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Fipronil: Warnungen in immer mehr Bundesländern

Donnerstag, 3. August 2017

/kamaz007, stock.adobe.com

Berlin – Der Lebensmittelskandal um mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier breitet sich jetzt bundesweit aus. Die Anzahl der Bundesländer, die Verbraucher vor den Eiern warnen, erhöhte sich heute. Das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit betriebene Portal www.lebensmittelwarnung.de listete derzeit die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein auf.

Angesichts des Ausmaßes bemängelte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), dass es keine bundesweit einheitlichen Handlungsempfehlungen für Verbraucher gebe. „Risikobewertung und Risikokommunikation dürfen nicht getrennt werden“, erklärte vzbv-Ernährungsexpertin Jutta Jaksche. „Das Ministerium für Ernährung und Landwirt­schaft muss hier dringend die Koordinierung übernehmen.“

Am Wochenende war bekannt geworden, dass mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Verbraucherschützer raten dazu, den Stempel von Eiern zu prüfen. „Eier aus Holland sind leicht an dem Aufdruck NL zu erkennen“, sagte Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Da aber auch Betriebe in Niedersachsen Desinfektionsmittel mit Fipronil verwendet haben, empfehlen wir vorsorglich Familien mit Kindern, vorerst auf niedersächsische Eier zu verzichten.“ Diese seien auf dem Stempelaufdruck an der Ziffer 03 zu erkennen, die direkt nach dem DE-Kennzeichen folgt.

„Es muss jetzt schnellstens aufgeklärt werden, wer die Verantwortung für den Skandal trägt“, erklärte Oelmann. Zudem stelle sich die Frage, inwieweit auch Geflügelfleisch mit Fipronil belastet sei. Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch befürchtet, dass die Belastung nicht nur Eier betrifft.

Schnelle Aufklärung gefordert

„Behörden und Unternehmen müssen jetzt nachverfolgen und unverzüglich öffentlich machen, welche Eier betroffen sind und vor allem auch, in welchen Lebensmitteln belastete Eier verarbeitet wurden“, erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Auch diese Produkte gehörten vorsorglich aus dem Verkehr gezogen und öffentlich zurückgerufen.

Das Insektizid Fipronil wird nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Eine Anwendung an lebensmittelliefernden Tieren ist nicht zulässig. 

Die Verbraucher sollten die Eier nicht konsumieren, sondern entsorgen oder ihrem Einzelhändler zurückgeben, erklärte die Bremer Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, Eva Quante-Brandt gestern. Fipronil könne in hohen Konzentra­tionen toxisch auf das Nervensystem wirken.

Problem: Verarbeitete Eier

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer verlangte eine Null-Toleranz-Politik. „Bei diesem toxischen Stoff gilt die Nulltoleranz. Er hat in Lebensmitteln nichts zu suchen“, erklärte der Grünen-Politiker gestern. Die Argumentation, für Kinder gehe bei einem Durchschnittskonsum in Deutschland keine Gesundheitsgefahr aus, verharm­lose das Problem. Wenn ein Kind mehr Eier esse als durchschnittlich angenommen, sei die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten.

Meyer betonte zudem, dass auch von verarbeiteten Eiern eine Gefahr ausgehe. Mangels Kennzeichnungs­pflicht bei verarbeiteten Eiern sei die Herkunft der Eier nicht zu erkennen. Verbraucher könnten so belastete Chargen nicht erkennen.

Bund und Länder wollen sich heute noch über die Einschätzung der Lage und das Vorgehen abstimmen. Bundesagrarminister Christian Schmidt sagte dem Radiosender RPR 1, man wolle sich in einer telefonischen „Krisenkonferenz“ beraten. Ziel der Zusammenarbeit sei, den Verbraucherschutz ganz nach vorn zu stellen.

Als Auslöser des Skandals gilt das Desinfektionsmittel Dega-16, mit dem Blutläuse bei Geflügel bekämpft werden sollen. Darin wurde Fipronil beigemischt, was in der Geflü­gel­zucht nicht verwendet werden darf. Ein belgischer Händler steht im Verdacht, dies getan zu haben.

Fipronil wird unter anderem als Pflanzenschutzmittel und in der Tiermedizin gegen Flöhe und Zecken bei Katzen und Hunden, aber auch zur Bekämpfung von Läusen, Schaben und Milben eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist verboten. Im Tierversuch hat sich Fipronil als akut giftig erwiesen. Der Stoff kann Schäden am Nervensystem und an Organen wie Leber, Nieren oder Schilddrüse verursachen. Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Fipronil gilt nicht als krebserregend.

Die aktuell gemessenen Fipronil-Werte in den Eiern überschreiten nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nicht die Referenzwerte, bis zu denen Lebensmittel ohne erkennbares Risiko aufgenommen werden können. Allerdings warnte die Behörde vor einem grundsätzlich möglichen gesundheitlichen Risiko für Kinder beim Verzehr belasteter Hühnereier. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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