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Politik

Personalsituation der Pflege im Krankenhaus „bedrohlich“

Mittwoch, 2. August 2017

/sudok1, stock.adobe.com

Berlin – Scharfe Kritik an dem Gutachten „Personalsituation in der Intensivpflege und Intensivmedizin“ des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hat der Deutsche Pflege­rat (DPR) geübt. Das Gutachten hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) in Auftrag gegeben.

„Nach wie vor fehlen in unseren Krankenhäusern Zehntausende Mitarbeiter in der Pflege. Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, mit welchen enormen und stetig steigenden Arbeitsbelastungen die professionell Pflegenden umzugehen haben“, sagte der Präsident des Pflegerates Andreas Westerfellhaus. Die Folgen seien enormer Stress sowie körperliche und psychische Belastungen bis hin zur Flucht aus dem Beruf.

Krankenhäuser wollen Untergrenzen bei Pflegepersonal flexibel halten

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) beklagt den Mangel an Fachpflegekräften und fordert eine gesamtgesellschaft­liche Debatte über die Pflegeberufe. Aus Sicht der DKG engagieren sich der Verband und seine Mitglieder seit Jahren, neues Pflegepersonal zu gewinnen und die ausgebildeten Frauen und Männer auch im Beruf zu halten. So habe man seit 2008 kontinuierlich Pflegepersonal (...)

Laut DKI-Untersuchung, bei der 314 Krankenhäuser mit Intensivstationen befragt wurden, liegt das statistische Verhältnis von Intensivpatient zu Pflegekraft bei 2,2 Fällen pro Schicht. Die Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sehen ein Verhältnis von zwei Fällen pro Schicht vor. Die Fachkraftquote in der Intensivpflege liege im Mittel bei 44 Prozent, das DKI empfehle eine Quote von mindestens 30 Prozent. „Die Versorgung der Patienten ist objektiv gut“, resümierte der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Thomas Reumann, Präsident der DKG und Landrat in Reutlingen, warb bei der Vorstel­lung des Gutachtens vor Journalisten in Berlin dafür, den Pflegeberuf nicht weiter schlecht zu reden und künftig mit „Fakten statt Zerrbildern“ in der Diskussion zu agieren.

Laut DPR sind die im DKI-Gutachten genannten Hinweise auf eine verbesserte pflegerische Versorgung in der Intensivpflege aber „allenfalls als Schritt dahingehend zu werten, dass sich eine schlechte Situation etwas verbessert hat, mehr jedoch nicht“, so Westerfellhaus. „Die Zeit des Schönredens und Beschwichtigens muss endgültig vorbei sein“, forderte der DPR-Präsident. Die Einführung von Pflegepersonal­unter­grenzen in den pflegesensitiven Bereichen der Krankenhäuser sei „ein entscheidender Schritt für die Sicherung des allgemeinen Pflegebedarfs“, sagte er.

Mittelfristig fordert Westerfellhaus die Festlegung einer Personalmindestbesetzung für die Pflege in allen Krankenhausbereichen. „Ein Plädoyer für mehr Personal in der Pflege hilft uns nicht weiter. Dass hat uns die Vergangenheit deutlich gezeigt. Hier benötigt es Fakten, die der Gesetzgeber zu Recht geschaffen hat und die es jetzt gilt, zügig umzusetzen“, stellte er klar. © hil/aerzteblatt.de

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