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Medizin

Diät und Sport in der Schwangerschaft können Kaiserschnitt vermeiden

Freitag, 21. Juli 2017

/diego cervo, stock.adobe.com

London – Eine gesunde Ernährung und sportliche Aktivität können die Gewichts­zunahme in der Schwangerschaft begrenzen und die Rate der Kaiserschnitt-Entbin­dungen senken. Das kam in einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 358: j3119) heraus, die teilweise auf der Auswertung individueller Daten der Teil­nehmer beruhte. 

Die Hälfte aller Frauen im gebärfähigen Alter ist heute übergewichtig oder adipös. Wäh­rend der Schwangerschaft kommt es bei diesen Frauen häufig zu einer exzessiven Gewichtszunahme, die das Komplikationsrisiko für Mutter und Kind erhöht. Studien haben gezeigt, dass eine Diät und sportliche Aktivität die Gewichtszunahme begrenzen können. Unklar war, ob sich dies vorteilhaft auf die Schwangerschaft auswirkt, oder ob Diät und Sport eher schädliche Folgen haben. 

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Die Arbeitsgruppe „International Weight Management in Pregnancy“ (i-WIP), zu der sich mehr als 50 Forscher aus 41 Institutionen (mit deutscher Beteiligung) zusammenge­schlossen haben, hat zu dieser Frage die Daten von 36 Studien ausgewertet, in denen 12.526 Schwangere auf eine Diät und/oder Sport oder eine Kontrollgruppe randomi­siert worden waren. Eine Besonderheit der Meta-Analyse war, dass die Forscher ihrer Analyse die individuellen Patientendaten zugrunde legten, also nicht nur die Zahlen aus den Publikationen zusammenfassten.

Die Interventionen waren in den einzelnen Studien unterschiedlich. Die Diäten wurden häufig von einem Ernährungsberater vorgeschlagen oder in Kursen während der Schwangerschaftsvorsorge vermittelt. Das Sportprogramm bestand beispielsweise aus Aerobic-Klassen oder dem Training auf einem Ergometer.

Die Kombination aus Diät und körperlicher Aktivität hat die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft im Durchschnitt um 0,7 kg im Vergleich zur Kontrollgruppe begrenzt. Damit verbunden war eine signifikant niedrigere Rate von Schnittentbindun­gen. In den Interventionsgruppen wurden 1.525 von 4.385 Kindern (34,7 Prozent) per Sectio geboren, in der Kontrollgruppe waren es 1.506 von 3.994 Kindern (37,7 Prozent), was einer Number needed to treat von 33 Frauen ergibt, auf die eine entfällt, der durch die Intervention ein Kaiserschnitt erspart blieb.

Das Team um Shakila Thangaratinam von der Queen Mary University in London errech­net eine Odds Ratio von 0,89, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,83–0,99 statistisch signifikant war. Bei dieser Zahl ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Frauen der Studien übergewichtig oder adipös waren. Ein Drittel war normalgewichtig. 

Andere Vorteile von Diät und/oder Sport konnten zunächst nicht belegt werden. Die Forscher erweiterten deshalb ihre Meta-Analyse um 67 Studien mit 12.960 Teilnehme­rinnen, zu denen keine individuellen Patientendaten zur Verfügung standen. Jetzt war eine signifikante protektive Wirkung allein von Sport vor einem Gestationsdiabetes (Odds Ratio 0,66; 0,53–0,83) und einer Schwangerschaftshypertonie (Odds Ratio 0,68; 0,49–0,93) erkennbar.

Eine alleinige Diät senkte die Rate der Frühgeburten (Odds Ratio 0,32; 0,14–0,70). Weitere Vorteile wie eine Senkung der Neugeborenen, die zu groß für das Gestationsalter waren, oder weniger Aufnahmen in der neonatalen Intensivstation konnten nicht belegt werden. Es war jedoch beide Male ein Trend erkennbar.

Bei keinem der Endpunkte kam es zu einer Verschlechterung, sodass für Thangaratinam die Sicherheit der beiden Interventionen belegt ist. Aufgrund der breiten Auswahl der Studien mit unterschiedlichen Einschlusskriterien könnten die Ergebnisse eine Allge­mein­gültigkeit beanspruchen. Sie gelten für alle Altersgruppen, unabhängig von ethni­scher Herkunft und der Zahl der früheren Schwangerschaften. © rme/aerzteblatt.de

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