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Medizin

Bilanz nach 15 Jahren: Sterbehilfe in den Niederlanden fest etabliert

Freitag, 4. August 2017

Rotterdam - Die Sterbehilfe, die in den Niederlanden seit 2002 gesetzlich geregelt ist, aber auf eine längere „Tradition“ zurückblickt, hat sich in den letzen 15 Jahren fest etabliert, wie eine Untersuchung im New England Journal of Medicine (2017; 377: 492-494) zeigt.

Public Health-Forscher der Erasmus Universität befragen alle fünf Jahre eine Stichprobe von Medizinern nach ihren Erfahrungen mit Sterbenden. Die erste Umfrage fand 1990 statt, die jüngste 2015. In diesem Zeitraum ist der Anteil der ärztlich betreuten Todesfälle, denen eine Diskussion um eine mögliche Sterbehilfe vorausging, von 39 auf 58 Prozent gestiegen.

Wie Agnes van der Heide und Mitarbeiter berichten, nahm der Anteil der Todesfälle bei denen die Ärzte aktiv Sterbehilfe leisteten, von 1,7 auf 4,5 Prozent zu. Aktive Sterbehilfe bedeutet hier: Der Arzt hat auf den expliziten Wunsch des Patienten ein Medikament verabreicht in der expliziten Absicht, den Tod des Patienten herbeizu­führen, was in Deutschland verboten ist.

Ein ärztlich assistierter Suizid, bei dem der Arzt das tödliche Mittel verschreibt, der Patient es aber selber einnimmt, ist in den Niederlanden selten geblieben. Van der Heide ermittelt einen Anstieg von 0,1 auf 0,2 Prozent. Die Beendigung des Lebens ohne expliziten Patientenwunsch ist in den Niederlanden von 0,8 auf 0,3 Prozent im Jahr 2015 zurückgegangen.

Die häufigste Form der Sterbehilfe ist in den Niederlanden (wie vermutlich auch in Deutschland) der Einsatz von Morphin zur Linderung der Symptome unter der bewussten Inkaufnahme eines vorzeitigen Todes. Der Anteil stieg von 19 Prozent aller Todesfälle im Jahr 1990 auf 36 Prozent in den Jahren 2010 und 2015. 

Eine weitere Maßnahme, um dem Patienten den Übergang von Leben zum Tod zu erleichtern, ist eine dauerhafte tiefe Sedierung. Sie wurde 2005 bei 8,2 Prozent und im Jahr 2015 bei 18,3 Prozent aller Sterbenden durchgeführt. Die Sedierung erfolgt mit einem Benzodiazepin, das in den meisten Fällen mit einem Opioid kombiniert wurde.

Laut van der Heide wird die ärztliche Sterbehilfe in 93 Prozent vom Hausarzt durchgeführt, 35 Prozent der Patienten sind älter als 80 Jahre, nur 27 Prozent der Patienten haben eine geschätzte Lebenserwartung von mehr als einem Monat, 92 Prozent der Patienten haben eine schwere somatische Erkrankung. Demenz (3 Prozent) oder psychiatrische Probleme (3 Prozent) waren selten der Grund für die Sterbehilfe.

© rme/aerzteblatt.de

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