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Pilzvergiftungen bei Migranten: Ärzte warnen

Mittwoch, 26. Juli 2017

/Marcel Schauer, stock.adobe.com

Hannover – Die Medizinische Hochschule Hannover hat erneut fünf Patienten mit einer lebensbedrohlichen Pilzvergiftung aufgenommen. Sie stammten aus Osteuropa und hätten den hochgiftigen Knollenblätterpilz irrtümlich für essbar gehalten, sagte Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. Die Patienten kamen mit Erbrechen und Durchfall an den beiden vergangenen Wochenenden in die Notaufnahme.

Im vergangenen Spätsommer hatte die Klinik mehr als 30 Asylbewerber mit Pilzvergiftungen behandelt. Der Knollenblätterpilz hat große Ähnlichkeit mit essbaren Arten in den Herkunftsländern. Deshalb wurde ein Warn-Plakat in sieben Sprachen entworfen, das jetzt wieder per E-Mail an Behörden und Migranten-Treffpunkte verteilt werden soll. Tückisch ist unter anderem, dass die Symptome wie Übelkeit und Erbrechen erst mit einer Verzögerung von bis zu zwölf Stunden eintreten können.

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Das Gift des Knollenblätterpilzes schädige die Leber extrem, sagte Manns. Die Patienten müssten wie bei einer durch einen Virus ausgelösten Gelbsucht ein bis zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. Gerettet werden können nur Vergiftete, die schnell behandelt werden und nicht viel vom Knollenblätterpilz gegessen haben. „Schon ein Pilz ist tödlich, bei Kindern sogar nur ein Stückchen“, sagte Oberärztin Andrea Schneider. Ihr zufolge sprießen die giftigen Exemplare auch in städtischen Parks oder auf Friedhöfen. „Wir hatten im vergangenen Jahr Patienten, die Pilze auf einem Friedhof gesammelt hatten.“

Auch das Giftinformationszentrum GIZ-Nord in Göttingen registrierte in diesem Jahr bereits Verdachtsfälle von Pilzvergiftungen, im Juni allein knapp 50. „Es kommt jedes Jahr vor, dass Pilze verwechselt werden, nicht nur von Migranten“, sagte der Leiter des GIZ-Nord, Andreas Schaper. Die Gemeinschaftseinrichtung der Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein berät Betroffene und Mediziner bei akuten Vergiftungsfällen, auch wenn es um chemische Produkte oder Medikamente geht. Nach Schapers Erfahrung sind viele Pilzsammler zu leichtsinnig. Sie sollten nur Arten sammeln und essen, die sie hundertprozentig kennen.

Die Ärztekammer Niedersachsen wies darauf hin, dass Ärzte entsprechende Fälle anonym an das Bundesinstitut für Risikobewertung melden müssen. Grundlage ist das Chemikaliengesetz (Paragraph 16e Abs. 2). © dpa/may/aerzteblatt.de

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