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Medizin

Welt-Hepatitis-Tag: WHO ruft zur Eliminierung von Hepatitis B und C auf

Freitag, 28. Juli 2017

fotoliaxrender - stock.adobe.com

Genf/Stockholm/Berlin - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält es für möglich, die Hepatitis B und die Hepatitis C mittelfristig zu eliminieren. Gegen die Hepatitis B gibt es seit Jahren einen effektiven Impfstoff, die Hepatitis C könne innerhalb weniger Monate geheilt werden – in vielen Ländern mittlerweile zu erträglichen Kosten.

Infektionen mit Hepatitis B- und C-Viren gehören zu den häufigsten Infektions­krank­heiten weltweit. An einer chronischen Hepatitis B sind nach Schätzungen der WHO 257 Millionen Menschen erkrankt. Mit dem Hepatitis C-Virus sind 71 Millionen Menschen chronisch infiziert. An den Folgen der Erkrankung – in erster Linie Leberzirrhose und Leberzellkarzinome sterben jedes Jahr 1,34 Millionen Menschen, fast so viele wie an Tuberkulose und mehr als an HIV. 

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In Europa sind nach Schätzungen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) 4,7 Millionen Menschen chronisch mit  Hepatitis B und 3,9 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis C infiziert. In Deutschland wurden 2016 insgesamt 3.466 Hepatitis  B-Infektionen und 4.368 Hepatitis C-Infektionen neu erkannt. Beide Erkrankungen sind in Deutschland relativ selten und die Erkrankungszahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Bei der Hepatitis C wird jedoch eine erhebliche Dunkelziffer angenommen. Viele Menschen wissen nicht von ihrer Infektion. 

Gegen die Hepatitis B kann seit den 1980er Jahren geimpft werden. Die Impfung bietet einen lebenslangen Schutz. In Ländern wie Deutschland, wo die Hepatitis B zum Impfkalender gehört, ist der jüngere Teil der Bevölkerung überwiegend immun. Eine Behandlung der Hepatitis B ist ebenfalls möglich. Die derzeit wirksamste Behandlung besteht in der Einnahme von Tenofovir.

Das Virustatikum, das zuerst zur Behandlung von HIV-Infektionen eingeführt wurde (wo es die reverse Transkriptase hemmt), ist auch gegen das Hepatitis B-Virus wirksam, da es die DNA-Polymerase des Hepatitis B-Virus blockiert. Eine Heilung ist wie bei HIV nicht möglich. Die Patienten müssen Tenofovir lebenslang einnehmen. Der Wirkstoff wird heute weltweit eingesetzt. In ärmeren Ländern betragen die Kosten der Therapie laut WHO nur 48 US-Dollar pro Jahr.

Gegen die Hepatitis C gibt es derzeit keinen Impfstoff. Mit der Kombination mehrerer sogenannter DAA (direct acting antivirals), die direkt die Virusreplikation blockieren, ist heute jedoch eine Heilung innerhalb von weniger als 12 Wochen möglich. Die Behandlungskosten waren anfangs horrend.

Der Wirkstoff Sofosbuvir kostete bis zu 1.000 Dollar pro Tablette (also 84.000 US-Dollar für eine 12-wöchige Behandlung). Inzwischen sind die Preise gesunken, und durch Rabatte der Hersteller zahlen Hochendemie-Länder wie Ägypten nur noch 260 bis 280 US-Dollar für die komplette Behandlung. Die Medikamente werden kostengünstig in Indien und China hergestellt und die WHO versucht durch eine „Präqualifizierung“ die Qualität der Generika sicher zu stellen. Sofosbuvir ist der erste Wirkstoff, der auf diese Weise in Kürze auf den Markt kommen soll.

Die WHO motiviert die Mitgliedsländer zur Einrichtung von „hepatitis elimination committees“, die die Behandlung der Infizierten organisieren soll. Bisher sind erst 28 Länder, die allerdings 70 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, dem Aufruf der WHO gefolgt. Ob es allerdings gelingen wird, die beiden Erkrankungen bis 2030 beim Menschen zu eliminieren, wie der WHO vorschwebt, erscheint eher unwahrscheinlich. © rme/aerzteblatt.de

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