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Medizin

Tollwut: Neuer RNA-Impfstoff besteht ersten klinischen Test

Donnerstag, 27. Juli 2017

München - Ein in Deutschland entwickelter RNA-Impfstoff gegen die Tollwut hat sich in einer klinischen Phase 1-Studie als sicher erwiesen. Nach den im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31665-3) publizierten Ergebnissen könnte er genügend Antikörper erzeugen, um Menschen vor der Viruserkrankung zu schützen, die bei zu später Diagnose meist tödlich verläuft.

Der von der Firma CureVac aus Tübingen hergestellte Impfstoff besteht aus einer Messenger-RNA. Sie enthält die genetische Bauanleitung für ein Glykoprotein des Rabiesvirus. Die Produktion des Impfstoffes erfolgt im Körper. Nach intradermaler oder intramuskulärer Injektion wird die Messenger-RNA von Zellen aufgenommen, die das Glykoprotein (aber nicht den Rest des Virus) herstellen und freisetzen. Das Immunsystem erkennt das körperfremde Protein und bildet Antikörper.

Die ersten klinischen Tests wurden an der Technischen Universität München durch­geführt. Unter Leitung von Frank von Sonnenburg erhielten 101 gesunde Probanden jeweils drei Impfungen. Die Messenger-RNA wurde intradermal oder intramuskulär teilweise durch nadelfreie Injektion verabreicht. Interessanterweise wurden einzig durch die nadelfreie Injektion ausreichend Antikörpertiter erzielt: Acht von 14 Teilnehmern (54 Prozent) erreichen nach einer Boosterung einen Titer von 0,5 IE/ml oder mehr.

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Nach intradermaler oder intramuskulärer Nadelspritzeninjektion kam es nur bei einem Teilnehmer zu einer nachweisbaren Immunantwort. Die Schutzwirkung dürfte noch zu schwach sein, um Menschen sicher vor einer Rabies zu schützen. Die Impfung hat sich jedoch als einigermaßen verträglich erwiesen. Bei einem Patienten kam es laut der Publikation zu einer schweren Impfreaktion, von der sich der Betroffene jedoch spontan erholte. Der Hersteller will im nächsten Jahr mit einer weiteren Studie beginnen.

An Tollwut sterben weltweit jedes Jahr 59.000 Menschen. Die meisten Erkrankungen treten in Asien und Afrika auf. 95 Prozent der Ansteckungen erfolgen durch Hunde­bisse. Bei einer rechtzeitigen Postexpositionsprophylaxe (PEP) sind die Überlebens­chancen gut. Die PEP erfolgt mit Impfstoffen, die heute aus inaktivierten Viren bestehen.

In Deutschland ist die Tollwut selten geworden. Seit 2001 sind dem Robert-Koch-Institut sechs Erkrankungen übermittelt worden. Zuletzt starb im Jahr 2007 ein 55-jähriger Mann an Tollwut. Er war im Urlaub in Marokko von einem streunenden Hund gebissen worden. Eine mögliche Infektion ereignete sich 2010 im Eifelkreis in Rheinland-Pfalz. Eine Frau war von einer an Tollwut erkrankten Fledermaus gebissen worden. Sie erhielt eine PEP und blieb gesund. © rme/aerzteblatt.de

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