Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Extreme Frühgeburten: Mehr bronchopulmonale Dysplasien trotz schonender CPAP-Beatmung

Freitag, 28. Juli 2017

/dpa

Melbourne – Der Anteil der extrem Frühgeborenen, die im Alter von 36 Monaten noch eine Sauerstoffbeatmung benötigen oder im Alter von acht Jahren eine schlechte Lungenfunktion aufweisen, ist in den letzten Jahren gestiegen, obwohl die Kinder nach der Geburt häufiger auf vermeintlich schonende Weise beatmet werden. Dies geht aus einer Langzeituntersuchung aus Australien im New England Journal of Medicine (2017; 377: 329-337) hervor, die Zweifel an einer häufigen neonatologischen Behandlung weckt.

Viele Kinder, die vor der 28. Gestationswoche geboren werden, müssen beatmet werden, um zu überleben. Die Sauerstoffgabe kann jedoch den noch unreifen Lungen schaden, und nicht wenige Kinder entwickeln eine bronchopulmonale Dysplasie, die die Lungenfunktion auf Dauer vermindert.

Um die Lungen zu schonen, wird heute versucht, die Dauer der mechanischen Beatmung zu verringern. Die bevorzugte Technik ist die CPAP-Beatmung, die ohne Intubation über eine Nasenmaske möglich ist und die Spontanatmung des Neuge­borenen mit einem dauerhaften Überdruck kombiniert. Der Anteil der nasalen CPAP-Beatmung bei extremen Frühgeburten ist in Australien in den letzten Jahrzehnten von 5 auf über 30 Prozent gestiegen, während der Anteil der extremen Frühgeborenen, bei denen eine endotracheale Ventilation durchgeführt wird, von 21 auf 10 Prozent gesunken ist.

Lex Doyle von der Universität Melbourne hat zusammen mit der Victorian Infant Collaborative Study Group die Behandlungsergebnisse aus den Jahren 1991/92, 1997 und 2005 verglichen. Die Forscher hatten erwartet, dass die Bevorzugung der CPAP-Beatmung zu einer schnelleren Erholung der extremen Frühgeburten und zu einer auf Dauer besseren Lungenfunktion führen würde.

Diese Annahme sollte sich jedoch nicht bestätigen. Die Untersuchungsergebnisse zeigten im Gegenteil, dass der Anteil der Kinder, die im Alter von 36 Monaten eine bronchopulmonale Dysplasie haben, in der letzten Kohorte von 2005 am höchsten war und die überlebenden Kinder im Alter von acht Jahren eine schlechtere Lungenfunktion hatten als in den beiden früheren Kohorten.

Die Studie kann die Ursachen nicht klären. Ein Verdacht fällt jedoch auf die nasale CPAP-Beatmung, deren häufige und langzeitige Anwendung möglicherweise höhere Risiken birgt als bisher angenommen. Die nasale CPAP-Beatmung wird nicht nur bei Neugeborenen angewendet, die ohne Sauerstoffgabe nicht überleben würden.

Weitere Indikationen sind eine Apnoe bei Frühgeborenen oder ungünstige Werte in der Pulsoxymetrie. Die Pulsoxymetrie, die die arterielle Sauerstoffsättigung über die Messung der Lichtabsorption bei Durchleuchtung der Haut misst, wird häufig bei Frühgeborenen durchgeführt. Doyle befürchtet, dass diese Untersuchung die Neonatologen verleiten könnte, die Indikation für eine Sauerstoffgabe häufiger zu stellen als notwendig. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.01.18
Bronchopulmonale Dysplasie: Prävention mit inhalativem Steroid erzielt zwiespältige Wirkung
Zürich – Neurologische Entwicklungsstörungen, zu denen es bei der systemischen Gabe von Glukokortikoiden zur Prophylaxe einer bronchopulmonalen Dysplasie kommen kann, lassen sich durch eine inhalative......
10.01.18
KV Bayerns will höhere Vergütung für ambulante Versorgung von beatmeten Patienten
München – Die Versorgung von außerklinisch invasiv und nicht invasiv beatmeten Patienten muss für niedergelassene Ärzte besser vergütet werden. Das forderte heute der der Vorstand der Kassenärztlichen......
20.12.17
Zervikales Pessar senkt Frühgeburtrate in Studie
Neapel – Ein zervikales Pessar hat in einer randomisierten Studie bei asymptomatischen Frauen mit Einzelschwangerschaften, ohne Frühgeburten in der Vorgeschichte und einer Zervixlänge von 25 mm oder......
06.12.17
Neonatologie: Zu viele Kinderchirurgen behandeln seltene angeborene Fehlbildungen
Berlin – Die Zahl der kinderchirurgischen Einrichtungen hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Was zunächst positiv scheint, könnte eine reduzierte Qualität in der Versorgung seltener angeborener......
17.11.17
Viele Frühgeborene benötigen schnelle kinderchirurgische Versorgung
Berlin – Auf die große Bedeutung einer zeitnahen kinderchirurgischen Versorgung für viele Frühgeborene hat die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) heute anlässlich des......
11.10.17
Genetischer Risikofaktor für bronchopulmonale Dysplasie bei beatmeten Frühchen
München – Veränderungen im Gen für den Wachstumsfaktor-Rezeptor „Platelet-Derived Growth Factor Receptor alpha“ (PDGFR-alpha) erhöhen das Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie bei beatmeten......
05.10.17
Gehirne von Frühchen wirken im späteren MRT älter
London – Babys, die zu früh auf die Welt kommen, zeigen im Erwachsenenalter auf MRT-Aufnahmen ein Gehirn, das älter aussieht, als es eigentlich ist. Forscher des King´s College London um Chiara......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige