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Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg warnt vor Glyphosat

Dienstag, 1. August 2017

/fotohansel, stock.adobe.com

Stuttgart – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hat vor dem Unkraut­bekämpfungsmittel Glyphosat gewarnt und die Bundesregierung aufgefordert, einer weiteren Zulassung von Glyphosat auf europäischer Ebene im Herbst dieses Jahres nicht zuzustimmen. Grund dafür ist, dass die Kammer weiterhin Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit der Substanz hat.

Glyphosat wird seit Ende der 1970er-Jahre zur Unkrautbekämpfung in der Land­wirt­schaft und im Gartenbau eingesetzt. Es ist weltweit der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden.

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Der Einsatz der Substanz aus der Gruppe der Phosponate ist seit Jahren in der Diskus­sion. Die Zulassung für Glyphosat war auf europäischer Ebene zum 30. Juni 2016 aus­gelaufen. Die EU-Kommission hatte sie um 18 Monate verlängert, obwohl der weitere Einsatz des Herbizids unter den Mitgliedsstaaten umstritten war. Eine von der EU-Kommission bei der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) in Helsinki in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, Glyphosat sei nicht als krebserregend, mutagen oder organtoxisch einzustufen. Allerdings sei eine schädigende Wirkung auf Augen und Haut sowie eine Giftigkeit für Tiere und Pflanzen in Gewässern belegt.

Diese Beurteilung steht allerdings im Gegen­satz zu den Ergebnissen der International Agency for Research on Cancer (IARC) der Welt­gesund­heits­organi­sation aus dem Jahre 2015, die Glyphosat als krebserregend einstuft, sowie einer Studie der Deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom Mai 2016, die eine mögliche organschädigende Wirkung von Glyphosat beschreibt.

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Lan­des­ärz­te­kam­mer wies jetzt darauf hin, dass Glypho­sat unabhängig von seiner ungeklärten Giftigkeit für Menschen die Artenvielfalt in der Umwelt nachhaltig schädige. Der Einsatz von Glyphosat töte Pflanzen aller Art ab und zerstöre so die Lebensgrundlage vieler Tiere, argumentieren die Ärzte. Bereits der 119. Deutsche Ärztetag hatte 2016 die Bundesregierung und die Europäische Kommission aufgefordert, Glyphosat nicht weiter zuzulassen.

Die Bundesregierung ist in Bezug auf das Unkrautschädigungsmittel gespalten: Bundes­umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bekräftigte vor einigen Tagen im Hessischen Rundfunk ihr Nein zu Glyphosat, weil es Nahrungsnetze und die biologische Vielfalt schädige. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) ist für eine weitere Zulassung. © hil/aerzteblatt.de

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