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Medizin

ECDC: 7 Prozent aller Antibiotika werden ohne Rezept eingenommen

Freitag, 21. Juli 2017

Stockholm – Obwohl Antibiotika zur systemischen Therapie in allen EU-Ländern nur auf Rezept verkauft werden dürfen, erfolgen 7 Prozent der Einnahmen ohne ärztliche Verordnung. Ein Report des European Centre for Disease Prevention and Control sucht nach Gründen.

Die Einnahmegewohnheiten von Antibiotika sind in Europa recht unterschiedlich. Im Jahr 2016 gaben 18 Prozent aller Schweden an, im letzten Jahr mindestens ein Antibio­tikum eingenommen zu haben, in Malta waren es 48 Prozent. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei der Eigentherapie von Antibiotika, also einer Einnahme ohne ärzt­liche Verordnung. Dies hatten 16 Prozent aller Erwachsenen aus Griechenland und Rumänien im letzten Jahr getan, gegenüber 3 Prozent in den Niederlanden. 

Die Gründe für die enormen Unterschiede sind laut dem Abschlussbericht des ARNA-Projekts (“Antimicrobial Resistance and causes of Non-prudent use of Antibiotics”) verschieden. Auf Patientenebene mangele es häufig an ausreichenden Kenntnissen über die sinnvolle Einnahme. Viele Patienten erinnern sich an eine frühere erfolgreiche Erfahrung und griffen dann bei einem Infekt kritiklos zu Antibiotika. Auf der Ebene der Health Care Professionals sind es vor allem die Apotheker, die aus unzureichender Kenntnis heraus Antibiotika ohne Rezept aushändigen, obwohl dies die Gesetze europaweit verbieten. Eine entsprechende Directive (2001/83/EC) ist überall in die Gesetzgebung übernommen worden.

Auf der Ebene des Gesundheitssystems liegt der Fehler häufig in der Packungsgröße. Sie ist in vielen Ländern nicht exakt auf die Dauer der Behandlung abgestimmt. Der ARNA-Report regt deshalb an, nur so viele Antibiotika an die Patienten abzugeben, wie diese benötigen, und die Patienten über die Notwendigkeit der Einnahme aller Tabletten aufzuklären.

Antibiotika sind auch über das Internet rezeptfrei erhältlich. In einer US-Studie hatte jeder dritte Anbieter rezeptfreie Antibiotika im Angebot (eine europäische Studie hierzu gibt es nicht). In den Umfragen gaben die Patienten jedoch eher selten an, diese Quelle zu nutzen, was am raschen Bedarf bei akuten Infektionen liegen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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