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Medizin

11,5 Millionen US-Bürger nehmen Opiode ohne ärztliche Empfehlung

Dienstag, 1. August 2017

/steheap, stock.adobe.com

Washington/Bethesda – Neue Daten aus dem National Survey on Drug Use and Health (NSDUH) zeigen, wieviele US-Bürger ihre Schmerzen und Sucht im Jahr 2015 mit Opioiden gestillt haben. Die Ergebnisse der Umfrage bei 51.200 Teilnehmern wurden in Annals of Internal Medicine publiziert (2017; doi: 10.7326/M17-0865).

Die Opioid-Therapie bei Patienten mit Tumor­schmerzen unterscheidet sich deutlich von der Therapie bei nicht tumorbedingten Schmerzen.

Einteilung nach WHO-Kriterien

Stufe 1: Nichtopioid-Analgetika (AG)
Paracetamol, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Ketoprofen, Dexketoprofen, Indomethacin, Naproxen, Tiaprofen, Meloxicam, Piroxicam, Celecoxib, Etoricoxib, Parecoxib, Valdecoxib, Flupirtin

Stufe 2: schwach potente opioide AG
Tramadol, Tilidin, Codein, Dihydrocodein

Stufe 3: hochpotente opioide AG
Fentanyl, Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Piritramid, Oxycodon mit Zusatz von Naloxon, Buprenorphin, Tapentadol, Methadon (speziell erfahrenen Ärzten vorbehalten und erfordert zu Beginn ein engmaschiges Monitoring des Patienten)

Quelle: Pschyrembl / Arzneimittelbrief

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Im Jahr 2015 erhielt fast 40 Prozent der US-Amerikaner (91,8 Millionen) opioid­haltige Medikamente auf Rezept. Davon gab jeder achte an, das Opioid ohne Rezept eines Arztes, in größeren Men­gen oder länger als vom Arzt empfohlen einzunehmen (11,5 Millionen). Von Missbrauch war in erster Linie die Rede, wenn sich Patienten das Rezept von Freunden und Verwandten besorgten (etwa 50 Prozent). Am häufigsten geben die Betroffenen an, dass sie physikali­sche Schmerzen damit lindern wollen. Zehn Prozent wollten relaxen, weitere zehn Prozent wollten high werden.

Einer von 50 war zudem der Ansicht, dass das Schmerzmedikament zu einer Störung geführt hatte, beispielsweise eine Abhägigkeit. Somit gehen die Auto­ren davon aus, dass 0,8 Prozent aller US-Bürger Opioid-abhängig sind. 13,8 Prozent der Abhängigen erhielten Opioide von Drogendealern.

Opioid-Missbrauch und -Abhängigkeit kamen dabei vor allem bei Erwachsenen vor, die nicht versichert oder arbeitslos waren, ein geringes Einkommen hatten oder gesund­heitliche Verhaltensprobleme. Im Editorial zur Studie appeliert Karen E. Lasser vom Boston Medical Center daher an Kliniker und politische Entscheidungsträger, die zugrunde liegenden sozialen Probleme zu berücksichtigen. Zudem kritisiert sie, dass die Ursache von Schmerzen in einem 15-Minuten-Gespräch beim Arzt nicht erörtert werden könne. Ein Opioid zu verschreiben sei die einfachste Option, den Patienten schnell eine Lösung anzubieten, ohne andere Therapiemöglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Auch der aktuelle Drogenbericht für Europa weist explizit auf die Drogentoten durch Opioide hin: Demnach erlagen 80 Prozent der Opfer den Folgen einer Überdosis Kokain oder Opioiden. Besorgniserregend sind laut EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos vor allem neue synthetische Opioide, weshalb Fentanyle unter besonderer Beobachtung stehen. Im Jahr 2013 hatten US-Behörden in 1.015 Fällen illegal hergestelltes Fentanyl in beschlagnahmten Drogen nachgewiesen. Im Jahr darauf waren es bereits 5.343 Fälle. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahle der Drogentoten durch diese Droge. 

Zahl der Drogentoten in der EU steigt „besorgniserregend“

Brüssel/Lissabon – Die Zahl der Drogentoten in Europa ist 2015 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Die Entwicklung sei „besorgnis­erre­gend“, heißt es in dem heute in Brüssel veröffentlichten Jahresbericht 2017 der Beobachtungs­stelle für Drogen und Drogensucht der Europäischen Union (EMCDDA). In den 28 Mitglieds­staaten der EU sowie in der Türkei und Norwegen starben 2015 den Angaben zufolge 8.441 (...)

© gie/aerzteblatt.de

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