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Medizin

Was die globalen Gesundheitsziele bis 2030 kosten

Freitag, 28. Juli 2017

/dpa

Genua – Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO schätzt die Kosten zum Erreichen der globalen Gesundheitsziele bis zum Jahr 2030 auf 134 bis 371 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Berechnung der „Sustainable Development Goals (SDG) Health Price Tag“ bezieht 67 Länder der Erde mit mittleren und niedrigen Einkommen ein. Die Länder stellen fast 75 Prozent der Weltbevölkerung. Der SDG Health Price Tag wurde in The Lancet Global Health veröffentlicht (2017; doi: 10.1016/S2214-109X(17)30263-2).

Die WHO entwirft zwei Szenarien: Ein „ehrgeiziges Szenario“, in dem die Investitionen ausreichen, um die Gesundheitsziele in den einzelnen Ländern bis 2030 zu erreichen, und ein „Fortschrittsszenario“, in dem die Länder zumindest zwei Drittel der Ziele erreichen. In beiden Szenarien entstehen 75 Prozent der Kosten durch Investitionen ins Gesundheitssystem. Hierzu zählt mehr Gesundheitspersonal einzustellen, neue Kran­ken­häuser und Laboratorien zu bauen und medizinische Ausrüstung anzuschaffen. Die übrigen Kosten entfallen auf Medikamente und Impfungen sowie auf Schulungen und Kampagnen, um auch entlegene Gemeinden zu erreichen.

Lücke von 54 Milliarden US-Dollar

Im „ehrgeizigen Szenario“ bräuchte es zum Erreichen der SDG-Gesundheitsziele bis 2030 jährlich 371 Milliarden US-Dollar, was einer jährlichen Summe von 58 Dollar pro Person in den einbezogenen Ländern entspreche. Die Analyse zeigt, dass 85 Prozent dieser Kosten mit inländischen Ressourcen gedeckt werden könnten, obwohl etwa 32 der ärmsten Länder der Welt eine jährliche Lücke von bis zu 54 Milliarden US-Dollar haben und daher externe Unterstützung benötigen werden. Länder mit hohem Ein­kommen wurden nicht in die Analyse einbezogen, da andere Schätzungen gezeigt haben, dass sie sich alle leisten können, ihren Bürgern eine universelle Krankenver­siche­rung mit grundlegenden Gesundheitsdiensten zu bieten.

Die Investitionen würden die Gesundheitsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlands­produkt (BIP) in allen 67 Ländern von durchschnittlich 5,6 Prozent auf 7,5 Prozent anheben. Zum Vergleich: Der globale Durchschnitt der Gesundheitsausgaben im Verhältnis zum BIP beträgt 9,9 Prozent. Die Investitionen könnten die Lebenserwartung in vielen Ländern um bis zu 8,4 Jahre verlängern und millionenfach vorzeitige Todes­fälle verhindern, gerade auch bei Jugendlichen und Kindern. Zudem würden viele Todes­fälle durch nicht ansteckende Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs vermieden werden.

Im „Fortschrittsszenario“ sind laut Berechnung 275 Milliarden US-Dollar, respektive 41 US-Dollar pro Person, jährlich bis 2030 erforderlich, um einen Großteil der SGD-Gesund­heitsziele zu erreichen.  Die Gesundheitsausgaben würden auf 6,5 Prozent des BIP steigen.

Der SDG Health Price Tag schreibt nicht vor, welche Länder wieviel für die Gesundheit ausgeben sollen, sondern ist als Instrument zur Weiterentwicklung der Forschung gedacht. Er hebt hervor, dass das Ziel, einer universellen Gesundheitsversorgung nicht allein durch die Finanzierung bestimmt wird, sondern auch den politischen Willen und die Achtung der Menschenrechte erfordert.

Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, betonte, dass eine univer­selle Kran­ken­ver­siche­rung letztlich in der Verantwortung der politischen Funktionäre jeder einzelnen Nation liege. Die WHO plant, die Schätzungen alle fünf Jahre zu aktu­ali­sieren und gemäß der Datenlage relevante Krankheiten und neue Ziele im Sektor Gesundheit miteinzubeziehen. © hil/aerzteblatt.de

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