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Ärzte sehen zahlreiche Engpässe in der Versorgung Älterer

Mittwoch, 2. August 2017

/srisakorn, stock.adobe.com

Wiesbaden – Medizin und Krankenhäuser in Deutschland müssen sich nach Forderun­gen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) besser auf ältere Patienten einstellen. Während die Zahl der Menschen über 65 Jahre in den kommenden Jahren stark zunehmen werde, stehe die fachgerechte geriatrische Versorgung noch am Anfang, erklärte der neue Vorsitzende der DGIM, Cornel C. Sieber, heute in Wiesbaden. Es gebe Versorgungsengpässe.

Bisher sei die Altersmedizin als Schwerpunkt in der Inneren Medizin nur in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt anerkannt, erläuterte Sieber. Zwar richteten immer mehr Universitäten einen Lehrstuhl für Geriatrie ein, der Bedarf werde dadurch jedoch nicht gedeckt. Immer noch fehlten auch Versorgungsstrukturen mit gut ausgebildeten Altersmedizinern und multiprofessionellen Teams aus Internisten, Unfallchirurgen, Neurologen, Sportmedizinern sowie Rehabilitationsangeboten.

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Erfahrung ist gefragt

Sieber betonte, die medizinische Versorgung älterer Patienten setze Erfahrung und Spezialkenntnisse voraus, die bei der Versorgung Jüngerer nicht zum Tragen komme. So müssten bei Betagten nicht nur die oft zahlreichen Begleiterkrankungen im Blick sein. Therapieziel sollte auch sein, Selbstständigkeit und Lebensqualität der oft gebrechli­chen Betroffenen bestmöglich zu erhalten.

„Ältere Patienten sind viel gebrechlicher und haben oft nur geringe körperliche Reser­ven“, sagte der Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg. Viele der Patienten litten bereits an mehreren chronischen Erkrankungen. Ein weiteres Ereignis – wie etwa ein Unfall oder auch nur ein Kranken­haus­auf­enthalt – könnte ihr bisher gerade noch funktionierendes Gleichgewicht nachhaltig aus dem Lot bringen. Notwendig seien auch besondere Kenntnisse über die Wechselwirkungen von Arzneimitteln. Auch Mangelernährung sei ein typisches Alterssyndrom, das in die Behandlung einbezogen werden müsse.

Die DGIM forderte, „die geriatrische Kompetenz der Krankenhäuser auf einen Stand zu bringen, der dem demografischen Wandel Rechnung trägt“. Dort liegt eine der großen Herausforderungen. „Menschen mit Demenz sind keine Randerscheinung mehr im Krankenhaus“, hieß es bereits im 2014 veröffentlichten „Pflege-Thermometer“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln. Nach Schätzungen leidet schon heute fast jeder vierte Patient an einer Demenz. In geschätzten 60 Prozent der Fälle wissen die Krankenhäuser zunächst nichts von dieser Krankheit.

Trotz Zuwanderung und steigender Geburtenzahlen wird die Zahl der Über-70-Jährigen zwischen 2015 bis 2050 um rund 46 Prozent zunehmen. Was gleichzeitig bedeutet, dass auch die Zahl der älteren Krankenhauspatienten stark anwächst. Allein im Zeit­raum von 2006 bis 2015 stieg deren Zahl bereits um rund 80 Prozent von 1,1 Millionen auf zwei Millionen an, heißt es im Krankenhausreport der Barmer. „Damit wird die fachspezifische Versorgung geriatrischer Patienten immer wichtiger.“ Die Finanzierung und die Umgestaltung der Medizin werde zu einer „zentralen gesundheitspolitischen Herausforderung“. © kna/aerzteblatt.de

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