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Ärzteschaft

Geriater wehren sich gegen Vorwürfe der Kassen

Montag, 24. Juli 2017

Geriatrische Kliniken wehren sich gegen Krankenkassen-Vorwürfe
/Soonthorn, stock.adobe.com

Berlin – Gegen Vorwürfe der Barmer im Rahmen ihres kürzlich veröffent­lichten Krankenhausreports wehren sich der Bundesverband Geriatrie und die Deut­sche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Ersterer ist Verband von Trägern, die rund 360 geriatrische Kliniken beziehungsweise Einrichtungen betreiben. „Es ist verwerflich und grob fahrlässig, wenn durch eine verkürzte Darstellung – bewusst oder ungewollt – der Eindruck erzeugt würde, in der Geriatrie würden finanzielle Interessen und nicht der individuelle Behandlungsbedarf des Patienten im Fokus stehen“, sagte der Geschäfts­führer des Bundesverbandes, Dirk van den Heuvel.

„Das Gegenteil ist im internationalen Vergleich der Fall“, betonte DGG-Präsident Jürgen Bauer. Die Barmer beklage pauschal steigende Kosten und bemängele eine zu hohe Pflegebedürftigkeit nach einem Kranken­haus­auf­enthalt, betrachte die Ursachen aber undifferenziert. „Dieser grob vereinfachenden Darstellung müssen wir widersprechen“, sagte der Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg und Ärzt­licher Direktor des Agaplesion-Bethanien-Krankenhauses Heidelberg.

Krankenhäuser versorgen mehr geriatrische Patienten

Berlin – Die Zahl der über 70-jährigen multimorbiden Patienten im Krankenhaus ist zwischen 2006 und 2015 von 1,1 auf zwei Millionen angewachsen. Das geht aus dem Barmer-Krankenhausreport 2017 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Grund sei insbesondere die Zunahme des Anteils der Geriatrie­patienten an den Patienten über 70 Jahren, heißt es darin. Die Zahl habe sich

Im Mittelpunkt des Barmer-Krankenhausreports steht in diesem Jahr die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFKB). Sie wird im Krankenhaus im Anschluss an eine akute Erkrankung bei multimorbiden Patienten über 70 Jahren vorgenommen und soll den Patienten befähigen, nach einer Operation oder einem Schlaganfall wieder in seinem Alltag zurecht zu kommen. GFKB werden über Fallpauschalen abgerechnet. Die Bezahlung richtet sich nach der Dauer des Aufent­haltes. Die Fallpauschalen erhöhen sich nach sieben, 14 und 21 Behandlungstagen.

„Dieses starre Finanzierungssystem setzt für die Krankenhäuser die falschen Anreize“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub, bei der Präsentation des Reports. Es habe sich gezeigt, dass die Zahl der Entlassungen nach 14 beziehungs­weise 21 Tagen deutlich ansteige. „Das finanzielle System formt die Versor­gung, nicht der individuelle Bedarf“, sagte Straub und forderte, die Finanzierung der GFKB flexibler zu gestalten.

Verkürzte Darstellung

Die Kritik von DGG und Bundesverband Geriatrie richtet sich nicht nur gegen den Report selbst, sondern gegen eine verkürzte und zum Teil fehlerhafte Darstellung seiner Inhalte durch die Krankenkasse selbst. „Die Patienten haben akutmedizinischen Behandlungsbedarf einschließlich Frührehabilitation, Rehabilitationsbedarf und darüber hinaus liegt zumeist Pflegebedürftigkeit vor“, hieß es aus dem Bundesverband.

Damit seien verschiedene, stark voneinander getrennte Versorgungssektoren im Gesundheitssystem angesprochen und rechtliche Regelungen verschiedener Sozial­gesetzbücher berührt. „Daher sind Analysen in diesem Bereich ebenfalls äußerst komplex und vielschichtig, sodass unter anderem auch die Frage einer erfolgreichen Behandlung sehr individuell bewertet werden muss“, so der Bundesverband. Eine Vereinfachung berge die Gefahr von falschen Schlüssen.

Der DGG-Präsident nennt in diesem Zusammenhang die geriatrische Frührehabilitation im Akutkrankenhaus im Vergleich zu klassischen Reha-Angeboten. Der Krankenhaus­report suggeriere, dass die Frühreha weniger erfolgreich sei, da gemäß den Zahlen der Barmer nach der ersteren mehr Patienten pflegebedürftig seien. „Fakt ist aber, dass beide Formen der geriatrischen Rehabilitation nachweislich Erfolge zeigen. Jedoch unterscheiden sich die Patienten in den beiden Behandlungsformen grundlegend“, so Bauer.

Die Patienten in der Frührehabilitation seien in der Regel wesentlich stärker in ihrer Funktionalität beeinträchtigt als die Reha-Patienten. Es handle sich „um zwei sehr unterschiedliche Patientengruppen, die man schlecht miteinander vergleichen kann“, so der DGG-Präsident.

„Wir begrüßen es ausdrücklich, dass sich eine große Krankenkasse ausführlich mit dem Thema Versorgung geriatrischer Patienten auseinandersetzt und die ihr dazu vorlie­genden Versichertendaten analysiert“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Geriatrie, Ansgar Veer. Ärgerlich sei jedoch, wenn der differenzierte Report letztlich in der populistischen Schlagzeile „Ältere Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt“ komprimiert wird, so Veer. © hil/aerzteblatt.de

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