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Ärzteschaft

Appell: Ärzte sollen Forderungen gegen Fehlernährung unterschreiben

Montag, 24. Juli 2017

Berlin – Ärztinnen und Ärzte sind aufgerufen, einen offenen Brief an die Bundesregierung sowie an die Parteivorsitzenden für die Prävention nicht übertragbarer chronischer Krankheiten zu unterzeichnen. In dem Appell fordern der Berufsverband der Kinder- und Jugend­ärzte (BVKJ), die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Verbraucherorgani­sation foodwatch die politischen Entscheidungsträger dazu auf, fünf Maßnahmen umzusetzen: Dazu gehören eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel, verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung sowie Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung. Zudem sollen steuerliche Anreize für die Lebens­mittelindustrie geschaffen und gesündere Rezepturen entwickelt werden.

Zahlen und Fakten zu Adipositas

Laut Robert-Koch-Institut gelten 15 Pro­zent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren als übergewichtig oder adipös. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren hat der Anteil übergewichtiger Kinder damit um 50 Prozent zugenommen, der Anteil adi­pö­ser Kinder hat sich sogar verdoppelt. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Erwach­se­nen, wo heute 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als übergewichtig oder adipös gelten.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation und internationale Fachgesellschaften hätten schon lange erkannt, dass sich die wirtschaftlichen und gesellschaft­lichen Rahmenbedingungen ändern müssten, um Fehlernährung zu bekämp­fen, erklärten die Organisa­tionen.

In Sachen Prävention sei Deutschland noch immer ein Entwicklungsland, betonte Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ. „Während zahlreiche andere Staaten in Europa im Kampf gegen Fehlernährung bei Kindern und Jugendlichen die Lebens­mittelwirtschaft in die Pflicht nehmen, setzt die Bundesregierung weiterhin auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie und auf Programme für Ernährungsbildung. Das ist ein Skandal“, sagte Fischbach. Es sei dringend an der Zeit, dass die Politik die Kindergesundheit besser schütze.

Ärzte sollen Politiker mit ihrer Unterschrift überzeugen

Den Appell zur Unterschrift richten die Organisationen gezielt an Ärztinnen und Ärzte. Denn die Erfahrungen aus anderen Ländern hätten gezeigt, dass eine aktive medizinische Community entscheidend sei, um die politischen Entscheidungsträger zu überzeugen, sagte der Präsident der DDG, Dirk Müller-Wieland.

Freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie seien ein Irrweg, sind die Organisationen sicher. Das zeigten die bislang wirkungslose Selbstverpflichtung von Herstellern, die an Kinder gerichtete Werbung einzuschränken sowie das Verhalten von Wirtschaftsakteuren in der Plattform für Ernährung und Bewegung. Der zu erwartende Effekt der von der Bundesregierung geplanten und auf Freiwilligkeit basierenden Strategie zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln sei deshalb gering.

Salz, Zucker, Fett in Lebensmitteln: Strategie des Ernährungs­ministeriums in der Kritik

Berlin – Im Juli soll eine Reformulierungsstrategie nach Beschlussfassung im Bundeskabinett veröffentlicht werden. Den Entwurf einer Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erarbeitet. Kritik äußerten heute Vertreter der AOK, der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Deutschen Allianz [...]

„Die gesunde Wahl muss die einfache Wahl für uns Verbraucher werden“, forderte Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen von foodwatch und verweist auf die vier Forderungen, die der offene Brief an Bundesregierung und Parteivorsitzende stellt. © gie/EB/aerzteblatt.de

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