Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Dokumentation zur Rolle der bayerischen Ärzteschaft in der NS-Zeit veröffentlicht

Dienstag, 25. Juli 2017

München/Berlin – Eine 230 Seiten starke Dokumentation „Die Ärzteschaft in Bayern und die Praxis der Medizin im Nationalsozialismus“ hat die Bayerische Landesärzte­kammer (BLÄK) in München vorgestellt. Autorin ist Annette Eberle, Dekanin der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Abteilung Benediktbeuern, in Koope­ration mit Michael von Cranach, Leiter der Arbeitsgruppe „Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus“, und Gerrit Hohendorf, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Technische Universität München (TUM), Klinikum rechts der Isar.

„Die Ärzteschaft hatte zweifelsohne einen wesentlichen Anteil am Programm zur Zwangs­sterilisation und Euthanasie im Nationalsozialismus. Daher ist wichtig, dass sich die BLÄK als Vertretung aller bayerischen Ärzte dieser Thematik annimmt“, sagte Kammerpräsident Max Kaplan bei der Buchpräsentation gestern im Münchner NS-Dokumentationszentrum.

Späte, intensive Auseinandersetzung

Die Dokumentation sei eine „späte, intensive Auseinander­setzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und ihrem verbrecherischen Umgang mit Medizin und Pflege“, betonte er. „Nur wenn wir nachfragen, weiter forschen und analysieren, lernen wir als Einzelne und als Gesellschaft aus unserer Geschichte“, sagte der Präsident abschließend.

Auch andere Institutionen widmen sich der Aufarbeitung der NS-Verbrechen: So schrei­ben das Bundesministerium für Gesundheit, die Bundes­ärzte­kammer, die Bundeszahn­ärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung alle zwei Jahre einen Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus aus.

Im vergangenen Herbst mahnte der Historiker Dominik Groß gleichwohl eine vertiefte Aufarbeitung an. Mit mehr als 45 Prozent hätte die Ärzteschaft die höchste NSDAP-Mitgliedsrate unter allen akademischen Berufsgruppen gehabt, betonte der Experte, der seit 2005 Direktor des Aachener Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin ist.

Viele NS-belastete Medizinprofessoren hätten in der Bundesrepublik ihre Unikarrieren nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt, kritisierte er. Deren Schüler wiederum hätten sich seiner Darstellung zufolge ihren akademischen Lehrern ver­pflich­tet gefühlt und wenig Interesse an einer Aufarbeitung gezeigt. „Erst jetzt, in der dritten, vierten Generation, ist eine weitreichende Distanzierung festzustellen“, sagte Groß. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. Mai 2018
Berlin – Die Charité - Universitätsmedizin Berlin hat gestern den „Erinnerungsweg Remember“ auf dem Campus Mitte vorgestellt und eröffnet. Mit dem Kunstprojekt knüpft sie an ihre bereits bestehende
Kunstprojekt „Erinnerungsweg“ an authentischen Orten
23. April 2018
Palo Alto/Wien – Der österreichische Mediziner Hans Asperger, der 1944 das Krankheitsbild eines „autistischen Psychopathen“ beschrieb, das seit den 1980er-Jahren zunächst im angelsächsischen Raum nach
Historiker sehen Nähe von Hans Asperger zu Euthanasie-Programm der NS-Zeit
9. Februar 2018
Berlin – Einen Gedenkstein zur Erinnerung an das Schicksal jüdischer Ärzte während des Nationalsozialismus haben die Vertreter chirurgischer Fachgesellschaften am Haus der Chirurgie in Berlin
Fachgesellschaften erinnern an das Schicksal jüdischer Chirurgen
2. Februar 2018
Ingolstadt – Das Deutsche Medizinhistorische Museum (DMM) in Ingolstadt präsentiert vom 22. Februar bis 9. September die Ausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus“. Laut Ankündigung zeichnet die
Medizinhistorisches Museum in Ingolstadt zeigt Schau zu Radiologie in der Nazizeit
1. Februar 2018
Berlin – Abgeordnete des Deutschen Bundestages haben gestern gemeinsam mit Betroffenen und Verbänden der Opfer der „Euthanasie’-Morde an der Gedenkstätte in Berlin gedacht. „Vor mehr als 70 Jahren
Opfer der „Euthanasie“-Morde nicht vergessen
30. Januar 2018
Weinsberg – Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus hat das Land Baden-Württemberg bei einer zentralen Gedenkfeier der Zentren für Psychiatrie an die Massenmorde an Patienten erinnert.
Baden-Württemberg erinnert an Nazi-Verbrechen in Psychiatrie
19. Januar 2018
Stuttgart – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) Baden-Württemberg hat der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Vertreter der Kammer haben gestern in der Gedenkstätte der ehemaligen Tötungsanstalt Grafeneck

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige