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Politik

Wahlprogramme: Pflege erhält zu wenig Beachtung

Montag, 24. Juli 2017

/Peter Maszlen, stock.adobe.com

Berlin – Die Reform von Pflegeversicherung und Pflegeberufen hat in den vergangenen vier Jahren die Politik beschäftigt. In den Wahlprogrammen der Parteien zur Bundes­tags­wahl erhält das Thema aber zu wenig Beachtung, finden Kritiker. „Keine Partei begreift dieses Thema als Schicksalsfrage“, bemängelte der Pflegeexperte Claus Fussek. „Wir empören uns über Maut, Bierpreiserhöhung. Doch bei der Pflege glauben wir, das betrifft uns nicht.“

In der Bevölkerung zeigt sich allerdings langsam ein Umdenken. Einer Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) zufolge sehen 43 Prozent der Deutschen die Versorgung älterer Menschen als sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung an. In der Altersgruppe „50plus“ sind es sogar 53 Prozent. Der ZQP-Vorstandsvorsitzende Ralf Suhr macht als zentrale Themen der kommenden Jahre unter anderem eine verbesserte Prävention und Rehabilitation sowie ausreichend Personal in Heimen und ambulanter Pflege aus. Schon heute diagnostizieren Experten einen dramatischen Mangel an Pflegekräften. In der Altenpflege wird die Lücke auf derzeit rund 30.000 geschätzt.

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Gute Pflege, heißt mehr Personal

Dass das System ohne ausreichend Personal in der Pflege nicht funktionieren kann, haben auch die Parteien erkannt. Das 2016 in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz hat bereits die Selbstverwaltung verpflichtet, bis 2020 ein wissenschaftlich abgesichertes Verfahren zur Messung des Personalbedarfs zu entwickeln. Auch fordern alle Parteien im Wahlkampf bundesweite Standards und eine bessere Bezahlung, um die Pflegeberufe attraktiver zu gestalten. So schnell wie möglich soll zudem der Pflege-TÜV reformiert werden. Verbraucher sollen sich besser über geeignete Heime und Pflegedienste informieren können. Die bislang veröffentlichten Schulnoten haben sich als wenig aussagekräftig erwiesen. Allerdings gibt es beim Pflege-TÜV deutliche Verzögerungen, wie kürzlich bekannt wurde.

Vor allem das Verhältnis von ambulanter zu stationärer Pflege verspricht in der kommen­den Legislaturperiode ein Thema zu werden. Von den jüngsten Reformen hat die ambulante Pflege stärker profitiert, was auch dem Wunsch der meisten Bürger entspricht, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Das sorgt allerdings für Probleme. Schließlich gibt es immer weniger Angehörige, die eine Pflege zu Hause leisten können – sei es wegen Berufstätigkeit oder weil sie weit entfernt leben.

Pflegeexperten und Parteien sprechen sich deshalb für einen neuen Mix aus familiärer, ehrenamtlicher und professioneller Pflege aus. Im Kern geht es dabei um mehr Wohn­gruppen und mehr ambulante Betreuungsangebote wie die Tagespflege. Auch könnte das Wohnen in eigenen Wänden stärker mit Dienstleistungen professioneller Anbieter und ehrenamtlicher Hilfe in Stadtteilen und Dörfern kombiniert werden. Für solche Projekte will die SPD einen Demografie-Zukunftsfonds schaffen.

Treiber dieser Entwicklung könnte die Digitalisierung werden. Mit Internet, erweiteren Hausnotrufen und Gesundheits-Apps ließe sich die Kommunikation zwischen Pflege­bedürftigen, Ärzten, Angehörigen und Pflegern verbessern. Für die Heime könnte der Trend zu ambulanter Pflege bedeuten, dass sich der Anteil der schwerstpflege­bedürf­tigen Bewohner weiter erhöhen wird – eine zunehmende Belastung für Pflegekräfte.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht schon jetzt eine große Gerechtigkeitslücke auf Kosten der Heimbewohner. So haben sie weit höhere Ausgaben für medizinische Behandlungspflege als Patienten, die zu Hause versorgt werden. Auch erhielten sie eine deutlich schlechtere Sterbebegleitung und palliativmedizinische Betreuung als Sterbende im Hospiz, kritisiert Vorstand Eugen Brysch.

Dauerthema bleibt der Streit um die Finanzierung der Pflegeleistungen. SPD, Grüne und Linke fordern eine einheitliche Bürgerversicherung auch für die Pflege, in die Arbeitgeber und Versicherte wieder den gleichen Anteil einzahlen. Union und FDP wollen das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Kranken- und Pflege­ver­sicherung erhalten, um die Lohnnebenkosten niedrig zu erhalten. © kna/aerzteblatt.de

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