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Selbsthilfe-App soll traumatisierten Geflüchteten helfen

Freitag, 4. August 2017

Traumatische Erfahrungen auf der Flucht erhöhen das Risiko, psychisch zu erkranken. /Artsgraphiques.net, stock.adobe.com

Leipzig – Forscher der Universität Leipzig entwickeln eine verhaltenstherapiebasierte Selbsthilfe-App für traumatisierte syrische Flüchtlinge in Deutschland. Die arabisch­sprachige App soll ihnen helfen, traumatische Kriegs- und Fluchterfahrungen zu bewältigen. Sollte sich die erwartete positive Wirkung der App in der Testphase bestätigen, soll sie ab 2020 für digitale Endgeräte wie Smartphones kostenfrei zur Verfügung stehen.

In Deutschland stellen syrische Männer, Frauen und Kinder die größte Gruppe unter den Geflüchteten dar. Sie erfuhren schlimme Kriegserlebnisse, viele verloren ihre Familie und Freunde oder erlebten Gewalt durch Folter. Darüber hinaus kommen die Erfahrungen der Flucht, mitunter die Trennung von Familienangehörigen und die Angst vor der ungewissen Zukunft dazu.

„Traumatische Erfahrungen erhöhen das Risiko, psychisch zu erkranken. Hinzu kommt, dass sich die Geflüchteten nach ihrer Ankunft hier in Deutschland in einer für sie völlig fremden Kultur zurechtfinden müssen“, erläutert Projektkoordinator Tobias Luck vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät Leipzig. Die Selbsthilfe-App soll ein zusätzliches Angebot zur medizinischen Grundversorgung darstellen.

Die verhaltenstherapiebasierte interaktive App setzt sich aus verschiedenen Modulen zusammen: Die zentralen Inhalte stellen die Bewältigung von psychischen Problemen und der Umgang mit Trauma-Auslösern dar. „Die App fußt dabei auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Traumabehandlung und wird speziell für die Bedürfnisse syrischer Migranten zugeschnitten“, unterstreicht Anette Kersting, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig.

Mit Selbsttests sollen die Betroffenen eine Rückmeldung auf ihre individuelle Problem­konstellation erhalten. „Uns ist es auch wichtig, dass die App Informationen und Empfeh­lungen zu professioneller Hilfe im Versorgungssystem in Deutschland wie zum Beispiel Notfallnummern und Anlaufstellen im Falle von Krisen geben kann“, sagt die Leiterin der Studie, Steffi Riedel-Heller vom ISAP. Nach Entwicklung dieser Inhalte soll anschließend die Wirksamkeit der Selbsthilfe-App in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit syrischen Geflüchteten überprüft werden. Neben der Wirksamkeit der App bezogen auf posttraumatische Symptomatik und weitere psychische Zielgrößen wie Depressivität, Angst und Lebensqualität werden auch die Nutzerakzeptanz und -freund­lichkeit sowie die Kosteneffizienz untersucht.

Um die App zu entwickeln, arbeiten Leipziger Einrichtungen mit dem Institut für Gesund­heitsökonomie und Versorgungsforschung in Hamburg zusammen. Das Projekt wird mit 925.000 Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesaus­schus­ses finanziert. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss fördert neue Versorgungsformen und Forschungsprojekte, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen und auf einen Erkenntnisgewinn zu einer besseren Versorgung abzielen. © gie/idw/aerzteblatt.de

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