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Medizin

Landkinder erkranken seltener an entzündlichen Darm­er­krank­ungen

Mittwoch, 26. Juli 2017

Am besten geschützt waren Kinder in der Provinz Manitoba. /Tyler Olson - SimpleFoto

Ottawa - Kinder, die auf dem Land aufwachsen, erkranken seltener an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im American Journal of Gastroenterology (2017; doi: 10.1038/ajg.2017.208) heraus. 

Kanada hat eine der weltweit höchsten Inzidenzraten von entzündlichen Darm­erkrankungen. Etwa 233.000 Menschen leiden dort unter Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – mit steigender Tendenz. Besonders stark zugenommen hat in den letzten Jahren die Zahl der Menschen, die bereits im frühen Kindesalter erkranken. 

Die Ursachen für die Zunahme sind nicht bekannt. Die zunehmende Urbanisierung wird jedoch als Faktor diskutiert. In Kanada, das 30 Mal so groß ist wie Deutschland, leben mittlerweile mehr Menschen in Städten als hierzulande (81 versus 74 Prozent). 

Eric Benchimol vom Children's Hospital of Eastern Ontario in Ontario hat einen Stadt-Land-Vergleich bei 45.567 Patienten aus vier Provinzen (Alberta, Manitoba, Nova Scotia und Ontario) durchgeführt. Davon lebten 38.905 in Städten und 6.662 auf dem Land. Die Inzidenz betrug in der Landbevölkerung 30,72 pro 100.000 Personenjahre im Vergleich zu 33,16 pro 100.000 in der städtischen Bevölkerung. 

Benchimol ermittelte eine relative Inzidenzrate (IRR) von 0,90, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,81 bis 0,99 statistisch signifikant war. Auf dem Land war das Erkrankungsrisiko mithin um 10 Prozent niedriger. Besonders deutlich war das Unterschied bei einem Erkrankungsbeginn in den ersten zehn Lebensjahren. Benchimol ermittelte eine IRR von 0,58 (0,43-0,73), also ein um 42 Prozent niedrigeres Erkrankungsrisiko. In der Altersgruppe von 10 bis 17,9 Jahre betrug die IRR 0,72 (0,64-0,81). Bei Patienten, die im Erwachsenenalter erkrankten, war kein signifikanter Unterschied mehr erkennbar. In allen Altersgruppen war der Wohnort in den ersten fünf Lebensjahren entscheidend.

Die Ursache für die protektive Wirkung der ländlichen Umgebung kann die Studie nicht klären. Interessant ist aber, dass es Unterschiede zwischen den einzelnen Provinzen gibt. Am besten geschützt waren Kinder in der Provinz Manitoba. Hier wird mehr Viehzucht betrieben als in den anderen Provinzen. In der Landwirtschaft überwiegt der Anbau von Getreide.

Landwirtschaft und Viehzucht sind jedoch nur ein Aspekt des ländlichen Lebens. Die Landbevölkerung ernährt sich auch anders, und im Prinzip könnte auch die bessere Qualität von Luft und Wasser eine Rolle spielen. Viele Experten vermuten derzeit, dass die Umwelteinflüsse sich auf die Darmflora auswirken, die eine zentrale Rolle in der Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa haben könnte. © rme/aerzteblatt.de

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