen das Patent auf den Wirkstoff an. Sie hoffen auf günstigere Generika.

Infektion unnötig

Weniger gut als bei Hepatitis C sind die Prognosen bei Hepatitis B: Diese gilt als Diagnose fürs Leben, wenn die Infektion chronisch wird, wie Sandra Dudareva-Vizule sagt. Mit Blick auf die vorhandene Impfung betont sie: „Die Infektionen müsste es eigentlich gar nicht geben.“ Bei der Schuleingangsuntersuchung seien 88 Prozent der Kinder geimpft – noch zu wenig.

Der Berliner Hepatitis-A-Ausbruch schlägt sich in Impfzahlen nieder: In den ersten beiden Quartalen 2017 sei etwa doppelt so häufig geimpft worden wie in früheren Jahren, sagte Dudareva-Vizule. Da in der Szene die Saison der Partys und Großveranstaltungen im Gange ist, wird noch nicht mit einem Abklingen der Welle gerechnet.

Von den bundesweit rund 550 gemeldeten Infektionen mit Hepatitis A in diesem Jahr stammen gut 100 aus Berlin. Einzelne Fälle wurden auch aus anderen deutschen Großstädten wie Köln und München berichtet, heißt es beim RKI. Die Hauptstadt jedoch erlebt eine Häufung von Fällen wie noch nie binnen kurzer Zeit. Üblicherweise wird das Virus in Deutschland eher bei Kindern und in Einzelfällen beobachtet, am häufigsten verbunden mit Reisen in betroffene Gebiete.

Impfungen gibt es gegen die Virustypen A und B. Erstere wird vor allem Fernreisenden empfohlen, letztere seit 1995 allen Säuglingen und Kleinkindern. Die Weltgesundheits­organisation WHO strebt die Eindämmung von Hepatitis bis 2030 an. © dpa/aerzteblatt.de

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