Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

WHO mahnt zur Hepatitis B-Impfung für Neugeborene

Montag, 31. Juli 2017

WHO mahnt zur Hepatitis B-Impfung für Neugeborene
/sonar512, stock.adobe.com

Genf – Angesichts der weltweiten Hepatitis-Epidemie drängt die Weltgesundheits­organisation (WHO) darauf, in allen Ländern der Welt schon Neugeborene in den ersten Lebensstunden gegen die Leberentzündung vom Typ B zu impfen. Auch in wohlhaben­deren Ländern steige die Zahl der Fälle, etwa durch Migration, sagte Marc Bulterys, Teamleiter des WHO-Hepatitis-Programms, anlässlich des heutigen Welt-Hepatitis-Tages in Genf.

Hepatitis kann zu Krebs führen. Die WHO sieht gute Fortschritte, neue Infektionen bis 2030 um 90 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 65 Prozent zu reduzieren. Die WHO hat die Hepatitis-B-Impfung in den ersten 24 Stunden nach der Geburt 2009 erstmals empfohlen. Länder mit relativ wenigen Fällen hätten dies aber nicht umge­setzt, sagte Bulterys. Nach Auswertung neuer Studien habe die WHO die Empfehlung Anfang Juli aber nun für alle Länder ohne Ausnahme erneuert.

In Deutschland ist die Hepatitis-B-Impfung nach Angaben des Robert-Koch-Instituts Bestandteil des Impfprogramms für Säuglinge und Kleinkinder und wird im Alter von zwei Monaten empfohlen. Nur Babys von Müttern mit chronischer Hepatitis B oder unbekanntem Hepatitis-B-Status sollen direkt nach der Geburt geimpft werden.

Weltweit waren 2015 nach WHO-Schätzungen 71 Millionen Menschen mit Hepatitis C und 257 Millionen mit Hepatitis B infiziert, den beiden bedeutendsten der fünf Hepati­tis-Typen. 1,3 Millionen Menschen starben durch die Infektionen, etwa so viele, wie durch Tuberkulose umkamen. Weniger als zehn Prozent der Infizierten wüssten aber überhaupt von ihrer Krankheit.

Die WHO empfiehlt deshalb stärkere Routine-Diagnoseprogramme. „Es gibt keinen Grund, warum Millionen von Menschen noch nicht getestet sind und deshalb die Medikamente nicht bekommen, die sie so dringend benötigen“, sagte der Direktor der für HIV und Hepatitis zuständigen Abteilung, Gottfried Hirnschall.

Rund 70 Prozent der Hepatitis-Kranken leben nach WHO-Angaben in 28 Ländern, darunter China, Indien, Südafrika und Brasilien. 89 Prozent der Länder hätten den Kampf gegen die Hepatitis inzwischen zur Priorität gemacht. 30 Prozent der Infektio­nen passieren durch falschen Spritzengebrauch.

Gegen Hepatitis C gebe es seit vier Jahren gute Medikamente, die 95 Prozent der Patienten mit einer Dreimonatsbehandlung heilen können. Der Preis eines Generika­produkts des indischen Herstellers Mylan mit WHO-Qualitätsstempel sei drastisch gesunken. Arme Länder hätten mit dem Hersteller Preise von rund 230 Euro für das Dreimonatsrezept ausgehandelt, sagte Bulterys. In wohlhabenden Ländern seien die Medikamente teurer. Die WHO rechnet mit der Zulassung mehrerer weiterer Medika­mente in naher Zukunft.

Die Organisation Ärzte der Welt forderte heute von der Bundesregierung und den Kran­ken­ver­siche­rungen, schärfer gegen „Wucherpreise“ bei den lebensrettenden Medikamenten vorzugehen. „Schuld an den hohen Kosten ist der Pharmakonzern Gilead, der das weltweite Patent auf den Wirkstoff Sofosbuvir hält, mit dem er das Medikament Sovaldi herstellt. Durch ihr faktisches Monopol kann die Firma den Preis willkürlich festlegen“, schreibt die Organisation.

Neuer Einspruch gegen Patent auf teuren Hepatitis-C-Wirk­stoff

München/Berlin – Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt hat heute zusammen mit Ärzte ohne Grenzen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen beim Europäischen Patentamt (EPA) einen Einspruch gegen ein Patent auf den Wirkstoff Sofosbuvir eingereicht. „Sofosbuvir ist so teuer, dass Millionen Menschen mit Hepatitis C derzeit nicht mit dem Medikament behandelt werden können”, sagte Isaac

Einige Länder hätten sich jedoch mit Gilead auf Rabatte geeinigt, darunter Frankreich. Seit April dieses Jahres kostet eine Hepatitis-C-Behandlung dort 28.700 statt wie zuvor 41.000 Euro. Deutschland, wo geschätzte 300.000 Menschen an Hepatitis C erkrankt seien, hinke hinterher. Hier koste eine Therapie noch rund 43.600 Euro. Die Organisa­tion habe bereits Einsprüche beim Europäischen Patentamt eingelegt, um Generika zu ermöglichen.

Bei Heptatitis E nehmen die registrierten Fälle in Deutschland zu. Wurden 2014 laut Bundesinstitut für Risikobewertung 670 Fälle gemeldet, waren es 2015 bereits 1.246 Fälle. Die Ursachen seien unbekannt. Hepatitis E kann etwa durch Schweinefleisch übertragen werden und ist für die meisten Menschen ungefährlich, für Immunge­schwäch­te und Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel aber lebensbedrohlich. © dpa/may/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.10.17
Impfung gegen Lepra könnte bald an Menschen getestet werden
Würzburg – Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Lepra will das Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfswerk DAHW einen neuen Impfstoff auf den Weg bringen. Der Wirkstoff sei bereits erfolgreich an......
18.10.17
Kinder- und Jugendärzte weisen wiederholt auf Versorgungsengpass hin
Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat wiederholt vor einem Versorgungsengpass gewarnt. „Das Gesundheitssystem ist von den aktuell vielen Geburten völlig überfordert“, teilte......
17.10.17
Ebola-Impfstoff eignet sich auch für die Immunisierung von Kindern
Lambarene/Tübingen – Der seit 2015 in Afrika getestete Impfstoff „rVSVΔG-ZEBOV-GP“ eignet sich auch für die Immunisierung von Kindern. Dieses Ergebnis aus einer Phase-1-Studie berichtet ein......
16.10.17
Impfen: Kinder- und Jugendärzte kritisieren Rabattverträge
Berlin – Die Rabattverträge der Krankenkassen zu Impfstoffen müssen abgeschafft werden. Das hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) heute gefordert. BVKJ-Präsident Thomas Fischbach......
13.10.17
Medizingeschichte: War Jenners Impfstoff gar keine „Vakzine“?
Berlin – Der Impfstoff, mit dem Edward Jenner im Jahr 1796 erstmals gegen die Pocken impfte und damit die Immuntherapie begründete, enthielt möglicherweise nicht wie bisher angenommen Kuhpocken,......
12.10.17
Pertussis­infektionen in Sachsen nehmen zu
Dresden – Die Zahl der Keuchhusten-Infektionen in Sachsen steigt. Für 2017 wurden bisher 842 Fälle gemeldet, im gesamten Vorjahr waren es 694 und 2014 nur 405, wie die Barmer in Sachsen gestern......
29.09.17
Neuer Typhus-Impfstoff für Kinder erfolgreich an Erwachsenen getestet
Oxford – Ein moderner Typhus-Impfstoff, der auch bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt werden soll, hat sich in einem klassischen Expositionstest an gesunden (erwachsenen) Menschen als sicher und......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige