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Medizin

Weltweit erhielt jedes zehnte Kind im Jahr 2016 keinerlei Impfungen

Donnerstag, 27. Juli 2017

/kerkezz, stock.adobe.com

Genua – Eins von zehn Kindern erhielt 2016 weltweit keinerlei Impfungen. Dies zeigen die neuesten Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO und des Kinderhilfswerkes Unicef zum Stand der weltweiten Immunisierung. Der Bericht der WHO „State of inequality: Childhood immunization, highlights inequalities in childhood immunization coverage in low- and middle-income countries over the past 10 years“ zeigt, dass global Verbesserungen erreicht wurden, diese aber von Land zu Land sehr unterschiedlich ausfallen. Insgesamt sei die Ungleichheit heute geringer als vor zehn Jahren.

Viele Kinder jedoch erhielten weiterhin keine Erstimpfung gegen beispielsweise Teta­nus, Diphterie und Pertussis (DTP3) und blieben so dem Risiko einer solch schweren Erkrankung ausgesetzt. Weltweit erhielten 85 Prozent der Kinder zwar die erste Dosis der Impfung, jedoch nur 64 Prozent auch die zweite Dosis. Die Deckungsniveaus bleiben laut WHO deshalb oft weit hinter denen zurück, die erforderlich wären, um Ausbrüche und vermeidbare Todesfälle ganz zu verhindern. Seit 2010 stagniert laut Bericht die Zahl derjenigen Kinder, die eine vollständige Immunisierung gemäß der Impfempfehlungen erhalten haben, bei etwa 86 Prozent. Das Ziel jedoch ist eine Abdeckung von wenigstens 90 Prozent weltweit.

Jean-Marie Okwo-Bele, Direktor für Immunisierung, Impfstoffe und Biologie bei der WHO, warnt, dass die Kinder, die keine Impfungen erhalten haben, die gleichen seien, die ohnehin schon einen schlechten Zugang zum Gesundheitssystem hätten. Die Studie der WHO und des Unicef zeigt, dass 130 der 194 Mitgliedsstaaten der WHO das Ziel der 90-Prozent-Impfrate auf nationaler Ebene für DTP3 bereits erreicht haben.

Den­noch blieben rund zehn Millionen Kinder in 64 Ländern der Welt, die nach wie vor geimpft werden müssten. Mit 7,3 Millionen lebe eine Mehrzahl dieser Kinder in Län­dern mit vorherrschenden Konflikten und anderen humanitär schwierigen Situationen. Vier Millionen Kinder entstammten den Ländern Afghanistan, Nigeria und Pakistan. In diesen Ländern sei der Zugang zu den Routineimpfungen erschwert, weshalb dort auch immer wieder einzelne Fälle von Kinderlähmung aufträten.

Im Jahr 2016 hatten die Länder Zentralafrikanische Republik, Tschad, Äquatorial­guinea, Nigeria, Somalia, Süd Sudan, Syrien und und die Ukraine DTP3-Impfraten von unter 50 Prozent.

Neuere Impfungen wie gegen das Rotavirus oder Pneumokokken erreichen laut Bericht oft nur Deckungen von knapp 50 Prozent. Beide Impfungen könnten einen großen Teil dazu beitragen, die Sterberaten von Kindern unter fünf Jahren nachhaltig zu senken, was auch Teil der Sustainable Development Goals der UN ist.

Es zeigt sich, dass insbesondere viele Länder mit mittlerem Einkommen bei der Implementierung dieser neueren und etwas teureren Impfungen hinterherhinken. „Dies könnte daran liegen, dass die Länder mittleren Einkommens keine externen Hilfszahlungen erhalten, die Beschaffung der Impfungen jedoch ihre eigenen finanziellen Möglichkeiten im Bereich Gesundheit übersteigt“, hieß es aus der WHO. © hil/aerzteblatt.de

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