NewsMedizinMedikamente gegen ADHS verringern Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Medikamente gegen ADHS verringern Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch

Dienstag, 1. August 2017

Bloomington – Medikamente, die zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper­aktivitätssyndrom (ADHS) dienen, reduzieren das Risiko für Substanzmissbrauch bei Betroffenen mit dieser Störung um bis zu einem Drittel. Das zeigt eine Studie der University of Indiana unter der Leitung von Patrick Quinn. Die Arbeitsgruppe veröffent­lichte ihre Ergebnisse im American Journcal of Psychiatry (2017; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.16060686).

Die Forscher analysierten die Daten von rund drei Millionen US-Amerikanern von 2005 bis 2014, die unter ADHS leiden. Die Arbeitsgruppe legte den Fokus insbesondere auf die große Zahl an Patienten, die in ihrer Akte Perioden ohne Einnahme der ADHS-Medikamente aufwies. Außerdem untersuchten sie, ob gehäuft Besuche in der Notauf­nahme aufgrund von Alkohol-oder Drogenkonsum vorlagen.

Anschließend berechneten sie die Wahrscheinlichkeit eines solchen Besuches für Phasen, in denen die Person die Medikamente nicht genommen hatte, und für Phasen, in denen sie die Arzneimittel regelmäßig eingenommen hatte. Für Frauen zeigte sich ein um 31 Prozent verringertes Risiko für Substanzmissbrauch, für Männer ein 35 Prozent niedrigeres.

Anzeige

Die Studie unterstützt nach der Interpretation der Forscher die Annahme, dass die ADHS-Therapeutika das Risiko für verschiedene Arten von schädlichem Verhalten senken können. Zudem unterstrichen die Ergebnisse der Studie, wie wichtig es sei, eine korrekte Diagnose zu stellen und seitens des Patienten Therapietreue einzuhalten, so die Wissenschaftler.

Quinn fügte an, dass es von vielen Faktoren abhänge, ob ein Patient Medikamente gegen ADHS erhalte oder nicht. Hierzu zählten der soziöko­nomische Status, der Zugang zum Gesundheitssystem, soziale Unterstützung und Schwere der Erkrankung. Zwar gebe es bei den Medikamenten gegen ADHS auch Missbrauchsbedenken, jedoch zeige ihre Studie, dass der Einsatz der Therapeutika das Risiko für Substanzmissbrauch gerade nicht steigere.

Zusammenfassend betonen die Autoren, dass ihre Studie Belege für die positiven Kurz- und Langzeitwirkungen der ADHS-Medikamente liefere. Diese Aspekte könnten sowohl für Ärzte, Betroffene und Eltern von Betroffenen beruhigend wirken. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. August 2018
Washington – In den USA ist die Zahl der Drogentoten durch Überdosis im vergangenen Jahr um beinahe sieben Prozent gestiegen. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteilte, starben 2017 71.568 Menschen
Zahl der Drogentoten in den USA gestiegen
16. August 2018
London – Sogenannte Nahtoderfahrungen, über die gelegentlich Patienten nach erfolgreicher Reanimation eines Herzstillstands berichten, wurden in einer randomisierten Studie in Frontiers in Psychology
Halluzinogen erzeugt Nahtoderfahrungen
9. August 2018
Oxford – Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), an der weltweit 5 % der Schulkinder und 2,5 % der Erwachsenen leiden, sollte bei Kindern zunächst mit Methylphenidat und bei
ADHS: Metanalyse gibt Methylphenidat bei Kindern und Amphetaminen bei Erwachsenen den Vorzug
2. August 2018
/Torsten Schon, stock.adobe.com Paris – Britische Regierungsangestellte, die in einer Langzeitstudie im Verlauf ihres Berufslebens hinweg einen erhöhten Alkoholkonsum angaben, erkrankten nach
Häufiger Alkoholkonsum, aber auch Abstinenz fördern Demenzen im Alter
20. Juli 2018
Berlin – Anlässlich des internationalen Gedenktages für verstorbene Drogenkonsumenten hat die Deutsche Aidshilfe mehr finanzielle Unterstützung für die Drogenhilfe gefordert. Während die Drogenhilfe
Knappe Budgets für Drogenhilfe kosten Leben
19. Juli 2018
Ann Arbor/Michigan – In den USA ist es nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 zu einem Anstieg von alkoholbedingten Todesfällen an Leberzirrhose und Leberkrebs gekommen. Betroffen waren nach
USA: Anstieg tödlicher Alkoholschäden der Leber nach der Wirtschaftskrise von 2007
18. Juli 2018
Los Angeles – Fördert die intensive Nutzung digitaler Medien durch Jugendliche die Entwicklung einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)? Eine Längsschnittstudie im amerikanischen

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER