NewsMedizinTranskranielle Magnetstimulation unterscheidet Alzheimer von anderen Formen der Demenz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Transkranielle Magnetstimulation unterscheidet Alzheimer von anderen Formen der Demenz

Freitag, 28. Juli 2017

/peshkova, stock.adobe.com

Brescia – Eine frontotemporale Demenz (FTD) diagnostizieren Ärzte zu Beginn oft fälschlicherweise als psychische Störung, Alzheimer oder Parkinson. Eine bessere Differenzialdiagnose könnte mithilfe der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) möglich sein. Mit dem nicht invasiven Verfahren konnten Forscher der University of Brescia Alzheimer und FTD mit einer Sensitivität von 91,8 Prozent und einer Spezi­fität von 88,6 Prozent voneinander unterscheiden. Die Ergebnisse ihrer prospektiven Studie wurden in Neurology publiziert (2017; doi: 10.​1212/​WNL.​0000000000004232).

Nach dem Morbus Alzheimer ist die fronto­tem­po­rale Demenz (FTD) die häufigste Ursa­che einer präsenilen Demenz. Schätzun­gen zufolge leiden 10 bis 15 Prozent der Menschen mit Demenz an einer FTD.
Anzeige

Selbst bei Patienten mit milden Formen der Demenz im Anfangsstadium gelang die Differenzierung zwischen gesunden, Alzheimer- und FTD-Patienten fast genau­so gut. Im Rahmen der Studie haben die Forscher um Alberto Benussi 175 Teilnehmer untersucht. Davon litten 79 Patienten an Alzheimer und 64 an FTD. Bekannt war den Forschern ausschließlich die Diagnose der 32 gesunden Men­schen, die als Kontrolle dienten, nicht aber der Demenz-Patienten, was die verglei­chen­den Ergebnisse mit dieser Gruppe verfälscht haben könnte.

Die entscheidenden Parameter, die die Forscher mit TMS untersuchten, war die Aktivität von zwei Nervenschaltkreisen. Diese waren bei Alzheimer und FTD in unterschiedlicher Weise gestört.

„In anderen Studien hat sich gezeigt, dass diese verwendeten Parameter in größeren Kohorten von Normalpersonen eine bedeutende Variabilität aufweisen“, sagt Joseph Claßen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig. Die hohe Sensitivität und Spezifität erscheint ihm daher als sehr optimistisch. Er unterstützt die Aussage der Autoren: „Die Ergebnisse müssen noch an einer größeren, weniger vorselektierten Kohorte bestätigt werden, in der Alzheimer- und FTD-Patienten mit der natürlich vorkommenden Häufigkeit vorkommen.“

Aktuelle Optionen der Differenzialdiagnose

Bisher wird die TMS nur in experimentellen Studien und nicht in der Klinik eingesetzt. Andere bildgebende Methoden spielen schon jetzt in der Basisdiagnostik der Demenzabklärung eine wichtige Rolle. So kann neben klinischen, neuropsychologischen und Laboruntersuchungen auch eine Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) durchgeführt werden. 

„Erst wenn weder die klinischen noch MRT und CCT eine Differenzierung zulassen, kommen gut wissenschaftlich abgesicherte, aber teure nuklearmedizinische Verfahren zum Einsatz oder eine risikoarme, aber invasive Liquordiagnostik", erklärt Claßen die verschiedenen Optionen. Beide Verfahren könnten durch TMS ergänzt werden, die ebenfalls risikoarm sei, kostengünstig und vergleichsweise einfach durchführbar, sagt der Experte der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). Der einzige Nachteil: Die TMS in der in der Studie verwendeten Form sei nur in spezialisierten Labors vorgehalten. „Es ist auch vorstellbar, dass eine TMS-Untersuchung den nuklearmedizinischen, kaum jedoch den liquordiagnostischen Untersuchungen vorangestellt würde", so seine Einschätzung. 

In jedem Fall wäre eine frühe Unterscheidung von Alzheimer und FTD vorteilhaft für den Patienten. Denn die medikamentöse aber auch sonstige Behandlung beider Demenzformen unterscheidet sich deutlich. 

Besondere Herausforderungen der Frontotemporalen Demenz

Berlin – Die Frontotemporale Demenz (FTD) stellt Angehörige, Pflegekräfte, Ärzte und Wissenschaftler vor besondere Herausforderungen. Darauf hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Ende September nach einer Tagung zur FTD hingewiesen. Die Erkrankung greift besonders den Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns an. Anders als die Alzheimer-Krankheit tritt sie häufig bereits vor dem 60. Lebensjahr auf.

© gie/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER